Schelling

Schelling Nachlass-Edition


Jahreskalender 1845

Januar

Die Psychologie der Franzosen ist nicht zuzulassen. Die Metaphysik ist gerade nur dadurch Etwas, daher sie wirklich a priori ist. Wenn nicht daher, so ist sie nichts oder wie will man sie hinstellen? Ist aber darum die Erfahrung ganz verdrängt? Nein sie wird bald die ihr gebührende Stelle einnehmen. Wer aber einmal die Grundlage syllogistischer Schlüsse in der Metaphysik anerkennt kann sie nicht mehr verkennen. Diese syllogistische Methode ist dabei negativ seit Kant, positiv seit einer andren Methode und sie wird nie wieder aufkommen, wohin immer unsre deutsche Philosophie drängt und wie sie verstanden wird. Die Potenzen der Natur verwandeln sich für mich in geistige Gesetze von denen ich gebunden bin – so – geistig – werde ich an das Seyn zurück gebracht zur Strafe dafür, daß ich mich über dasselbe erheben wollte.

εν τω κοσμος ην Joh. 1,10 kann so viel heißen: Er war nur in der Welt, (als Mensch) und die Welt war durch ihn geworden (das heißt, er hatte das allgemeine Verhältnis zu der Welt, daß sie durch ihn geworden war, aber sie kannte (erkannte) ihn nicht. Er kam zu denen, zu welchen er ein besonderes Verhältnis hatte.

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Am Ende der negativen Philosophie ist A0 zu bestimmen als die »übermaterielle (denn materiell ist ja A0, nicht die Potenzen) die geistige und eben darum unzerreißbare Einheit.«

»Durch die Herauswendung der Potenzen wird der reine unvermittelte Actus des göttlichen Seyns in einen vermittelten verwandelt.«

Damit wäre aber Gott schon vorausgesetzt, während er in der positiven Philosophie nur a posteriori erkannt werden soll.

»Es ist das Existirende in unvordenklichem Actus – vor ¿¿¿

»Es ist das Existirende dem Wesen nach – nach ¿¿¿

Sollte nicht auch in der positiven Philosophie eben jener actus purissimus, der die Potenz selbst zu Gott macht nur das Ende seyn – wo die Potenzen Er selbst (Gott) sind. Proceß der Deification, wo am Ende Gott alles (das heißt Gott) in allem (in Jedem OXV. p. 60).

Februar

Actus als Wesen, der A als Actus. Dem Wesen nach braucht A0 nicht auch actu Actus zu seyn. Der Actus im letzteren Sinn ist keine Potenz des Actus im ersten.

Auszugehen von dem seiner Natur nach Seyenden (Actus), das ebendarum unvordenklich actu Seyende. Um nun jenen zu befreien, muß dieses, dieser Actus, aufgehoben werden – die gewöhnliche Behandlung dieses Begriffs ist, daß es bloß Idee ist. Das unvordenklich Seyende bleibt dieses, nur der Actus wird aufgehoben und Gott ist noch immer nichts andres, als eben das Seyn (sensu positivo), Actus der Wesen.

Les sciences ont deux extrémités qui se touchent. La première est la pure ignorance naturelle où se trouvent tous les hommes en naissant. L’autre extrémité est celle où arrivent les grandes âmes, qui ayant parcouru tout ce que les hommes peuvent savoir, trouvent qu’ils ne savent rien, et se rencontrent dans cette même ignorance d’où ils étaient partis. Mais c’est une ignorance savante, qui se connaît. Ceux d’entre-deux, qui sont sortis de l’ignorance naturelle, et n’ont pu arriver à l’autre ont quelque teinture de cette science suffisante et font les entendus. Ceux-là troublent le monde, et jugent plus mal de tout.

Les hommes sont si nécessairement fous, que ce serait être fou par un autre tour de folie de n’être pas fou.

A cause qu’un boiteux reconnaît que nous allons droit, et qu’un esprit boiteux dit que c’est nous qui boitons.

Pourquoi Dieu a établi la prière? Pour communiquer à ses créatures la dignité de la causalité.

Trop de vérité nous rendent ingrats Pascal (erster Ausdruck statt deßen jetzt: nous etonne. Siehe die neuste Ausgabe Tomus II p. 70.

Dans la vue de ces infinis, tous les finis sont égaux.

Das Gerede, daß die Philosophie nur ein Object hat, welches das reine Produkt des Denkens ist: auf rationellem Wege gefunden ist, ein Seyendes das ohne ihr von außen gegeben zu seyn, wie das in der Erfahrung Seyende, doch wirklich Object ist, Object κατεξοχεν. Der Gegenstand der negativen und positiven Philosophie beruht auf dem menschlichen Verstand, in welchem Begriff und Existenz in Beziehung auf alles, was nicht Gott ist und in Beziehung auf das höchste Wesen zu einander stehen (das Ende der negativen Philosophie ist nur die nothwendige Existenz.

Vom Hegelthum: »Während sein esoterisches Aussehen unergründlich abstrus, sein exoterisches ausnehmend populär, auf gleicher Höhe mit den (allen) Fähigkeiten – –«

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Weltanfang

Cependant (c’est-à-dire) quoique le monde n’a pas toujours été il est faux de dire, qu’il y ait en un temps [c’est-à-dire un temps s’ecoulant] où le monde n’était pas et que dans ce temps Dieu n’était pas créateur, car le temps n’a commencé qu’avec le monde dont il est la durée. Il y a donc eu un prémier instant de l’existence du monde, un instant auquel aucun temps n’est antérieur. [Il fallait dire était antérieur]

Die Frage wegen der Platonischen Ideen ist nur, ob sie ihrer Natur nach ewig und in diesem Sinne unabhängig von Gott sind – nicht, ob sie Gegenstände der göttlichen Gedanken sind. Dieses müßten sie wohl sein, da Gott nach ihnen bildet. Etwas anderes wieder, ob sie Gedanken Gottes (hervorgebrachte) sind.
Conferre Theaitetos p. 191C–195B.

Quant à l’éternité c’est-à-dire à l’exsistence une et indivisbible de l’Être nécessaire, elle n’est ni avant, ni après quoi que ce soit.

Et tous les temps sont présents devant elle, de même que tous les points de la circonférence d’un cercle tournant sur lui-même sont en regard du centre immobile. Dieu n’a point été il ne sera point, il est. (Gilt nur von Gott, dem Wesen und Seyn Eines). – – – Il veut, et ce qu’il veut existe et dure autant qu’il lui plaît, parce que sa volonté ayant pour support (sic) pour substance une puissance infinie, pour lui vouloir c’est produire.

Tous ces arguments (contre la création) supposent, qu’avant la création Dieu a été pendant un nombre infini de siècles [il a été jusqu’à sa création ¿¿¿ éternelle] uniquement occupé de la contemplation de lui-même, sans rien produire au dehors. Telle n’est pas la doctrine chrétienne. L’Acte créateur est éternel en Dieu [c’est-à-dire éternel par Essence, non par durée] – Le monde au contraire comme tous les résultats des actes de la Providence divine existe dans le temps, ou plutôt le temps est la durée même du monde et cette durée ne peut être infinie dans le passé; car le passé c’est ce qui est infinie en cet instant.

Daß sie die Negation der vom Wesen verschiedenen Existenz ist, und diese vom Wesen verschiedene Existenz ist als das Mittel und die Voraussetzung des Beweises für die vom Wesen nicht verschiedene Existenz Gottes. Das vom Wesen verschiedene Seyn ist wohl die Potenz (Möglichkeit) der Gottheit, aber nicht die Gottheit. Zum Beweis bedarf es eines Mittels. Zu dem worin Seyn und Wesen Eines, das heißt die Existenz dem Wesen nicht verschieden, kann man nur gelangen durch Ausgehen vom Seyn, das als dem Wesen Vorausgehendes aufgehoben wird. In Beziehung darauf, daß Gott existirt, ist die Einheit des Seyns und Wesens keine Antwort. Aber diese Einheit des Seyns und Wesens soll existiren. Jene ist gleich dem höchsten Wesen, gleich dem Vernunftideal Kants – dieses ist gleich dem nothwendig actu Existirenden (dem andern Vernunftbegriff).

März

Das von selbst (ohne Übergang) Seyende ist die höchste und letzte Möglichkeit von allem. Dieses muß aber noch in actu gedacht werden. Diese höchste Möglichkeit ist es nur als Gott oder wenn es Gott ist.

(Copernicum) videmus rationibus persuasum, constanter in ea (re) affirmanda petrexisse, cujus contrarium experimenta sensibus obvia monstrabant – (constanter persistere voluit in affirmando, Vererem circumagi circa Solem et à nobis sexies Congius abesse una vice quam altera, et tamen apparere sibi ipse aequalem cum quadragies majorem ostendere se deberet.

Ittig Heptas Dissertationem, p. 401
Arnaud’s behauptet, daß Petrus und Paulus mit gleichem Rechte die Häupter der Kirche genannt werden können wurde päbstlicherseits als ketzerisch erklärt.

April

Bei dem andern aus -A +A ±A hervortretenden wissen wir, Was es ist und durch Erfahrung, daß es Ist. Von A0 wissen wir, daß es die übermaterielle Einheit alles in der Erfahrung Gegebenen ist, aber nicht daß es Ist. Aber in dem Sinn wie jenes (das aus –A +A ±A Hervorgegangene), existirt es nicht (oder kann es nicht existiren) – Das heißt man kann von ihm nicht eigentlich sagen, daß es existirt (wie von jenem gesagt wird: es existirt. Aber es ist nicht die Existenz το ον) sondern es ist das Existirende. Das ist es jetzt aber auch nicht – denn die Existenz ist nicht mehr.

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Es kann also nur an und für sich das heißt vor seiner Gottheit die Existenz seyn und man kann nicht beweisen, daß Gott existirt, sondern daß das, was a priori die Existenz ist, auch a priori Gott ist (wirklich durch einen Actus, also actu [aber durch Voraussetzung] Gott ist) und ich muß da abbrechen, das heißt zu einem neuen Anfang fortgehen. Denn daß das Resultat (A0 als Resultat) Gott ist, das sehe ich wohl und vor dem ist es nicht zu beweisen, aber daß das, was a priori die Existenz ist, a posteriori Gott ist, dieß ist zu beweisen.

Ce sont trois actes (ενεργεια), actes nécessaire qui sont éternellement tout ce qu’ils peuvent être, qui par conséquent ne se développent point et qui ne se confondent pas non plus – C’est dans l’action extérieure seule, par exemple dans la création et dans la conservation du monde, que la coopération des trois personnes se confond en un même fait complexe.

Alexander von Humboldt schreibt für die Ausgabe 115 der Allgemeinen Zeitung vom 25. April 1845 den Artikel »Über das Menschengeschlecht«, in dem er das Supremat der »weißen Rasse« in Frage stellt. Schelling liest eine Besprechung dieses Artikels, die am 30. Mai 1845 erschienen ist. »Auch jede Rasse besitzt ihren bestimmten Verbreitungsbezirk, genau so wie die Arten der Thiere«. Herr von Humboldt spricht sich für die Einheit des Menschengeschlechts oder vielmehr der Menschenart aus; er betrachte die Verschiedenheiten zwischen den einzelnen Menschenstämmen nur als Varietäten.

Herr von Humboldt gibt selbst zu, daß die Extrema der Menschenracen nicht als Abarten sondern als ursprünglich ungleiche Arten betrachtet werden können, wofür auch die Unabhängigkeit der Typen von den klimatischen Potenzen spreche.

Für den bloßen Zoologen würde nach denselben Grundsätzen, nach welchen er die verschiedenen Affenarten trennt, auch der ächte Neger, der Amerikaner als wohl charakterisirte Art dastehen.

Es möchten somit von einem zoologischen Standpunkt die Extrema der Typen, welche das Menschengeschlecht bietet, mit den bei den Säugethieren als Arten unterschiedenen Typen durchaus äquivalente Stellung besitzen, und demnach mehrere ursprüngliche Menschenarten anzunehmen seyn.

Mai

»Der Sternenhimmel ist uns ein Fingerzeig, daß es ein Schaffen und Walten gibt, welches so ausgedehnt ist, daß es weit über das Erdenleben hinaus in eine unermeßliche Zukunft geht. Diese Zukunft verkündigen uns die Gestirne, sie öffnen uns die Aussicht in eine Fülle von Zeiten, die weit über unsere irdische Zeit hinausgehen, in eine Zukunft, die keine Gränzen hat. – Diese Bestimmung haben die Sterne für uns: Herolde der Zukunft zu seyn.«

Die negative Philosophie sucht allerdings das, was existirt (sensu objecto) ausgehend von der Idee – sie will von der Idee aus das, was existirt (sensu objecto) und sie findet, da alles Vorhergegangene zwar wohl auf gleiche Weise existirt aber nicht das Existirende ist – Sie weiß, was die Existenz ist, aber sie hat es nicht als existirend. Nun sucht sie, wie: es kann nicht auf die Weise wie alles andre (a posteriori), es muß also, denn es existirt, a priori existiren, und damit ist sie auf den Anfang der positiven Philosophie gestellt. Das Ende der negativen Philosophie ist die natura necessaria.

Juni

Negative Philosophie vom nicht Seyn ausgehend zum Seyenden zu gelangen. Sie sagt am Ende: das ist das Seyende, aber es Ist nicht. Positive Philosophie vom Seyn ausgehend zur Idee – zum Seyenden in der Idee zu gelangen.

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[ganz gut, da müßte aber wieder dem Anfang oder Princip der positiven Philosophie jene logische Auseinandersetzung vorausgehen, und wenn jenes übermaterielle Subject Object das Ende der negativen Philosophie wäre, so wäre der positiven Philosophie das Princip durch jene gegeben – sie wäre nicht unabhängig]

Dieser muß existiren, wirklich seyn, denn die Dinge existiren. Nun existiren diese, also existirt auch jener. Aber jener muß vielmehr unabhängig von diesen wirklich seyn, also a priori, und philosophisch existiren die Dinge erst, wenn sie als Folge seiner Wirklichkeit wirklich sind. Und es kommt also darauf an, aus seiner apriorischen Wirklichkeit die Wirklichkeit der Dinge abzuleiten.

NB: Anfang für die negative Philosophie a) eines, das seyn kann (Subject), das aber b) Ist (zwei Seiten) und daher c) seyn könnend ist oder seyend seyn kann.

-A kann vor sich selbst weder seyn noch nicht seyn – nicht sich selbst bedingen. Es bedarf eines anderen (dadurch wird +A gefordert).

Oder auch daß -A nicht um seiner selbst Willen +A werden kann, sondern um eines andern Willen.

Eigentlich ist es so, daß z. B. B (+ gewordenes -A) seine Möglichkeit in +A, beide in ±A , alle in A0 haben – die letzte Möglichkeit, die Möglichkeit von allem, ist in dem nicht durch Übergang, sondern von selbst Seyenden.

Bei jenem Vorgehen, wo man ascendende von 1 zu 2 als dessen Möglichkeit aufsteigt, kommt man am Ende dahin, daß das Höhere vor jenem seyn müßte.

Die absolute Identität im Anfang ist nur Idee, die realisiert werden soll. Sie findet sich am Ende (das von sich selbst – immateriell – Subject – Object Seyn. Dieses kann nur a priori geistig, aber seinen Inhalt, daß es Gott ist, muß es a posteriori darlegen.)

(Gott oder das Letzte der negativen Philosophie) existirt nothwendig (muß existiren), wenn die Dinge existiren sollen. Nun kann man sehen: die Dinge existiren. Also existirt auch er, aber nur abhängig von ihnen. Damit dieß bewiesen, müßen die Dinge so existiren, daß ihre Existenz die Folge seiner Existenz sind und dieß muß erst gezeigt werden. Es ist nicht genug zu sagen: Die Dinge existiren, sie müßen existiren als Folge seiner Existenz.

Die Identitätsphilosophie geht nicht vom Wahren aus sondern hat es zum Resultat. Sie geht von etwas aus (geht aus von einem Anfang, der in dem Folgenden erst seine Wahrheit hat (von dem seiner Natur nach nicht Seyenden zu dem seiner Natur nach Seyenden – dieß bleibt A0. Die Wahrheit jedes in dieser Folge Vorkommenden besteht eben darin, gegen ein Eheres zum nicht Seyenden zu werden (alles Seyn Könnende immer wieder zur Stufe für ein Höheres zu machen bis zu dem Letzten, das nun doch als seyend gedacht (gegen nichts andres mehr nicht seyend) werden kann.

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Hier also, wo es noch reiner Ausgangspunkt, ist noch kein von ihm verschiedenes Seyn, das heißt es ist selbst nichts ¿¿¿ Seyn, reiner Actus (denn nicht weil es -A +A ±A ist, ist es das Seyn, sondern erst, weil es das Seyn selbst (das heißt mit Identität von Wesen und Seyn) ist, ist es (wird es) -A +A ±A Hier ist es nur ein – dieses (εν το) – Eines, das das Seyn ist. Die ganze negative Philosophie würde nur der Beweis seyn, daß das materielle Seyn nicht ist und daß das verschiedene Seyn ist, was das materielle Seyn ist.

Hauptsache doch: daß A0 das Prius des materiellen Seyns, nicht umgekehrt. Es kann ja das alles, was vom Anfang der (Natur)philosophie ¿¿¿ werden nicht seyn. Erst A0 ist das um seiner selbst willen Seyende und also auch actu Seyende.

Alles andere ist nur, wenn dieses Ist, dieses also muß voraus (von selbst) seyend, nicht zufällig ein anderes, sondern als das, was selbst Existirendes ist.

Resultat am Ende der negativen Philosophie, daß nicht das (materielle) Seyn das Seyn selbst setze, sondern umgekehrt dieses das Setzen und das Prius von jener. Und was denn nun diese als Folge? Nicht das Seyn im materiellen Sinn.

Am Ende der negativen Philosophie ist das Seyende (sensu objecto) aber doch nur der Natur nach. Es ist doch nur Begriffsbestimmung. Das Seyende actu nur a priori.

Juli

Wenn das Seyende (-A +A ±A) gegeben, so kann man entweder mit dem bloßen Inhalt sich bescheiden oder mit dem Seyn, dem Actus. Bei dem Bescheiden mit dem Inhalt ist das Existirende A0 frei zu bestimmen – es von -A +A ±A frei zu machen. Daher Ausgangspunkt von dem nicht Seyenden. Im umgekehrten Fall Ausgang von dem, was seiner Natur nach Actus ist von A0.

A0 am Ende der negativen Philosophie das einzige das Ist, und von dem aber soll (so fordert die negative Philosophie) bewiesen werden, daß es der Herr der Natur wie der von der Welt, das heißt, daß es Gott ist – seine Existenz soll nicht bewiesen werden, denn er ist es, was existirt.

Gott existirt nicht, sondern ist gleich dem Seyenden; dieß sein Seyn in der Idee. Gott ist das Seyende, heißt: Gott ist die Idee oder in der Idee, er existirt, heißt: er ist außer der Idee –

Sollte die negative Philosophie nur Beweis der Wahrheit der Idee durch die Existenz seyn (der aber bei Gott nicht zu führen ist, daher eine andre Wissenschaft), die positive Philosophie aber Beweis der Existenz Gottes?

August

»Ob die Haupt und Grundgedanken, diejenigen in denen der ganze Sinn der Bibel liegt, Gedanken der Menschen sind, an welche sich die späteren Geschlechter nur anders halten, um womöglich über sie hinauszukommen, oder Gedanken, an welchen alle Zeiten zu lernen haben, um immer tiefer in sie einzudringen, dieß ist die Frage.«

(Rousseau, Emil III zeigt, daß der sogenannte historische Glaube und seine Grundlage durchaus unhaltbar sey: er substituiert diesen, um die Vorzüglichkeit der christlichen Lehre zu beweisen, die Hinweisung auf ihre sittlichen Vorschriften und ihre Folgen in dieser Beziehung. – Aber es gibt auch außer diesem eine andere Begründung – der Zusammenhang in welchem das Christenthum mit der ganzen Welterscheinung steht, und daß es nur ein nothwendiges Corollar der Pincipien ist, ohne die diese unerklaerbar waere)

September

Die Existenz Gottes kann nicht bewiesen werden. Denn Gott existirt, heißt: Gott ist das Existirende. Aber ist er das Existirende, so ist er nicht Gott. Also kann nur die Gottheit des Existirenden bewiesen werden, das heißt, daß das, was das Existirende ist, über dem Existirenden (frei davon, das heißt, daß es Gott ist).

Politisch-Literarisch: »Die obersten Kirchenbehörden (Sachsens) haben in dieser verschiedenen Richtung, wie sie sich bis vor Kurzem in Sachsen kund that keine Gefahr für das Bestehen der evangelischen Kirche gefunden, sie haben vielmehr seit längerer Zeit – theils geschehen laßen, theils dafür gesorgt, daß dem religiösen Bedürfniß nach diesen verschiedenen Auffaßungsweisen Genüge geschehe.«

»Die Krisis – – scheint gerade darinnen zu bestehen, daß der religiöse Sinn darnach ringt, die ewige Wahrheit des Christenthums, von der er nicht lassen kann, ohne sich selbst zu verleugnen, und die er doch in der Form, wie sie ihm in der christlichen Lehre dargeboten wird, mit allem was er sonst als Wahrheit anerkennen muß, nicht in Einklang setzen kann, in einer neuen, seinem gegenwärtigen Bewußtseyn adäquaten Gestalt sich zu eigen zu machen. Möglich dieses Bestreben zunächst nur negativ – aber der Grund etwas Positives, der Drang, die Wahrheit auch als eigenstes Besitzthum – des Geistes und somit in Wahrheit zu haben.«

Auch die alte Orthodoxie hat sich doch auf die Wahrheit berufen, nachdem sie es als göttliches erwiesen zu haben glaubte. Sie kann es aber nicht als göttliches wirklich erwiesen und begreiflich gemacht haben, als nach dem Christus als Sohn Gottes, als Mensch gewordener Gott kurz nachdem schon der ganze Inhalt, der durchs Was bewiesen werden sollte, gefunden und als Wahrheit erkannt ist. Dieses erste Erkennen kann also nicht wieder auf der Autorität des bloßen Wortes beruhen. Da muß ¿¿¿ von dieser unabhängig aufgefunden werden.

Heute reicht die Philosophie; greift in diese nicht ein, indem ihr nur eine in religiöser und praktischer Hinsicht überhaupt unbedeutende duldet und begünstigt!

Umgekehrt da niemand heutzutag, selbst nicht einer der Herren Minister in Evangelici alles gleich göttlich und gleichgehörig zur Lehre achtet, so sucht erst die Lehre in ihrem ganzen Zusammenhang, damit ihr wisst, was nicht dazu gehört. So lang ihr sie nicht in ihrem ganzen Lichte erfaßt, werdet ihr wegwerfen, was zu ihr gehört, beibehalten, was überhaupt nicht, oder was nicht zu ihr als christlicher (sondern bloß als allgemein menschlicher) gehört.

»Der menschlichen Vernunft das oberste Richteramt in allen Glaubenssachen ausschließlich beizulegen.« Auch dieß ist in gewissem Sinne unvermeidlich und anstatt dieß abzulaßen, sich vielmehr Mühe zu geben, über diesem unverstandenen Gebrauch des Wortes Vernunft hinauszukommen. – Die Vernunft hat ursprünglich nichts zum Inhalt als die allgemeine Idee des Seyenden, alles was sie später anerkennt, zuletzt begreift ist schon eine Entwicklung daraus. Nun kann 1) von einer eigentlichen Entwicklung gar nicht die Rede seyn – wie bei der Potenz 2) von einer nur unvollständigen – und der Vollständigkeit kann man nur durch ein vollständiges System der Philosophie gewiß werden.

Oktober

(Inferno XXVIII, 41)

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Hardwin hat die Divina Commedia des Dante für das Werk eines Schülers von Wiclif erklaert.

Ende 1844 erscheint in Mailand eine italienische Übersetzung des 1802 publizierten Dialogs Bruno unter dem Titel Bruno, ossia un discorso sul principio divino e naturale delle cose. Dialogo di Federico Schelling. Die Übersetzung besorgte die Marchesa Florenzi Waddington (1802–1870). Schelling hat die mit einem Vorwort des Philosophen Terenzio Mamiani (1799–1885) versehene Ausgabe im November 1845 erhalten und geht einige Stellen im italienischen Text durch. Im November 1845, so bezeugt es die zweite Auflage der italienischen Übersetzung von 1859, stand Schelling mit der Marchesa in Briefkontakt. In diese Zeit fallen auch folgende Tagebucheinträge.

Aus Bruno: Im Unendlichen ist der Cirkel gleich der geraden Linie, das unendlich Kleine coincidiert mit dem unendlich Großen, die Einheit mit der unendlichen Vielheit, welche nicht mehr Zahl ist.Im italienischen Original von Terenzio Mamiani heißt es:»Nella immensità il circolo coincide colla retta, l’infinitamente minimo coll’infinitamente massimo, e l’unità coincide colla infinita moltitudine, la quale non è più numero.«

Quanto le forme individuali partecipano più della universsalità e dell’essere potenziale, ¿¿¿

Unendlicher Raum
So groß das Endliche seyn mag, gegen das Unendliche ist es gleich Null. Das heißt also seine Größe ist in Bezug auf das Unendliche eine völlig gleichgültige. Endliches wird von Endlichem nur äußerlich begränzt. Il finito può ricevere la finità eziandio dal dissimile a lui.

Non si può immaginar l’estensione, o reale, o ideale, finita da cosa dissimile; perchè, a rispetto dello spazio, finire significa er appunto questo, di produrre in una indefinita grandezza due modi di estensione, uno circoscritto ed uno circoscrivente.

Die Dinge erhalten ihre Gränze als Schranke von Gott und so wie irgendein Ding seine Schranke von einem anderen Ding erhält.

Wenn der praktische Glauben an die Unendlichkeit des Raumes ¿¿¿ so darf sie an eine unerklärliche und unumschriebene Ausdehnung, die jede particulare, wirkliche oder mögliche Ausdehnung umfaßt.

Hegel – ihm ist Gott das reine Denken, das reine System der abstracten Kategorien, die Natur die Entäußerung des Denkens, und der Geist das Denken des Denkens.

Schelling habe das Ideale nur als die eine Hälfte, statt als das Ganze gesetzt.

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Es ist unphilosophisch »das Princip (den Anfang) sich wieder zum Moment aufheben lassen«. Wie kann überhaupt das metaphysische Princip aus dem alles geworden, wieder Moment eines anderen werden?

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Beweis der Existenz Gottes ist gleich dem Beweis, daß das, was (wie το δε oder εν το) als (in unvordenklichem Actu) das Seyn ist, gleich Gott ist.

November

Versuch dieses Beweises, aber vorausgesetzt, daß es nicht bloß im Gedanken, daß es wirklich - A + A ± A sey; damit auf den ersten Begriff zurückgeworfen – es ist ein neuer Anfang, eine ganz andre Wissenschaft, die nicht mehr reine Vernunftwissenschaft, die bloß fragt: wie möglich – nicht apodiktisches Wissen. (Com. II p. 18) Macht materiell dasselbe, dennoch eines sehr verschiedenen Inhalts fähig, andre Methode.

Das bloße Seyende ist das Seyende in der Idee, das, was das Seyn ist, ist nicht Seyn in actu.

In der negativen Philosophie ist Gott auch nur das, was Actus ist, und ebenfalls nur in der Potenz (für den Gedanken) nicht abgesondert von dem, was das nicht-Existirende ist.

Ausgangspunkt der positiven Philosophie, daß das existirt, was das Seyn ist, dieß a posteriori.

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Was ist das Seyende - nicht eben dieses oder jenes, nicht inwiefern es schon mit Bestimmung gesetzt ist, sondern in seiner Reinheit und Ursprünglichkeit, so daß in seinen Begriff nicht mehr eingeht, als eben nothwendig ist um das Seyn zu seyn. – Diese Frage nun ist eine Frage an die reine Vernunft (dazu Erfahrung nicht) und die Vernunft selbst ist rein, das heißt bloß in sich selbst und nur sich selbst (den ihr eingeborenen Gesetzen folgend, wenn sie den Begriff vom Seyn erzeugt, das Seyn also nicht bloß Inhalt sondern reines Erzeugnis der Vernunft.

Beim bloßen Begriff nicht stehen zu bleiben, zum wirklichen Seyn zu gelangen.

Oder: 2 Wege a. wo das Seyn (A0) das Ziel ist, b. wo es wieder der Anfang ist, Wege, die bei aller Identität doch auf einen sehr verschiedenen Inhalt führen Oder: hier gleich 2 ¿¿¿, das Seyende (= A0) in das nicht Seyn (-A +A ±A), und wenn man A0 als bloße Idee will, so vom nicht Seyenden auszugehen. Will man es als wirklich, so vom Seyn (von A0). Dieß der Punct.

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Nur das, was das Seyn ist, ist das für sich (das a priori) Existirende. Mit dem A0 in der negativen Philosophie sind wir zu Ende. Denn wir wollten ja nur in der Idee das Höchste haben. Nur was es sey. Aber eben damit zur Existenz über, und da nur gilts: daß das nothwendig existirt, was das Seyn selbst ist. (daß aber etwas nothwendig existent ist, dieß ist die absolute Vernunftvorstellung.)

Das Ende der negativen Philosophie ist nur das nothwendig Existirende, nicht die nothwendige Existenz, von dieser geht erst die positive Philosophie aus.

Doch auch bei diesem Vorgehen, daß das Vorhergehende, z. B. die Materie, in dem Folgenden seine Möglichkeit hat, A0 die höchste und letzte Mög- lichkeit von allem ist – für die Wirklichkeit also, oder in der Wirklichkeit das Umgekehrte, daß nämlich diese letzte Möglichkeit von selbst das, was ohne Vorausgehendes Wirklichkeit ist, das heißt wirklich -A +A ±A oder das Seyn ist.

Was ist das Seyende? Nicht ein Allgemeines, sondern ein εν το oder τοδε το.

Dezember

Vernunftreligion ist Religion, die von Gott in der Idee (das heißt in -A +A ±A oder die von Gott als dem Seyenden) ausgeht, die aber doch erst zu Religion wird, indem sie Gott außer der Idee, befreit von dem Seyenden hat, das er ist, (ich muß Gott in der Vernunft haben, um ihn außer der Vernunft setzen zu können) in der (–), rein rationalen Philosophie aber habe ich ihn außer der Vernunft, aber bloß als möglich, weil ich ihn auch in der Vernunft bloß als möglich hatte. Um ihn außer der Vernunft als wirklich zu haben, muß ich ihn in der Vernunft als wirklich haben, so ist er aber ursprünglich darin, denn ich habe ihn als bloß möglich in der Vernunft ja durch meinen bloßen Akt. (Durch die Frage: wie möglich? eingesetzt.

Man will vom Ende der negativen Philosophie, daß alles wirklich – da bleibt nichts als gleich den Anfang (gleich A0/-A +A ±A) selbst als existirend zu setzen.

Das Resultat am Ende der negativen Philosophie ist, daß nicht (wie scheinbar bisher) das materielle Seyn das Setzende von A0, sondern daß A0 das Setzen des materiellen Seyns sey. Und was dann nun A0? Nicht das Seyende, das heißt das allgemeine, die Idee, sondern dieses schlechthin einzig.

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Gegensatz von negativer und positiver Philosophie auch: Jene betrachtet das abstracte, diese das concrete Seyn (absolute). Das concrete Seyn ist in dem A0 als εν το. Das concrete Seyn als selbst nur a posteriori erkennbar – »es dem bloßen Inhalt nach haben« heißt es abstract oder in der bloßen Idee haben.

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Das Ideal aus Kant ein einziges durch eine Idee allein bestimmtes (der Idee selbst gleiches) Ding.

Was nichts Allgemeines, sondern schlechthin einzig ist, kann nur reine Wirklichkeit seyn. Zum Übergang: Daß Eines ist, das wirklich (nicht bloß in der Idee) -A +A ±A ist, kann nur durch ¿¿¿ bewiesen werden.

A0 hat in -A +A ±A sein außer sich Seyn. Durch das Logische wird es aufgehoben, durch das Wirkliche hebt es selbst sein außer sich Seyn auf.

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Il est sans temps dans tous les temps de la création.

Il faut donc concevoir que vous êtes éternellement créant tout ce qu’il vous plaît de créer.

La même existence permanente, à laquelle ce qui n’est plus était présent pendant qu’il étoit, est encore la même, lorsqu’une autre chose passagère a pris la place.