Es war mir sehr leid, daß Du am nicht nach P˖[ähl] kamst, zumal ich mir geschmeichelt hatte, Du würdest mit den Kindern hier einige Tage bey mir von Deinen Anstrengungen ausruhn. So sehr es mich freute, nach so langer Zeit die kleinen Kinder wieder zu sehen, hätte ich doch sehr gewünscht, sie nicht, so ganz gegen meine Dir bekannte Gesinnung, dem guten Onkel aufgeladen zu sehen. Einige von den Büchern hätte er leichter mit genommen. Im Ganzen ist mir die Partie sehr schlecht bekommen; ich bin einmal so gestellt, daß was andern zur Erheiterung und zum Glück gereicht, für mich gewöhnlich zum Schaden und Verdruß für Gemüth und Leib ausschlägt. Das schlechte Essen, die ganz zwecklose nachmalige Spazierfarth auf dem See, die schon ausgemacht war und ich meinem Grundsatz gemäß nicht hindern mochte und endlich das Fahren bis in die späte Nacht (11 1/4 Uhr) unter sehr lebhaften Bekümmernissen, die daraus entstanden, daß ich einem Wirth unterwegs von dem schlechten und bey Nacht gefährlichen Weg nach Dießen sprechen hörte, und der junge Postillon, wie mein Kutscher wußte, diesen Weg noch nie gefahren war – dieß alles hat natürlich nicht zum Besten auf mich gewirkt. Wegen Karls ließ ich auch gleich am in Dießen erkundigen und erhielt zu meiner großen Beruhigung noch von ihm selbst die Versichrung daß er wohlbehalten, noch vor 9 Uhr dort angekommen sey, ein gutes Nachtquartier gefunden habe und eben im Begriff stehe, den See und die Gegend zu sehen. Ich hatte ihm Dießen vorgeschlagen, weil dieß ein vollkommner Ersatz für Andex ist; bey dem schönen Wetter wird ihm und seiner Gesellschaft dieser Partie noch einen sehr angenehmen Eindruck gemacht haben. Ich hätte so gern über Karls Aufenthalt in München manches, was mich interessirt hätte, gehört; das werde ich nun vielleicht in Jahr und Tag gelegenheitlich einmal hören.
Die Bötin wird nun heute, wie ich hoffe, einen Theil der Bücher einige Wäsche, aber weil ich es nicht ausdrücklich bemerkte schwerlich Handtücher und Geld bringen, das Du mir so spärlich zuzählst, als müßtest Du es mit Deinen Händen verdienen, und als hätte ich hier nicht noch eine sehr große Rechnung zu bezahlen gehabt, nicht einmal volle 30 fl. erhielt ich zuletzt.
Wenn Fritz, der, wie ich hoffe, wohl angekommen ist, hieher zu Fuß kommen will, so soll er es so einrichten, daß er auf der Landstraße bleibt, und nicht etwa in die Nacht hineingeht. Alle Wege sind jetzt voll herumstreichender Handwerksbursche, die wahrscheinlich aus Oesterreich geflohen sind und dem Cordon umgangen haben. Erst vor wenigen Tagen sah’ ich einen solchen Burschen durch einen Gensdarmen transportiren, der mich den Tag zuvor angebettelt hatte. Am besten wär’s für Fritz, sich auf den Weilheimer Gesellschaftswagen zu setzen. Von Weilheim würde ich ihn dann selbst abholen oder abholen lassen.
Grüße die liebe Tante und die Kinder insgesammt auf’s herzlichste und lebe recht wohl.
Dein
Fr Sch