Schelling

Schelling Nachlass-Edition


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II.

Schelling's. φ.

v. ihm vorgetragen

Winter €\frac{42}{43}€

Die Philosophie kann sich darauf beschränken, den bloßen Inhalt der Natur begreifen zu wollen, oder sie will das wirkl. Entstehen der Natur erklären; im letzten Fall ist sie dogmatisch, im 1ten logisch.

Hegelsche Logik

Hier schließt Hegel die Natur noch aus, geht aber mit der Natur zu der wirklich existirenden Natur über. Er nennt die Logik die blos subjective Wissenschaft. Sie erklärt sich als ein bloses Artefact des Denkens, insofern subjectiv, als dem Verlauf den diese Logik in sich hat, durchaus nichts in der wirklichen Welt entspricht. Denn wo giebt es in der wirklichen Welt ein bloßes Sein oder Werden. Die frühere Philosophie ist mit ihrem ersten Schritte in der Natur und hat zwar nicht die wirkliche Natur aber doch den Inhalt derselben. Die andere Philosophie hat blos die Logik.

Die Identitätsphilosophie war mit ihrem 1ten Schritt in der Natur. Die zu Wissenschaft erhobene Kritik der Vernunft muß mit ihrem 1ten Schritt in Raum und Zeit anfangen. Hegel hat über die Naturphilosophie die abstracte Logik aufbauen wollen, aber die Methode der Naturphilosophie mitgenommen. In der vorausgegangenen Philosophie waren alle Begriffe apriorisch d. h. in so fern ihnen ein Object in der Wirklichkeitt entsprach; in der folgenden Philosophie die Begriffe zugleich das Begreifende und einzig Begriffene. Die Identitätsphilosophie hat in ihrem 1ten Ausgangspunkt der unendlichen Potenz ein reales, bewegliches und mit der ersten Bewegung der Potenz war sie schon in der wirklichen Natur, die sie der Sache nach zum Inhalte hatte. Das 1te wozu sich die Indifferenz bestimmte war bereits ein Seiendes; sie hatte es zwar nur im Begriff; aber ihr ging doch immer eine Anschauung zur Seite. Die wirkliche Natur zur beständigen Gewähr nicht zur Quelle sondern zum terminus ad quem und dadurch, daß sie die Erfahrung zum Inhalt hatte, unterschied sie sich von der alten Metaphysik. Diese hatte auch die Ontologie zum Anfang (Wolf) wo der Gegenstand der Begriffe nur Begriffe, war. Hegel wollte sie zur Wissenschaft erheben durch eine Methode, die für einen realen Zweck erfunden war. Seit dem Abfall von der Metaphysik durch Baco hatte die Ontologie ihre Bedeutung verloren; nur die Deutschen mußten erst von der Metaphysik durch Kant befreit werden. Sie hielten nach Kant die Metaphysik auf eine Weise fest, daß sie die Erfahrung nicht ausschloß. Dieß war der esoterische Sinn der Naturphilosophie die wahre objective Logik war die Naturphilosophie, weil sie die Begriffe mit einem nothwendigen Bezug auf ein Object faßte.

Hegel führte auf ein Denken ohne sinnliches Substrat zurück. Sie wollte logisch die Natur begreifen; sie nicht aus der Logik stoßen. Erst da, wo die Begriffe in die Wirklichkeit treten, ist die Stelle der Begriffe als solcher, am Ende der Natur am Anfang der Geistesphilosophie. Die Begriffe als solche sind doch im Selbstbewußtsein, also nach der Natur nicht vorderselben. Abstracta können nicht eher für Wirklichkeit gelten, ehe das wirklich da ist, wovon sie abstrahirt sind; ein Dasein nicht eher als ein Daseiendes.

Streng genommen müßte auch von Gott gesagt werden, daß er, insofern er nur Ende sei, wie in der negativen Philosophie, nur der Natur, nur dem Wesen nach Geist ist, nicht im Sinne der Frömmigkeit, und so ist auch das Absolute als Ende nur der Substanz nach Gott. Auch b. Hegel kann dieß Lätzte nur substanzieller Geist sein. Dieser letzte Begriff ist nur durch die successive Negation alles anderen entstanden. Die Bezeichnung dessen, was es ist, kann von nichts Körperlichem mehr hergenommen werden, aber auch nicht als menschlicher Geist ist es zu bestimmen; denn auch der war auf einer früheren Stufe zurückgelassen, aber doch ist es nur dem Wesen nach Geist, nicht wirklicher Geist, der doch nur der sein kann, welcher von sich aus etwas anfangen kann. Auch Hegel sah zuerst das Negative dieses Letzten so daß durchaus nicht an einen wirklichen Hergang zu denken sei. Wenn der Geist am Ende der negativen Philosophie der wirkliche ist so kommt er zu spät, post festum; denn er verlangt ihn als Erklärungsgrund der Dinge. Auch Hegel weist in einigen §§ der 1ten Ausgabe seiner Enzyclopaedie hierauf hin, welche aber in spätern Ausgaben entstellt sind. Der Entschluß der Idee, in die Form des Andersseins sich zu begeben blieb vorne stehen; zuletzt aber wurde der Philosophie befohlen sich von allem Schein des Geschehens zu reinigen; entweder ist also nichts erklärt, wenn sie sich auch von jenem Schein reinigen soll; oder dieser letzte Gedanke war unrichtig. Der Anfang des Systems hat sein Ende nicht vorausgesehen oder das Ende hat seinen Anfang vergessen. Denn in der Mitte ist ein factisches Entstehen der Natur »das Absolute ist in der Logik noch in seine Ewigkeit eingeschlossen und tritt in der Natur aus der Ewigkeit heraus«. Man sieht das Streben nach positiver Philosophie. Die Forderung einer solchen Philosophie machte sich erst später bei Hegel geltend. Es gab eine Zeit, wo Hegel noch von keinem Übersinnlichem wußte außer von Begriffen. In der Logik hatte Hegel noch keine Natur, nicht einmal dem Wesen nach, sondern nur das Denken war der Inhalt des Denkens. Da mußte er nun heraustreten um zur Natur zu gelangen und gelangte so gleich zur wirklichen Natur, ehe er zum Wesen der Natur kam; ebenso war ihm der wirkliche Gott das Resultat der Bewegung. Sonst nahm man Gott als Anfang. Man mußte daher eine Auskunft suchen. Diese bestand darin, zu sagen, daß was im Ende sei, auch schon im Anfang gewesen. Allein wenn beide absolut identisch sind, so gäbe es keine Bewegung, es muß also das Absolute auf 1 Weise der Anfang sein; auf eine andere das Ende. So entstehen dann Stufen verschiedener Entwicklungen Gottes auf deren erste Gott in einem außerhaften Zustande ist und erst auf der letzten wird er Er selbst sein, während er auf den früheren Stufen außer sich ist. Solche Last bürdet er sich auf, wenn man übersieht, daß man den Fortgang der zwar real logische Bedeutung haben kann für einen wirklichen Proceß nahm. In der 2ten Ausgabe seiner Logik sagt Hegel: das Letzte worein Alles als in seinen Grund eingeht ist auch das, woraus das 1te hervorgeht; und so wird der konkrete Geist erkannt als am Ende mit Freiheit sich entlassend zur Schöpfung einer Welt sich entschließend: so daß alles in der Entwickelung Vorausgegangene in ein von dem Resultat als Princip abhängiges verwandelt wird. D. h. also was zuerst Anfang war wird selbst zu einem vom Resultat abhängigen. Wenn diese Umkehrung möglich wäre und Hegel diese wirklich versucht hätte, so hätte er seiner 1ten Philosophie eine 2te an die Seite gesetzt und so wäre sie ungefähr das gewesen was wir mit dem Namen der positiven Philosophie bezeichnet haben. Hätte Hegel Ernst damit gemacht so wäre die Folge gewesen, daß er die 1te Philosophie als die, welche blos im Gedanken Wahrheit hat, hätte erklären müssen. Allein nie hat er einen wirklichen Versuch gemacht, diese Umkehrung vorzunehmen. Man hätte so dieselben Stufen herabsteigen müssen, die man hinaufgeklommen war. In der Identitätsphilosophie ist es so, daß das vorhergehende im Folgenden seinen Grund hat, zwar nicht so, »daß in das Letzte alles als in seinen Grund eingeht« (diesen Ausdruck kann Schelling sich nicht aneignen), sondern jedes vorhergehende begründet sich dadurch, daß es sich zum Grund des Folgenden macht, es begründet sich dadurch, daß es zu Grunde geht. Der Weltkörper findet nur dadurch seinen Grund, daß er sich einem höhern unterordnet. Bis zu dem Ende ist alles in der Ordnung, daß das Höhere das Folgende ist. In der 1ten Philosophie ist das Absolute noch nicht Ursache sondern Endursache. A ist um B zu setzen B um C zu setzen u. s. w. Wenn man so zurückstiege; so wäre der Mensch die Ursache des Thiers; das Thier die der Pflanze, diese der unorganischen Natur u. s. w. Allein so kommt man nicht zur freien Weltschöpfung


Einer rationalen Philosophie, die nichts sein will als diese, genügt es den Inhalt der Welt, als einen nothwendigen d. h. vernünftigen zu begreifen; nur zur Erklärung der wirklichen Existenz bedarf man der Schöpfung in so fern geht Hegel über die rationale Philosophie hinaus. Der absolute Geist ist ihm das Letzte und doch hat er die Natur schon beim Ausgang aus der Logik als die existirende. Konnte man nun auch durch denselben dem absoluten Geist zugeschriebenen Entschluß, formell die Schöpfung begriffen zu haben meinen so hat man es der Sache nach nicht; denn der Gott ist nicht frei von der Welt. Pantheismus. Die Region des rein Rationalen ist verlassen – Entschluß – und doch muß man wieder ins Rationale zurück. Das Geschehen ist ein ewiges aber eben darum keines mehr. Der Gott ist frei, aber nur, um seine Freiheit zum Opfer zu bringen. Das Leben dieses Gottes ist ein Kreislauf von Gestalten, worin er sich entaeußert um wieder zu sich zurückzukehren, und in sich zurückkehrt, um sich zu entäußern. Der Kreislauf aber ist das Ungöttliche, Gott entaeußert sich, um zwischen Bewußtsein und Unbewußtsein schwebend, von Stufe zu Stufe sich zum Bewußtsein des Menschen von Gott, denn ein anderes Bewußtsein von sich selbst hat er nicht, zu kommen. Das ist der Hauptfehler, daß ein an sich logisches Verhältnis umgewandelt wurde in ein wirkliches, was ganz unnöthig war; so wie man dieß thut, den logischen Vorgang in ein wirkliches Geschehen umwandelt, so schwindet alle Nothwendigkeit. Die Identitätsphilosophie begreift nur den Begriff Gottes als den höchsten der Vernunft. Die Existenz Gottes begreift sie weder noch verneint sie dieselbe. Man erwartete den Vorwurf, daß die Hegelsche Philosophie die Wirklichkeit nicht einschließe und der Vorwurf war, daß sie nicht rein logisch sei; getadelt wurde daß sie christlich sein wolle, was sie so wenig braucht wie die Geometrie. Jetzt bedarf es auch der Hegelschen Philosophie des Todes nicht mehr, da wir bereits zum Bewußtsein gekommen sind, daß Gott Mensch ist. Kunst, Religion und Philosophie in diesen 3 soll Gott sich im Menschen zum Bewußtsein gekommen sein; das sind die Momente durch welche der durch die Natur entäußerte Geist im Menschengeist zu sich zurückkehrt. Die Stellung dieser 3 erinnert an die Folge, in welcher die Identitätsphilosophie wenigstens Kunst und Religion zu ihrem Ende hat. Hegel wirft ihr vor, in ihr sei die Kunst das Höchste. Diese könne nicht das Absolute sein. Sie sei es nur in der sinnlichen Form. Er erwähnt nicht, daß auch die Religion durchab vorkomme. Der Idealismus noch an Fichte sich anschließend enthält wenigstens in sich den Gang der späteren Vorstellungen. Wenigstens hätte sie unterlassen als Letztes über Kunst und Religion die Philosophie zu setzen. In welchem Verhältnis kommen diese 3 am Ende der rationalen Philosophie vor. Die Identitätsphilosophie ward von der Natur durch die Potenz des menschlichen Geistes in die Freiheit gelangt: zuerst zum individ. Handeln so zum freien Handeln der Menschheit und so war sie durch die Widersprüche zu der Macht gelangt, die über dem Sein bleibt, zum Begriff der überseienden Macht. Dieser Begriff war ebenso gefordert wie die unorganische Natur die organische fordert und so weiter wie in der bisherigen Linie jeder folgende Begriff ein Postulat des vorhergehenden. Allein darin bestand der Unterschied, daß bei diesem nicht an eine Erfahrung verwiesen werden konnte, denn in der Erfahrung hat eben die überseiende Macht aufgehört die überseiende zu sein.


cfr. V.

Die Vernunftwissenschaft fordert in ihrem Ende das Ueberseiende d. i. das, was wahrhaft ist, das nicht Nichtseiende. Grade in Anschauung dieses Begriffes fordert sie die Existenz; es existirt eine subjective, wenn man so will, eine moralische Nothwendigkeit dass als ein existirendes zu beweisen, die nur die Folge hat, daß die Vernunftwissenschaft außer sich fordert, was sie in sich nicht erreichen zu können sich bewußt ist. Als 1te Möglichkeit für den Menschen, dieses übersinnliche zu verwirklichen stellt sich die Religion dar als 2te die Kunst als 3te die positive Philosophie, von der negative Philosophie an ihrem Ende gefordert. Die letzte Möglichkeit nämlich welche die rationale Philosophie aufzuzeigen hat, wird die Möglichkeit sein, welche der menschliche Geist hat, sich der Existenz des Ueberseienden bewußt zu werden. Als 1te Möglichkeit zeigt sich nun, daß der Mensch praktisch im Leben durch soviel mögliche vollkommen subjective Vernichtung seiner selbst und alles mit ihm zusammenhängenden zufälligen Seins, sich das Ueberseiende zur Existenz macht. Dieses wird dadurch zur Realität zur Existenz erhoben. Diese Möglichkeit ist in der Religion verwirklicht, aber in jeder ganz subjectiven Religion, die ein Gegensatz aller Wissenschaft selbst die objektive Erscheinung der Religion zu faßen nicht im Stande ist, so daß man weder die mythologische noch die geoffenbarte Religion damit erklären kann. Von einer Vernunftreligion die Wissenschaft wäre weiß die rationale Philosophie nichts; sie geht nicht weiter als bis an die ganz subjective. Zwar kommt Religion in ihr vor, aber als ein Moment, was über sie hinausgeht, da sie etwas realisiren soll Am oberen Rand findet sich handschriftlich die Seitennummerierung: – 16. – was sie selbst nicht realisiren kann. Ferner kommt diese subjective Religion nur so in ihr vor, wo sie Praxis, Askese, aber nicht Wissenschaft ist. Dieser 1ten Möglichkeit sich der Existenz ganz subjectiv zu versichern: steht die andere entgegen, durch objektive Hervorbringung von etwas, was unabhängig ist vom Bewußtsein, durch reale Production, diesen über alle Materie erhabenen Geist zu beschwören, daß er erscheine. Diese 2te Möglichkeit ist in der – Kunst – verwirklicht, daß also eine Thätigkeit in ihr offenbar wird, die selbst nicht mehr Geschöpf ist. Nur die Kunstwerke sind lebendig, in denen der schaffende Geist selbst sichtbar ist. Vorzugsweise in der Poësie erscheint der schöpferische über dem Sein bleibende Geist, am meisten in der Tragoedie, wo für den Handelnden selbst die Vernunft verstummt und die WillAm oberen Rand findet sich handschriftlich die Seitennummerierung: – 17. –kühr zur Nothwendigkeit führt; da erscheint der Geist des Dichters als über der Bewegung bleibend, als Versöhnung, die die Widersprüche zu lösen weiß. – Die rationale Philosophie darf diese Bestrebungen noch als nothwendig in sich aufnehmen aber als außer ihr seiend. Weil sie sich ganz noch über sie setzt sie ganz objectiv nimmt, kann sie diese Bestrebungen nicht als identisch mit sich nehmen, nicht als das ansehen, was sie selbst wollen kann. Das was sie selbst bleiben kann, kann nur eine 2te Philosophie sein die sich nicht wie Kunst und Religion außer sich sondern zugleich als über sich, als blos rationale Philosophie, erkennt; in der sie zugleich eine Aufgabe für sich als Philosophie überhaupt erkennt; so endet die negative Philosophie in der Forderung einer Philosophie, wo das Ueberseiende objectiv wie in der Kunst und subjectiv, wie in der Religion verwirklicht wird; Hegels Philosophie hat am Ende:

a. die Religion der Kunst;
b. die geoffenbarte Religion;
c. die Philosophie.

Unterschied von uns:
Bei Hegel kommt die Religion 2 mal vor; wobei jedoch zu bemerken, daß in der 2ten Ausgabe der Encyclopaedie unter a nur noch einfach die Kunst steht. Ferner: Offenbarung setzt ein reales Verhältnis des menschlichen Bewußtseins zu Gott voraus. Dieß liegt aber außer der rationalen Philosophie. Von dieser subjectiven Religion weiß nun Hegel nichts, er weiß blos von der Kunst und der geoffenbarten Religion, die aber unbegreiflicher Weise in die reinrationale Philosophie kommt: Dafür hat er über diese beiden aber allerdings die Philosophie als Höchstes. Nichts war natürlicher als daß die Philosophie, nachdem sie durch Kunst und Religion hindurchgegangen ist, sich selbst zum Object macht. Betrachten wir aber diese Philosophie, so ist sie nur die Philosophie, von welcher er eben hergekommen ist: so daß die ganze Folge wohl ein Mißverständnis ist; denn schon mit Religion und Kunst ist die Vernunftwissenschaft überschritten, wie sollte die Philosophie nun auf der 3ten Stufe in sich zurückfallen; sie sollte die Philosophie nach jenen beiden noch vielmehr außer sich haben und daher als ein anderes von sich setzen. Da die Vernunftwissenschaft die Religion außer sich setzt, so giebt es keine Vernunftreligion; sie hat Gott nur als Idee, aber eine wirkliche Religion besteht nur durch einen wirklichen Gott. Die Vernunftwissenschaft, wenn sie Religion setzt, setzt sie als etwas außer sich; aber nach Religion und Kunst die Philosophie außer sich d. h. als eine andere von sich, und zugleich über sich aber ebenfalls als Philosophie und so als eine 2te Philosophie. Wenn nun Hegel diese 3te Stelle leer gelassen hätte, so hatte er wohl gethan, diese Stelle für die positive offen zu lassen; er aber machte die negative zur positiven. So stehen wieder negative und positive so einander gegenüber, daß die negative die positive fordert.

Mißverständnisse über eine solche Theilung der Philosophie.


1.

Man meinte die negative Philosophie sollte abgeschafft werden; weil wir so von Hegels Philosophie sprachen; allein ihr Fehler liegt darin, daß sie die positive sein will. Auch in der negativen Philosophie unterscheiden wir uns von Hegel; denn die negative Philosophie, wenn sie in ihre Schranken sich zieht, macht die positive erst erkennbar, indem sie die Existenz, das Positive als solches ausschließt, setzt sie es außer sich; aber Hegels Philosophie setzt das Positive nicht außer sich, sondern hat es, ihrer Meinung nach, in sich. Wir sagten die reelle wirkliche Erkenntniß des positiven Daseins sei durch Hegel gewährt. Diese Philosophie haben wir bestritten, indeß wir die wahrhaft negative Philosophie, welche sich mit dem beschränkt, was wirklich in der blosen Vernunft ist, für die größte Wohlthat für den menschlichen Geist erklären; denn dadurch ist die Vernunft in ihr eigentliches Recht gesetzt, das Wesen der Dinge zu begreifen. Sie will als höchste Idee nur den Begriff Gottes aufstellen, ohne Anspruch zu machen, den wirklichen Gott zu erkennen.

2.

Man hat von Sinnesänderung gesprochen.


Es ist keine Veränderung die mit der negativen Philosophie vorgeht, wenn die positive hinzukommt, nur wird der ersten die Grenze gesteckt nicht selbst positiv sein zu wollen. Schon in dem Brief über Dogmatismus und Kritizismus sprach Schelling die Hoffnung einer anderen Philosophie aus. Man muß dogmatisch und dogmatisierend unterscheiden. Dogmatisierend war die alte Metaphysik und diese ist durch Kant zerstört aber bis zur eigentlichen dogmatischen Philosophie reichte Kant's Philosophie nicht. Ein reiner Rationalismus war durch Kant in Aussicht gestellt. Der Begriff eines Dinges enthalte nur das »Was« und (gegen den ontologischen Beweis) vergeblich seines das Streben der Vernunft durch Schlüsse über sich hinaus zu Existenz zu kommen. In diesem Streben ist die alte Metaphysik nicht dogmatisch sondern dogmatisirend. Kant meint der reine Rationalismus sei das allein übrig bleibende und nimmt stillschweigend an, daß es nur eine rationale Philosophie gebe. Der reine Rationalismus war in Kants Kritik mit zu viel Zufälligem noch vermischt. Man müßte ihn herausreißen, jedes Positive davon trennen. Je negativer sich die Philosophie darin darstellt, desto reiner wurde die Krisis erreicht. Diejenigen, welche denjenigen, welche den reinen Rationalismus zuerst darstellten mußte dieser als Zweck erscheinen. Die positive Philosophie ist nicht eine Fortsetzung der negativen; da in ihr ein ganz anderer modus progrediendi ist, auch hat die positive nicht nöthig durch die negative begründet zu werden; denn sie erhält nicht ihren Gegenstand als einen Ueberlieferten wie die hegelsche Logik den anderen Theil des Systems ihren Gegenstand als einen existirenden überliefert (Das prius der negativen Philosophie ist das posterius in der positiven.) Der Beweis der Existenz des Gegenstands ist eben die positive Philosophie. – Die negative Philosophie regt das Bedürfniß zur positiven an, nicht aber umgekehrt. Die negative Philosophie überliefert ihr letztes Princip nur als Aufgabe nicht als Princip; aber die Mittel der Aufgabe zu genügen erhält die positive nicht von der negativen.


Die positive Philosophie kann anfangen mit dem bloßen Ausspruch ich will das was über dem Sein ist. Als Philosophie ist sie zu diesem Wollen berechtigt. So giebt es 2 Philosophien. – Dafür später die Auflösung. Diese war längst vorhanden in Systemen, die uneinbares einen wollten. Wir wollen durch strenge Scheidung den Gegensatz aufheben: Ein Wissen ist gefordert, welches das Wesen erklärt und ein anderes soll die Existenz erklären. Dieser Gegensatz ist einmal da und so muss jede der beiden Aufgaben für sich behandelt werden, was aber nicht verhindert die Einheit beider zuletzt zu behaupten. Immer waren diese beiden Linien da. Aristoteles (Hauptquelle für die Philosophie des Alterthums) spricht von Theologen als einer besonderen Klasse von Philosophen und (in einer Stelle der Metaphysik) als von Philosophen seiner Zeit. Diese können nur dogmatisch sein, welche die Welt auf Gott führten, während andere Alles durch die Vernunft erklären wollten. Zu letzteren gehörten die jonischen Philosophen zu diesen, unter ihnen am meisten Heracleitus. Der ewige Fluß. – Diese Lehre ist im Grunde nur Vernunftwissenschaft, die was im ersten Moment subjectiv war zum Object schlägt bis das Princip erreicht ist, das nicht mehr weichen kann von seiner Stelle. Zu diesen Rationalisten gehörten ganz besonders die Eleaten, von denen Aristoteles tadelt, daß sie, wiewohl ihre Wissenschaft nur Logik sei, doch mit derselben erklären wollen und wenn das Logische als wirkliche Erklärung genommen wird so erscheint diese Erklärung als nicht von der Stelle kommend und erregt in so fern Schwindel. Schon Socrates hat die von ihm zuerst ausgebildete Dialektik nicht blos gegen die Sophisten sondern eben sowohl gegen das objective Scheinwissen gerichtet. Die Polemik Platons gilt eben sowohl gegen den Schwulst der Eleaten, wie gegen die Sophisten. Socrates sagt: Die Anderen wüßten zwar auch nichts; Er aber wisse, daß er nichts weiss; d. h. mit dem Wissen der Anderen wisse er nichts. Welches Wissen schreibt hier Socrates sich mit den Anderen gemeinschaftlich zu, womit er weiß, nichts zu wissen? Denken ist noch nicht wissen; so wäre die nichtwissende Wissenschaft Denkwissenschaft; und solche ist z. B. die Geometrie (in der Republik bei Platon nur zur διανοια aber nicht zur επιστημη gerechnet). Dieß Wissen also möchte die reine Vernunftwissenschaft sein; (die nach Socrates nur als Nichtwissen gelten kann) damit setzt Socrates wenigstens als Idee ein wissendes, d. h. gesetztes Wissen, voraus; wo dann erst sein Bekenntnis seines Nichtwissens eine positive Bedeutung annimmt, Socrates erklärt in Bezug auf das logische Wissen, daß es das Nichtwissen sei; er setzt dabei eine andere Wissenschaft voraus, in Beziehung auf welche er sich als unwissend erklärt. Sein Geist schwebte auf der Grenze des blos logischen und positiven. Der gemeinen Mythologie abgeneigt, sucht er statt dessen eine geschichtliche Instanz, als ob allein darin Wissen sei und Platon ist in all seinem Werk Dialektiker, aber im Gipfel Aller im Timaeus ist Platon geschichtlich; er bricht freilich nur gewaltsam durch, ohne Spur des wissenschaftlichen Ueberganges. Socrates und Platon verhalten sich zu diesem Positiven blos prophetisch; durch Aristoteles hat sich die Philosophie erst von allem Prophetischem gereinigt; doch ist er insofern Schüler beider, daß er sich vom logischen ab, dem Empirischen, so weit es ihm für seine Zeit reichte zuwandte. Empirismus d. h. derjenige, bei welchem das Daß es existirt, das Erste ist ohne daß er noch eigentlich wisse, was es ist. Aristoteles wendet sich vom Logischen ab, in so fern er erklärend sein will d. h. die Existenz begreifen; er tadelt selbst Plato’s Timaeus in so fern freilich das Logische verlassen, aber auch das Empirische nicht angefangen ist. Über die Theilnahme der Dinge an den Ideen sagt er, bei der Theilnahme als Erklärung eines wirklichen Entstehens der Dinge gilt es als Fehler, daß mit dem logischen das wirkliche begriffen werden soll. Dem logischen Philosophen setzt er entgegen, daß von der logischen Nothwendigkeit zur Wirklichkeit eine unübersteigbare Kluft sei. Die negative Philosophie ist apriorisch aber nicht in dem Sinne logisch, den Aristoteles mit dem Worte logisch verbindet.


Verhältnis der reinen durch die Entwicklung seit Kant bedingten Rationalphilosophie zur Philosophie des Aristoteles.


Die Philosophie des Aristoteles ist eine von der Erfahrung ausgehende Philosophie. – Der Rationalismus nennt sich apriorisch. –

Die rationale oder negative Philosophie ist nicht logisch im Sinn des Aristoteles, wenn er λογικος und leer sein gleichbedeutend nimmt. Das Apriorische hat in sich die nothwendige Beziehung des Seins, es wird nothwendig zum Inhalt alles Seins fortgezogen. Das Verhältnis des Denkens dabei ist das Erste, was ihm unmittelbarer Inhalt ist, ist das seiner Natur nach ins Sein Bewegte; wenn es übergeht, geht das Denken mit in das Anderssein über; soweit kann das Denken nicht bei sich bleiben wird mit in das Sein gezogen. Aber das so gewordene wird auf jedem Punkt von dem Denken verlassen, damit als möglicher Gegenstand eines über das Denken gehenden Erkennens, empirischen Denkens gesetzt. Dem Denken hat er nur als Stufe zu einem höhern gedient, mit diesem wird dasselbe geschehen so daß in dieser ganzen Bewegung alles der Erfahrung zuweist, bis es zu dem kommt, was im Denken stehen bleibt, mit dem das Denken, das bei sich selbst frei bestimmte Denken anfangt. Die negative Philosophie kommt nicht über die Erfahrung hinaus; auch sie ist Empirismus aber apriorischer; denn wo sie zu dem Gegenstand kommt, der nicht mehr in der Erfahrung ist, fordert sie eine andere Philosophie. Ebensowenig ist das Empirische vom apriorischen frei; nicht nur insofern darin allgemeine Formen vorkommen, sondern das Wesen jedes Dinges ist ein apriorisches; nur daß es existirt ist empirisch, blos a posteriori einzusehen. Die negative Philosophie geht vom apriorischen aus. Es giebt auch einen Weg, um von der Natur aus zu dem ihr inwohnenden Logischen zukommen und diesen ging Aristoteles. Die allgemeinen Kategorien und Begriffe in ihrer Anwendung, die ganze Geschichte der Philosophie als Gegenstand seines analytischen Forschens betrachtend, um so zum letzten Ziel der 1ten Wissenschaft oder 1ten Philosophie aufzusteigen. Auf diesem Wege muß er auch mit der negativen Philosophie zusammentreffen. Seine aufsteigende Progression fängt er an mit der Potenz in der noch jeder Gegenstand eingewickelt ist, und endet mit dem actus der über allen Gegensatz ist. In jedem Folgenden ist das Vorhergehende nur nach Potenz, Nichtseiendes, grade wie in der Naturphilosophie. Jeder Punkt dieser Reihe ist das Ziel der vorausgegangenen; jedes Glied ist an seiner Stelle ebensowohl Endursache, wie das Letzte die Endursache für alle. Successiv wird alle ὑλη = Potenz weggeschafft. Das Letzte ist nicht mehr Potenz sondern die ganz als actus gesetzte Potenz – dieß ist selbst nicht wieder ein Glied sondern das Jenseits der ganzen Reihe, unabhängig und über derselben το αιτιον των αλλον. Dieß Letzte hat er nur als wirklich Existirendes und nicht als Idee, wie die negative Philosophie. Aber eben deshalb, weil ihm seine ganze Wissenschaft auf Erfahrung gegründet ist so hat sie die ganze Welt, welche die negative Philosophie im Gedanken hat, als existirend; aber die Existenz hat nur für ihn Werth, um das Wesen zu finden; sie dient ihm nur als Ausgangspunkt; er sucht das Logische im Wirklichen und so ist ihm das Letzte seiner Natur nach actus purus d. h. nichts anderes, als was uns die seiende Potenz ist, die nicht mehr sein kann sondern ist (wiewohl sie ihm nebenbei wirklich existirt.) Er macht keinen Gebrauch von jenem Letzten als von einem wirklich Existirenden; weil es ihm nur um das Wesen zu thun ist und er es nur als Endursache bestimmt. Und wenn er jenes Letzte wirklich als Erklärungsgrund für die Existenz gebraucht, so erklärt er dasselbe nicht als Wirkung dieses Seienden, sondern als eine Begierde, welche die untergeordnete Natur nach jenem Höchsten empfindet. Wenn Gott so Ursache der Bewegung ist, so ist er es doch nur als Ziel, während er selbst nicht bewegt wird, ein Gegenstand des Verlangens keiner Wirkung nach Außen fähig kann er nur denken und nur sich selbst denken. το το αυτη νοον, dasselbst was die deutsche Philosophie nennt das Bleibende, was nicht mehr von sich weg kann. Subject – Object. So sehr war dem Aristoteles das Letzte actus, daß ihm Gott nicht mehr Geist? ist, wenn er darunter die Potenz des Denkens versteht, sondern actus des Denkens zunächst des Denkens überhaupt. Dieser actus des Denkens kann sich nur selbst immer zum Inhalt haben; das soll heißen, daß dieser actus unendlicher actus ist, daß in ihm nichts ihn begrenzendes ist - νοησεως νοησις – das ist dieses Denken was sich selbst zum Inhalt hat, verschieden von dem Denken über das Denken, welches abstrakte Begriffe zum Inhalt hat. Mit Aristoteles war der Gipfel der antiken Philosophie erreicht. Erst die Neuplatoniker dem Uebergang der neuen Zeit angehörend vom Christenthum angeregt oder es ahnend suchten die Regungen der positiven Philosophie bei Plato hervorzuheben, die durch Aristoteles unterdrückt waren, weil dieser keinen wissenschaftlichen Uebergang zu derselben im Timaeus erblicken konnte. Wenn man ohne eine positive Philosophie zum wirklichen Gott gelangen will so gehe man den Weg des Aristoteles, der jedoch unsrem Bewußtsein nicht mehr genügt. Wir müßten dann bei ihm als Ende stehen bleiben während nun eine Welt aufgeschlossen liegt die dem Aristoteles unbekannt war. Auch die Mythologie war ihm noch nicht vollendet, er hielt sie für eine ursprüngliche Lehre vom Göttlichen (12 B. Metaphysik). Vorsehung ist bei Aristoteles nur, in so fern als Alles nach dem Ende hinzielt. – Die christlichen Schulen bedurften eines Gottes mit dem sie etwas anfangen wissen. An die Stelle der aristotelischen Philosophie mußte daher die scholastische Metaphysik treten, positiver Rationalismus. Das eigentlich Materielle war dabei aus der Erfahrung genommen. Z. B. allgemeine Zweckmäßigkeit. Der Rationalismus gab nur die allgemeinen Grundsätze, durch welche ein Schluß vermittelt wurde auf das Uebersinnliche.

Diese künstliche Zusammensetzung konnte nur durch die Gewalt mit Kirche bis zur Reformation halten.


cfr. I und II.

Bis Kant behauptete sich in sehr verdünnter Weise diese Philosophie der Scholastik. Und 3 Elemente hatte sie als Erkenntnisquelle.

1.) Die allgemeine Erfahrung.
2.) notiones communes, die angebornen Begriffe, von denen das ens universale nur der Höchste war; auch gehörten dahin die Principien, worunter das Gesetz der Kausalität das weitgreifendste.
3.) Das Vermögen zu schließen, vermittelst dessen man über alle Erfahrung kommen wollte.

Auch Cartesius der Anfänger der neuen Philosophie war ein Kind der Reformation, wiewohl er sie bekämpfen wollte.

Cartesius machte die Erfahrung zweifelhaft. Und als nun von der anderen Seite der durch Baco eingeleitete Empirismus die Folge hatte, daß selbst die Nothwendigkeit und Allgemeinheit der »allgemeinen Begriffe« bestritten wurde, wozu Locke den Anfang machte und Hume das Letzte hinzufügte, welcher in dem Gesetz der Ursache-Wirkung nur eine zur anderen Natur gewordene Angewöhnung sehen wollte Anmerkung. Eine Ansicht, die nicht einmal des Scharfsinnes der kantischen Kritik zu ihrer Widerlegung bedurfte; denn die einfache Erfahrung widerlegt sie schon. Nämlich das Kind in der Wiege wendet sein Auge schon dahin, woher es ein Geräusch hört, die Ursache suchend, und solches Kind hat doch noch keinen Begriff von Ursache und Wirkung und von Angewöhnung kann nicht die Rede sein; wodurch dann die Kausalität als Naturgesetz erscheint so daß es mit dem Bewußtsein selbst schon gegeben ist., so war schon damit vor Kant aller rationalisirende Dogmatismus weggeräumt.

Jener Abfall vom rationalisirenden Dogmatismus wurde von Leibnitz aufgehalten, bis Kant diesem Rationalismus ein Ende machte, aber im anderen Sinne als die Empiriker der Franzosen und Engländer –

Aus der Zersetzung des rationalisirenden Dogmatismus treten demnach der reine Empirismus und der reine Rationalismus hervor.

Welcher letztere in Folge der kantischen Kritik bei uns entstand und unsere Philosophie ist. Neben ihn stellte sich ein eben so reiner Empirismus der anderen Völker, dem alle bis auf Deutschland huldigen und der in Baco von Verulam seine Quelle hat. Man muß sich überzeugen, daß ihm etwas anderes zum Grunde liegt als es scheint. Der reine Rationalismus scheidet sich von sich selbst ab und war so nicht blos seiner selbst Willen sondern machte der positiven Philosophie Platz. So möchte es auch mit dem Empirismus gehen. Er ist nicht eine bloße Sammlung von Thatsachen, ihm liegt ein dunkles Bewußtsein, ein Gefühl zum Grunde, daß dieser Empirismus einem höhern Systeme begegnen müsse; daß ihm die objektive Logik sich enthüllen werde, die im Denken zu finden der Gegenstand der reinrationalen Philosophie ist. Das wollte am Ende auch Baco.

Wie verhält sich der Empirismus des Auslandes zu der positiven Philosophie?

Wenn der reine Rationalismus apriorisch ist, so scheint der positiven Philosophie nur Empirismus übrigzubleiben. Allein jene ist apriorischer Empirismus. Man versteht unter Erfahrung gewöhnlich die Gewißheit von aeußern Gegenständen durch die äußeren Sinne und von inneren Vorgängen durch den so genannten inneren Sinn. Wird nun der Empirismus vollends exklusiv so leugnet er, wie schon gezeigt, die Existenz der allgemeinen Begriffe; er kann selbst die Sittlichkeit als eine solche Angewöhnung darstellen, das ist jedoch keine nothwendige Konsequenz des Empirismus. Man darf überhaupt nicht auf das beschränken wollen, was in die Sinne fällt, denn z. B. eine freiwollende Intelligenz fällt als solche nicht in die Sinne und doch ist sie nur empirisch d. h. durch ihre Aeusserungen erkennbar. Gesetzt es handelt sich nun um eine der Welt vorgesetzte Intelligenz so wird auch diese nur durch ihre Thaten also obwohl übersinnlich, doch nur durch Erfahrung erkennbar sein; es giebt also auch einen metaphysischen Empirismus. (Der Sensualismus beschränkt dagegen alle Erkenntniß auf die Sinnenwelt) Jener metaphysische Empirismus stimmt dem Zwecke nach mit der positiven Philosophie überein welcher erkennen will, was über der Erfahrung ist.

Unterschied Beider:

Als Empirismus im angeführten Sinne war also die Lehre zu betrachten, welche alle Erkenntniß auf göttliche Offenbarung zurückführt die s. g. christliche Philosophie.
Ferner die Berufung auf ein individuelles Gefühl wie bei Jacobi
und ebenfalls die Lehre, welche das Geheimnis des göttlichen Wesens durch unmittelbares Schauen zu erlangen angiebt. Theosophismus oder theoretischer Mystizismus.

Alle diese Lehren stellen dem dogmatischen Rationalismus sich entgegen und sind Lehren eines mystischen Empirismus. Diese Systeme bilden ferner zu dem reinen Rationalismus einen Gegensatz, der bis jetzt noch nicht überwunden ist. Die fortdauernde Existenz dieser Lehren welche in Jacob Böhme ihren Gipfel hat, beweist, daß die Philosophie nicht im Stande gewesen ist, was jene Lehren zu leisten vorgeben, in wissenschaftlicher, d. h. die Vernunft überzeugender Weise zu leisten. Diese Lehren enthalten die Forderung einer positiven Philosophie; sie haben die Stelle derselben in neuerer Zeit vertreten und so waren die 2 Linien wieder der Forderung nach hergestellt.


Der mystische Empirismus bildet schon im Mittelalter und nach der Reformation einen Gegensatz gegen die rationale Philosophie. Im Gegensatz zur positiven Philosophie verzichtet der mystische Empirismus auf wissenschaftliche Form. Die positive Philosophie ist Philosophie d. h. im freien Denken erfundene Wissenschaft; sie hat nicht die Offenbarung zu ihrer Quelle.

Verhältnis der positiven Philosophie zum Theosophismus

Die positive Philosophie ist dem Theosophismus nicht nur durch Methode sondern auch durch ihren Inhalt entgegengesetzt.

Das Wort Proceß kommt von den Alchimisten. Die positive Philosophie will nichts von einem Processe wissen, der selbst Gott ist oder Gott zum Resultat hat. Die positive Philosophie ist in so fern dem Theosophismus entgegengesetzt. Das Hervorgehen der Dinge durch Gott als einen wirklichen Hergang zu begreifen, ist das Streben Jacob Böhme’s, dieß fängt er so an, daß er Gott in einen Proceß verwickelt, durch welchen die Welt entsteht.

Spinoza und Descartes stimmen überein in ihrer völlig seelenlosen Physik. Böhme wollte das substantielle Princip erheben, um unmittelbar von sich zu zeugen; aber der individuelle Geist, in dem dieses Princip so Meister über ihn wird, taumelt und ist ohne Sicherheit. Anstatt Herr des Gegenstands zu sein wird der Theosophismus selbst Gegenstand, Sstatt zu erklären, wird er selbst Phaenomen. Der Theosophismus Böhme's und die Philosophie Jacobi's scheinen sich grade in die Formen getheilt zu haben, die vereint sein sollten.

In Jacobi's Philosophie ist nur das Princip, welches das substantiell nicht wissende ist das ist der blos formale Verstand. Jacobi's Gefühl ist blos der Hunger nach Wissenschaft, der sich selbst aber nicht als Gefühl durch festen Willen Stoff erreichen kann. Jacobi hatte einen Horror vor dem Substantiellen, vor aller Naturphilosophie, wogegen der Theosophismus an Ueberfüllung vom Substantiellen leidet. So wie Böhme von seinen ersten Anfängen weg ins Konkrete übergeht kann man ihm nicht mehr folgen; da kann man ihn nicht ins Reine bringen. Baader versuchte es vergeblich. Der Theosophismus will offenbar ins Positive durchbrechen im Gegensatz gegen die rationale Philosophie. Der reine Rationalismus will bloß wesentliches substantielles Wissen; nur auf andere Art ist der Theosophismus mit dem substantiellen Wissen befangen. Eine freie Schöpfung will Böhme zwar, aber kann sie nicht hervorbringen und Raum und Zeit geniren ihn eben so sehr, wie den Rationalismus. Sein Inhalt ist doch nur die substantielle Bewegung, aber der Gott einer geschichtlichen Philosophie bewegt sich nicht, er handelt. Von einem Nichtseienden geht der Theosophismus aus das sich erst ins Sein bewegen soll, wogegen die geschichtliche Philosophie vom Sein ausgeht, das nicht erst ins Sein überzugehen braucht; es geziemt nicht Gott, sich um sein Sein zu bemühen oder wie Böhme sagt, sich in sein Sein zu gebären (Theogonie). Das Phaenomen des Theosophismus haben wir als einen Verlauf dargestellt, sich in den vorwissenschaftlichen theogonischen Proceß zurückzuversetzen. Während der Theosophismus auf Wissenschaft verzichtet; von einem unmittelbaren Schauen redet, nennt sich die positive Philosophie selbst Wissenschaft.


Die positive Philosophie ist ein Gegensatz des Rationalismus und steht daher in einem Verhältnis zur Erfahrung. Jene mystischen Lehren gehen von Etwas in der Erfahrung vorkommendem aus, was dieses nun sei ist gleichgültig. Z. B. Existenz eines überschwänglichen Gefühls etc. Die positive Philosophie geht nun nicht von dem blos im Denken Seienden; aber ebensowenig von einem in der Erfahrung vorkommenden Sein aus. Sie geht aus von dem, was vor und außer allem Denken ist, also vom Sein; nicht von dem relativ außer dem Denken befindlichen Sein. Dieß Sein ist ebensowohl über aller Erfahrung als es allem Denken zuvorkommt das schlechthin transcendente Sein. Wie nun das Denken sich zu ihm verhält, kann hier noch nicht auseinandergesetzt werden. Dieß Allem Denken zuvorkommende Sein wird nicht ein relatives prius sein können. Die bloße Potenz ist nur relatives prius, hat als Potenz die Nothwendigkeit ins Sein überzugehen. Wäre das Princip der positiven Philosophie auch blos ein relatives prius so wäre mit ihm das Denken einer nothwendigen Bewegung unterworfen. Wir haben hier aber das prius, was keine Nothwendigkeit hat, sich ins Sein zu bewegen. D. h. das absolute Sein selbst. Sie kann nicht wieder prius vom Sein sein und doch soll von diesem Sein hinweggekommen werden. Der Zweck davon kann nicht wieder das Sein sein sondern der Begriff ist das Ziel des posterius; während in der negativen Philosophie vom Begriff zum Sein fortgeschritten wird. Der Begriff im Gegensatz zum Sein verhält sich als Potenz; zu dieser will man in der positiven Philosophie kommen. Der Gegensatz ist das Sein vor dem die Potenz ist. Die Potenz nach dem Sein kommend nimmt eine andere Bedeutung an, sie kann nicht vor sondern über dem Sein gedacht werden; nur so kann man zum überseienden kommen. Aber vom Sein zur Potenz ist kein nothwendiger Uebergang; was also als Folge vom absoluten prius ist kann nicht eine nothwendige Folge sein sondern nur durch eine That, welche dieses Sein überwindet ist vom Sein zur Potenz zu gelangen, die jenes ueberwindet und so zum Ueberseienden wird. Die positive Philosophie geht nicht von der Erfahrung aus; nicht so, daß sie ihren Gegenstand unmittelbar gewiß zu haben glaubt, auch nicht so, daß sie in einer möglichen Thatsache durch Schlüsse sich erhebt. Aber dieß hindert nicht, daß sie der Erfahrung zugeht und a posteriori beweist, daß ihr prius, welches noch nicht Gott ist (an sich als prius) das Ueberseiende ist; es ist nur a posteriori Gott; daß es Gott ist, ist nicht eine res naturae sondern res facti. Wenn A als das absolute prius genommen wird, so heißt »A ist Gott« nicht, der Begriff A ist Gott sondern A ist (cum emphasi) Gott. Daher kann nur a posteriori gezeigt werden, daß Gott ist, aus dem Begriff A kann nie gezeigt werden, daß es Gott ist, die negative Philosophie hat das in der Erfahrung Seiende aber nur als Objekt einer möglichen Erkenntniß; sie geht nicht zur Erfahrung fort. Wenn das in der Erfahrung vorkommende mit ihrer Konstrukztion übereinstimmt, so ist es ihr lieb, aber sie ist davon ganz unabhängig. Sie ist die Logik des Empirischen. Sie kommt nicht über das Empirische hinaus wird aber nicht selbst Empirismus, die positive Philosophie geht in die Erfahrung ein, nimmt es aber nicht unmittelbar auf; sie geht aus von dem, was vor und über aller Erfahrung ist und leitet von diesem in einem freien Denken, in urkundlicher Folge das in der Erfahrung vorkommende ab; nicht als das mögliche sondern als das wirkliche. Denn nur als Wirkliches hat es die Kraft eines Beweises. Nicht das absolute prius soll bewiesen werden, sondern die Folge aus diesem absoluten prius die nur aus einem freien Denken genommen wird soll bewiesen werden, was nur faktisch geschehen kann. Nicht von einer Erfahrung ausgehender sondern in sie eingehender Empirismus ist die positive Philosophie, nicht ihre Ueberzeugung aus der Erfahrung nehmend. Die negative Philosophie ist apriorischer Empirismus, der Apriorismus, die Logik des Empirischen; dagegen die positive Philosophie ist empirischer Apriorismus, oder der Empirismus des Apriorischen. Sie beweist von dem prius auf empirische Folgen, daß es Gott sei. (Durch die empirischen Folgen der vorausgesetzten That). Die Erfahrung, welcher sie zugeht ist nicht eine gewisse sondern die ganze. Der Beweis liegt in der ganzen Erfahrung und daher ist dieser Beweis die ganze positive Philosophie und weil das Reich der Wirklichkeit kein abgeschlossenes ist, so ist auch dieser Beweis kein abgeschlossener. Die negative Philosophie ist Philosophie insofern sie sucht, was Gegenstand des höchsten Wissens oder der σοφια ist. Die andere Seite, welche dieses als blos zu Wissendes stehen gebliebenes als ein gewußtes zu erreichen sucht, ist Philosophie, weil sie ihren Beweis nur so erreicht daß er ein stets fortschreitender ist. Die negative Philosophie unterscheidet sich dadurch von der Geometrie, daß ihr 1stes nur im Folgenden seine Wahrheit hat. Auch die positive Philosophie ist nur ein immer fortgehendes Wissen. Jener Beweis ist daher nur ein Beweis für diejenigen, die fortgehen wollen. Nur so kann man z. B. ein freies Verhältnis zur Welt finden, nicht in der negativen Philosophie. Man muß es erreichen wollen, dieß setzt die positive Philosophie voraus. Jede Wahrheit, die nur durch Fortgehen im Denken gefunden wird erweitert aber mein Denken. Aber nicht mein Wissen. Zwingende Beweise giebt es nur in reiner Vernunft wie z. B. in der Mathematik und in der negativen Philosophie.


Die negative Philosophie ist eine in sich geschlossene zu einem bleibenden Ende gekommene Wissenschaft, und in diesem Sinne System. Die positive Philosophie dagegen ist eine absolut geschlossene. Gesetzt es finde sich unter dem Wirklichen der Erfahrung auch die Offenbarung; so wird die positive Philosophie von ihrem prius aus nicht anders dazu als zu der wirklichen Natur kommen, ohne sie aus der Erfahrung aufzunehmen; sondern rein von ihrem Princip aus wird sie durchgeführt. Die Offenbarung ist ihr nicht Quelle oder Ausgangspunkt, wie bei der christlichen Philosophie. Die Offenbarung wird auf die positive Philosophie nur in so fern Einfluß üben, als die positive Philosophie dieselbe begreifen soll, so sind die empirischen Bewegungen der Planeten Auktorität für den berechnenden Astronomen. Beides soll übereinstimmen. Diese Philosophie wird sich nicht religiös nennen lassen; damit wäre die negative fälschlich als irreligiös bezeichnet, was sie nicht ist wenngleich sie die Religion als ein über sie Hinausgehendes betrachtet. Durch die positive Philosophie soll erst der wahre Inhalt der Religion gefunden nicht aber vorausgesetzt werden. Wie jede Philosophie unvollständig wäre, welche die Natur nicht begreifen könnte so ist es auch in Beziehung auf das Christenthum. Alle blos logischen Systeme werden das Christenthum nie erreichen, wenn sie es nicht seines geschlossenen Systems berauben. Aber eine in der Philosophie selbst liegende Nothwendigkeit drängt sie über das blos logische hinauszugehen. Versuche der negativen und positiven Philosophie sind bisher gemacht, ohne daß die 1te die andere hätte überwinden oder in sich aufnehmen können, was doch zur Einheit der Philosophie schlechterdings nothwendig wäre. Das ganze Geschehen der Philosophie zeigt den Kampf der Beiden. Selbst in Kant's Kritik giebt es einen Abschnitt »die Antithesis der reinen Vernunft« genannt, worin er die Widersprüche aufstellte in welche die Vernunft hinsichtlich der kosmologischen Ideen gerathen soll. Weshalb aber ist dieser Widerspruch auf die kosmologischen Ideen beschränkt; da er doch durch alle transcendentalen Ideen sich hindurchzieht. Diejenigen, welche er dogmatisch nennt gehen in die Psychologie und Theologie hinüber. Die negative Philosophie kann nur die Ewigkeit der Seele dem Begriff nach beweisen, die Ewigkeit der Existenz nach zu beweisen muß einer anderen Philosophie anheim fallen.

Ferner

1) Gott ist das blos Inwohnende

und

2) Gott ist die übergehende, aktuelle Ursache der Dinge.

Diese Behauptungen stehen sich also gegenüber, wie die kosmologische Antithese. Die Welt ist anfänglich nicht ohne Anfang. So existirten die beiden Linien der Philosophie nur neben einander. Kant meinte die theoretische Philosophie könne nur von sich aus gehen. So hatte ihm das Postulat eines wirklichen Gottes nur Bedeutung für die Praxis, für die Sittlichkeit nicht aber für die Wissenschaft.


Auch ihren Gegenstand hat die Philosophie sich erst zu erringen. Dieß muß das 1ste Geschäft der Philosophie sein. Sie hat ihren Gegenstand also erst zu suchen; in dem sie diesen sucht, kann sie nichts im Voraus ausschließen, muß durch alle Gegenstände gehen, um bei dem anzukommen, den sie sich selbst zu ihrem Gegenstand nimmt, successiv das andere ausschließend; aber auch diese anderen Gegenstände darf sie nicht anderswoher nehmen. Dieß kann sie nur, wenn sie von der allgemeinen Möglichkeit, dem unmittelbaren prius der Vernunft ausgeht und so ermittelt, was das 1ste sein wird im Sein u. s. w., so sieht sich damit die Philosophie gleich im Anfang auf den Standpunkt des allgemeinen prius der allgemeinen Möglichkeit gesetzt. Dieß ist der Standpunkt der negativen Philosophie als Wissenschaft, die gegen alles Sein eine apriorische Stellung hat. Doch muß die Philosophie anfangen und in sofern ist sie reine Denkwissenschaft, die alles nur bis zur Erkennbarkeit bringt, ohne daß sie in die wirkliche Erkenntniß eingeht, sondern sie überläßt diese einer anderen Wissenschaft und ist in sofern als Wissenschaft der möglichen Gegenstände zugleich Wissenschaft der möglichen Wissenschaften. So einen Gegenstand nach dem anderen beseitigend gelangt sie zu einem letzten, den sie nicht zur Erkennbarkeit bringen (erkennbar heißt als ein in der Erfahrung vorkommen Könnendes darthun) weil er nicht aus der Potenz ins Sein Uebergehender ist. Dieß Letzte ist die über dem Sein stehende Potenz aber diese ist das, was am meisten erkannt werden sollte, cognosciendum, το μαλιστα επιστητον. Dieß was über der Erfahrung bleibt ist das Begehrenswertheste und das im reinsten Wissen zu Wissende, weil es nicht aus Potenz und actus gemischt ist und Gegenstand eines aus Wissen und Nichtwissen bestehenden Wissens, d. h. des empirischen Wissens ist. Indeß jenes in welchem der reine actus ist, ist das ganze Seiende (ενεργεια ον des Aristoteles) ist deshalb auch das ganz Erkennbare; insofern etwas das Nichtseiende ist, ist es nicht erkennbar. Alles andere, was diese Wissenschaft anderen Wissenschaften zur wirklichen Erklärung überläßt ist nur zugelassen als Stufe zu dem Letzten; hat keine Wahrheit in sich als nur in Beziehung auf das Letzte. Dieß so Beschaffene wird die Philosophie einer anderen Wissenschaft überlassen, es ist sich selbst vorbehalten als der Gegenstand in Beziehung. Sie hat alle früheren Gegenstände als nichts betrachtet, als das Nichtseiende. Diesen Gegenstand will sie zur wirklichen Erkenntnis bringen, was nur in einer ganz neuen Wissenschaft geschehen kann. Damit endigt die Funktion der Philosophie in welcher sie die Wissenschaft aller Wissenschaften war, in welcher Beziehung ihr eigenthümliches war, das wirkliche Wissen in die Wissenschaft zu setzen, deren Wissenschaft sie ist, nicht in sich selbst. Sie ist daher auch in diesem Sinne nichtwissende, negative Wissenschaft. Von hier an aber setzt sie das Wissen in sich selbst und ist selbstwissende, positive Wissenschaft; hier wie dort Philosophie, weil sie den eigentlichen Gegenstand des höchsten Wissens sucht. Hier weil sie den höchsten Gegenstand des Erkennens erst zum wirklichen Erkennen bringt. Das Ueberexistirende nicht als höchste Idee sondern als das wirklich existirende zu erweisen.

Unterschied Beider

In der negativen Philosophie ist alles zu Anfang und zu Ende nur relativ wahr, als ein Punkt des Wegs zu dem Wahren, das Wahre nur im Ende habend, daher nicht im Wahren seiend, nicht die absolute wahre Wissenschaft seiend, aber auch nicht falsch, weil auf dem Wege zur Wahrheit. Gegenüber der Wissenschaft, die das Wahre nicht im Ende hat sondern im Wahren ist, wird sie nicht selbst Philosophie heißen können sondern wird dieses Namens erst würdig, durch ihr Ende, durch ihre Beziehung zu der positiven Philosophie; für sich ist sie nicht Philosophie; nun aber wird sie dieser gegenüber πρωτη επιστημη (Aristoteles versteht darunter blos Physik und gesteht der positiven den Namen der höchsten Wissenschaft zu und wie das, wovon sie ausgeht das primum cogitabile das vor dem Sein, so wird das Ueberseiende das summum cogitabile sein). Die negative Philosophie geht allem voraus, die positive beschließt alles. Hier liegt der Unterschied zu Kant und der richtig verstandenen Identitätsphilosophie. Wenn Kant alles dogmatisch positive, von der Vernunft abweist so auch die Identitätsphilosophie; nur schließt Letztere das Positive als Positives aus d. h. setzt es in eine andere Wissenschaft, was Kant nicht thut, obgleich schon damals gefragt wurde, ob die Kritik der reinen Vernunft die ganze Philosophie sei worauf Kant und seine Nachfolger nicht antworten konnten.

Nur in 2 Wissenschaften vollendet sich die Philosophie, dessen unerachtet ist jetzt der Schein der nebeneinander stehenden Wissenschaften verschwunden. Die negative Philosophie ist für sich Wissenschaft aber nicht Philosophie. Diese ist sie erst, indem sie die positive außer und über sich selbst setzt in ihrem letzten Schritte erklärt sie sich selbst nur als Bewußtsein der positiven Philosophie und insofern doch nur eine Philosophie und der Ausdruck negativ könnte behalten werden für eine Philosophie welche die positive ignoriert oder negiert. Die negative ist nicht Begründung der positiven, denn letzte hat es nicht nöthig. Auch diejenigen, welche es zurückweisen, daß wir von der Philosophie vor der Philosophie sprechen können, machen doch eine Einleitung. Es hieße nur die Selbständigkeit der negativen Philosophie über Gebühr verkennen, wenn man sie Einleitung der Philosophie nennen wollte; da sie die anderen Wissenschaften auch außer sich hat. Wo es nur um Vortrag der positiven zu thun ist, wird sie als Einleitung vorkommen. Doch hebt dieß ihren Anspruch nicht auf, selbstständig zu sein. Sie wird an die Stelle der ehemaligen Metaphysik treten, als reine aus seinem eigenen Stoffe gewobene Erfindung des Geistes wird sie immer selbstständig sein, nur als Philosophie wird sie nicht absolut gelten können als sie die Philosophie, wie jede andere Wissenschaft außer sich setzte. Die negative Philosophie ist eine allgemeine Wissenschaft. Die positive eine besondere. Die positive Philosophie setzt sie als die, welche sich selbst sucht, während die anderen Wissenschaften ihr nur beiwegs in den Wurf gekommen, sind. In solchem Zusammenhang ist die negative Philosophie die sich sollenselbst suchende positive, welche es eigentlich ist, die in der negativen eigentlich ist, nur in der Potenz, nur als sich suchend. Inwiefern sie selbst zur positiven gehört wird sie auch den Namen der negativen ablehnen können; allein sie ist hinwegschaffend, wo nicht Inhalt der Philosophie ist, nur zuletzt erreichend, was sie als ausschließenden Gegenstand für sich selbst zu erkennen vermag. Der Inhalt der Vernunftwissenschaft ist der beständige Umsturz der Vernunft und die Vernunft sich selbst zur Quelle nehmend ist keiner wirklichen Erkenntniß fahig; das ist das Resultat der negativen Philosophie; denn was der negativen Philosophie zum Erkennbaren wird, ist über die Vernunft Hinausgehendes, was sie deshalb einer anderen Wissenschaft, der Erfahrung, überlassen muß. In diesem ganzen Verlauf hat die Vernunft nichts für sich und auch mit dem was bestehen bleibt kann sie für sich nichts anfangen, noch es mit ihm zur Erkenntniß bringen. Dieß thut die positive Philosophie.


Luther sagt von der Vernunft sie sei ein großes Ding für zeitliche Dinge d. h. empirische aber nicht für göttliche. Dieß stimmt mit Kant überein, der sagt, daß die Philosophie über die Erfahrung hinaus nichts zu erkennen vermöge. Die positive Philosophie giebt nicht den der Vernunft eigentlichen immanenten, ihren ewigen Inhalt als einen erkannten. In der negativen Philosophie sucht sich die Philosophie und hat sich selbst in der positiven, sucht in der negativen ihren Inhalt und erweist ihn in der positiven als existirend. Von jeher ist die positive Philosophie die gewollte; weil sie aber auf einen solchen Weg gerieth, rief sie die Kritik hervor, aus der dann die negative Philosophie hervorging, die ihre Wahrheit hat, insofern sie die positive außer sich setzt, die positive Philosophie könnte von sich anfangen; dieß könnte auch die negative, wenn sie im Stande wäre sich aller wirklichen Kenntniß zu begeben. –

Das Seinkönnende, welches allein umittelbarer Inhalt der Vernunft ist, geht aus sich hinaus und somit auch aus der Vernunft. Nur das Letzte bleibt ihr. Und dieß sollte sich aufgeben zu erkennen. Wie wird sie den wirklichen Gott sich verschaffen; wird sie sagen, der Gott, der in der bloßen Vernunft Idee sei, müsse uns durch individuelles Gefühl zum wirklichen werden (Jacobi). Wie aber, wenn Einer dem dieß eben Recht ist, diese Berufung auf das Gefühl benützte, zu sagen, der wirkliche Gott sei ein Geschöpf unseres Gefühls, sei nichts Objektives, die ganze Geschichte des Christenthums hat nur psychologische Bedeutung. Statt zu sagen, die positive Philosophie werde durch die negative begründet, möchte man umgekehrt behaupten die negative wird erst durch die positive begründet weil sie erst durch diese in den Stand gesetzt wird, in ihren Grenzen zu bleiben.

Uebergang von der negativen Philosophie zur positiven. –

Nicht mit dem wirklichen Existiren sondern mit dem Existirenkönnen hat die negative Philosophie zu thun. Das letzte, was Existiren kann ist die Potenz-selbst, welche dann, weil sie an sich selbst das Seiende ist, ebendeshalb das Ganzseiende des Platon ist; da alles Uebergegangene nicht mehr das Seiende sondern seiend ist, im eigenschaftlichen Sinne bei allem, was durch Uebergang a potentia ad actum entstand ist durch diesen Uebergang der Potenz verändert und nicht mehr die Potenz selbst. Aber die negative Philosophie hat die Potenz-selbst nur als das Letzte alles Existirenkönnens d. h. die seiende Potenz ist vorerst nur Potenz. Nun kann auch noch a priori eingesehen werden, auf welche Weise allein die Potenz existiren könne, daher stellt sich dar, daß die Potenz, welche selbst actus ist nicht durch Uebergang a potentia ad actum sei d. h. das Sein nicht als posterius von sich selbst haben könne; denn dann würde es das Seiende sein, welches über das Existiren aufgehört hat, das Seiende selbst zu sein; sie würde so nicht als Potenz im Sein ankommen, die Potenz-selbst, wenn sie existirt, kann nur antecedenter, nur a priori sein, d. h. das Sein nur zum prius haben; weshalb in ihr der actus das prius ist, es ist das umgekehrte Seinkönnen. Bis zu diesem Gedanken ist die ehemalige Metaphysik, freilich sehr implicite, auch schon gekommen. – (Die positive Philosophie geht vom reinen, aller Potenz entgegengesetzten Sein aus) Die Metaphysik hat diesen Gedanken verkehrt angewendet im ontologischen Beweis, welcher in der Form des Anselms, einer der bedeutendsten der Scholastiker, z. B. Thomas von Aquino gar nicht anerkannt ist, inwiefern es nämlich das Dasein Gottes beweisen soll. Der Fehler des ontologischen Arguments ist so leicht zu entdecken und selbst Kant hat ihn nicht bemerkt; ontologisch, genannt, weil es aus dem blosen Wesen Gottes ganz apriorisch, ohne etwas aus der Erfahrung zu nehmen lautet: Dem höchsten Wesen (höchste Potenz; höchstes Können) ist es unmöglich zufällig zu existiren, folglich existirt es nothwendig (wohl zu bemerken, wenn es existirt) daß es existirt ist damit nicht bewiesen. Aus dem Begriff Gottes folgt allein daß er nicht erst existiren zu werden nöthig hat; anders kann er gar nicht existiren; aber daß er existirt, folgt daraus nicht. Wenn man bei dem nothwendig Existirenden nur das denkt, was eben nur als das Existirende gedacht wird so bedarf es dabei keines Beweises, daß es existirt aber dieß ist noch nicht Gott, indem gar nichts gedacht wird als die Existenz. Dieß nennt Spinoza zwar Gott, aber es ist nicht der Gott im Leibnitzschen Sinne dieß blos Existirende ist dem Spinoza schon Gott ohne daß er zeigt, wie man von diesem als bloßes prius zu Gott als dem posterius gelangt. In jenem bloß Existirenden ist noch von keinem Wesen, keinem Begriff die Rede. Spinoza zeigt nicht, daß es der Wirklichkeit nach Gott ist. Auf dieser Unterlassung beruht allein der Spinozismus. –

Anselmus Wendung des ontologischen Beweises war, das Höchste ist Gott; aber es wäre nicht das Höchste, wenn es nicht existirte. d. h. nichts anders als daß im höchsten Wesen die Existenz schon gedacht wird. Das höchste Wesen wenn es ein solches giebt, so, daß es die Existenz einschließt, so existirt es nothwendig. –

Cartes: Dem Wesen Gottes widerstrebt es blos zufällig zu existiren – d. i. Obersatz.

Folglich kann auch im Schlußsatz nur von der nothwendigen Existenz d. h. von einer Weise der Existenz die Rede sein und doch wird geschlossen Er existirt überhaupt. Gott kann nicht per transitum a potentia ad actum existiren, oder nicht zufällig, also, wenn er existirt, kann er nur das an und vor sich Existirende sein, also ist die Existenz das prius und die Gottheit das posterius. Ist er das vor seiner Gottheit seiende so ist er das vor seinem Begriff und daher vor allem Begriff seiende; er ist das vor seiner Gottheit, das Blindseiende. –

Dieß kann man noch a priori einsehen; da es aber zweifelhaft ist, daß er existirt, so kann ich in der positiven Philosophie nicht davon ausgehen, er sei das an und vor sich seiende; sondern nur von dem Blindseienden, in welchem gar kein Begriff also auch nicht der Begriff Gottes ist.


Wenn Gott existirt, so ist er das an und vor sich Seiende.

Wie kann ich nun beweisen Gott existirt? Nicht vom Begriff aus, wie die alte Metaphysik im ontologischen Beweis. Vom blos Existirenden muß ich ausgehen. Dieser Begriff des an und vor sich, des vor aller Potenz und eben deshalb unzweifelhaft Existirenden ist mir gegeben in der negativen Philosophie. Zweifelhaft ist die Potenz, die sein und nicht sein kann. Von dem Seienden, von welchem alle Potenz ausgeschlossen ist, ist ebendeshalb auch aller Zweifel ausgeschlossen. Der Begriff des blos existirenden ist mir noch in der negativen Philosophie gegeben und ich kann nun die Gottheit des Existirenden nicht aber das Existiren der Gottheit beweisen. Ist nun die Gottheit die Potenz, so ist die Potenz hier das posterius; nicht der Begriff des persönlichen Gottes ist der Anfang, sondern das Princip des Spinoza; das blind, im verbalen Sinne Seiende ist der Ausgangspunkt der positiven Philosophie.

Die ganze neuere Philosophie seit Cartes, seit dem Sturz der Scholastik ist nichts anders als das Werden der positiven Philosophie. Die erste Frage des Cartes war nicht nach der Potenz sondern nach dem unzweifelhaft Seienden. Es stellte sich ihm das »Ich bin« als das Gewisse dar. Alles dieß gilt ihm doch nur als subjectiver Anfang und er ruht nicht, bis er das ontologische Element wieder hervorgerufen und als Anfang aller Philosophie aufgestellt hat. Von seiner falschen Absicht befreit, führt dieß Argument auf die positive Philosophie und erscheint im Spinoza als Anfang einer neuen Philosophie, doch fällt Spinoza damit gleich ins nothwendige Denken zurück. Nicht mehr das Was sondern das Seiende wurde als Anfang der Philosophie genommen, das Princip der alles transcendenten Existenz. Auch als Occidentalismus und Orientalismus sich erhaltend, können die negative und positive Philosophie gedacht werden. –

Die negative Philosophie kommt dem Sein mit dem Denken zuvor; sie geht vom Begriff aus zum Sein; die positive vom Sein, in dem noch kein Begriff ist, zu dem, was über dem Sein ist, frei von dem Sein und insofern Potenz. Das Höchste, was sein kann, Gott, wenn er existirt, kann nur das nothwendig Existirende sein. Das einfach nothwendige Seiende ist nicht Gott, sondern das prius. Wenn er nur denken ist so ist auch nur dieß das was Gott sein kann also es ist die Potenz von Gott, d. h. nicht seines Seins sondern des prius seiner Gottheit. Alles zufällige Sein ist zuerst möglich und darum wirklich. Aber Gott fängt mit dem Existiren an. Gott ist a priori nicht Potenz sondern actus. Was wir das prius der Gottheit nennen ist actus. Dieses letzte Existirenkönnen ist die Potenz selbst. Dieser kann aber nicht wieder Potenz sondern actus vorangehen.

Das blind Seiende ist nothwendig, weil es aller Potenz vorausgeht, es ist nicht das nothwendig seiende Wesen; nicht an das, was existirt soll im Anfang gedacht werden. Die Frage, was es ist, ist eine secundäre. Bis zu diesem Begriff des nothwendig Seienden kann auch die negative Philosophie kommen; ihr Schluß ist aber die Berichtigung des ontologischen Beweises. Dieses ohne alle vorausgehende Potenz Seiende ist das, was gar keiner Begründung bedarf, gar keine Begründung zuläßt; sonst wäre es nicht das ohne prius Seiende; also ist die negative Philosophie nicht der Anfang der positiven.

Welches Verhältnis hat dieses Seiende zur Vernunft? Es hat ein negatives Verhältnis zur Vernunft. Ist jenes unendlich Seiende Idee? Es ist ein reiner Begriff der mit ihm ausgesprochen wird. Was sonst Praedikat ist, ist hier das Subject. Die positive Philosophie fängt nicht mit einem existentialsatz an sondern mit dem Seienden selbst; es ist nicht Idee im Sinne der negativen Philosophie d. h. Potenz, die über dem Sein ist; in der alles Sein überwunden ist. Das blind Seiende ist das von der alle Potenz ausgeschlossen ist. Die umgekehrte Idee. Die Idee in welcher die Vernunft selbst außer sich gesetzt ist. Die Vernunft kann ein solches in welchem kein Begriff ist, nur absolut außer sich setzen; später wird es zum Inhalt mit Vernunft, indem es Gott wird. Die Vernunft ist also in diesem Letzten selbst außer sich gesetzt, extatisch. »Wenn irgend Etwas existirt«, meint Kant. Hier ist also alles Was noch ausgeschlossen. In der neuen Philosophie ist das Sein als Anfang blos ein Moment des Denkens.


Kant unterscheidet die Ewigkeit von dem grundlos Existiren; aber die Ewigkeit ist nichts als die Existenz, vor dem wir kein prius wissen; vor dem kein Denken ist. Unbegreiflich ist diese Existenz d. h. a priori unbegreiflich. Mit diesem a priori Unbegreiflichen beschäftigt sich die positive Philosophie, um es a posteriori zu begreifen. In Gott wird das a priori Unbegreifliche begriffen. So lange die Vernunft nur sich selbst erforscht, hat sie zu ihrem Inhalt nur die unendliche Potenz des Seins und so sieht sie sich in Freiheit gegen alles unendliche Sein gesetzt; aber auch dieß kann sie nicht erkennen, ohne das Ueberseiende herbeizurufen, welches ein anders prius, nämlich das Sein vor allem Denken hat.

Die vom Sein sich zurückziehende Vernunft findet als ihren Inhalt die Potenz.

Die regungslose Potenz kann nur actus sein und umgekehrt wo actus ist da ist regungslose Potenz. Die Potenz ist nicht der unbedingte Vernunftbegriff, sondern nur der Begriff, der in sich sichzurückziehenden Vernunft. Daß das Denken sich nicht in sich zurückzieht nicht in sich selbst das Object sucht, daß die Vernunft sich gehen lasse, ist Bedingung der positiven Philosophie. Nicht auf dem Wege des kosmologischen Arguments fängt die positive Philosophie an. Sie setzt das nothwendig Seiende selbst unmittelbar, wozu die Vernunft unmittelbar d. h. wenn sie sich gehen läßt, nicht in sich selbst ihr Object sucht, ein Verhältnis hat.

Dieser unmittelbar gesetzte Begriff des nothwendigen Seienden macht aller Kritik ein Ende, die Kritik eines Begriffs setztstellt die Möglichkeit seines Gegenstandes in Frage. Ob aber ein nothwendig Existirendes existiren könne ist gar nicht zu fragen; denn es kann nicht existiren, weil es allem Können zuvorkommt. Der Begriff des nothwendigen Seins als Ergebniß eines Arguments mag man in Zweifel ziehen, aber unmittelbar aufgestellt, kann keiner sich ihm entziehen; eben in diesem Begriff, nicht was er daraus folgert liegt die Unwiderlegbarkeit des Spinoza. Auch kann man nicht fragen, was für ein Wesen nothwendig existiren könne; wie man im kosmologischen Beweise thut; denn damit nehme ich an, daß ihm ein Was vorangeht. Kant’s Kritik des kosmologischen Beweises enthält eine Stelle, worin er sagt, man wollte entweder zur absoluten Nothwendigkeit einen Begriff oder zum Begriff die absolute Nothwendigkeit finden etc.

Kein Wesen kann aus seinem Begriff als nothwendig eingesehen werden. Zu dem einfach nothwendig Existirenden den Begriff zu finden wäre Sache der positiven Philosophie, dagegen zu dem Begriff die absolute Nothwendigkeit ist Sache des ontologischen Arguments.

Kant hat den absolut immanenten Begriff, den des höchsten Wesens und den absolut transcendenten, den des blos Existirenden neben einander beide in der Vernunft, ohne sie einen zu können. Beide müssen neben einander grenzen als Ende der negativen und Anfang der positiven Philosophie. Beide sind in der negativen und positiven Philosophie also auf verschiedene Weise. In der negativen Philosophie so, daß das höchste Wesen, wenn es existirt nur a priori das Seiende sein kann. Das an und vor sich Seiende ist es wenn es existirt. In der positiven Philosophie so, das einfach nothwendig Existirende ist, nämlich nicht nothwendig sondern faktisch a posteriori das nothwendig nothwendig existirende Wesen d. h. Gott. und dieß, daß das blos Seiende faktisch Gott ist war a posteriori bewiesen so: Wenn das nothwendig Existirende Gott ist: so wird diese und jene Folge so wird A. B. C. u. s. w. möglich sein; nun existirt unserer Erfahrung zufolge A. B. C. wirklich also ist das nothwendig Existirende wirklich Gott.

Ueber das Transcendente:

Alles Transcendente ist nur Etwas in Bezug auf ein Anderes, worüber es transcendirt, also nur ein Relatives. So von dem Wesen was zur Existenz transcendirt in der alten Metaphysik; wogegen Kant eifert. Das Transcendente in der positiven Philosophie aber ist ein Absolutes und daher in jenem Sinne kein Transcendentes. Habe ich mich erst ins reine Denken eingeschlossen; dann ist Transcendenz möglich; fange ich aber mit dem Transcendenten an: so ist nichts was ich überschritten hätte. Wir gehen vom Transcendenten aus und zwar so, daß dasselbe zum absolut Immanenten, zum Begriff wird. Dieß worin nichts von einem Begriff ist, kann die Vernunft nur absolut außer sich setzen, dieß thut sie; aber nur um es zum absolut Immanenten zu machen und um dieses zugleich als ein Existirendes zu haben; was nur auf diesem Wege möglich ist. Die reine Potenz der negativen Philosophie ist der mit dem Denken identische Inhalt und weil er als solcher dem Denken nicht zugehen kann kann er nur aus dem Denken hinausgehen; während das blos Existirende, das alles Denken ausschließt dem Denken eben deshalb zugeführt wird. Das außer allem Denken gesetzte Sein ist letzter Inhalt der Vernunft. Von diesem geht die positive Philosophie aus; als Gott ist es immanent. Gott ist nicht das Transcendente; sondern das zum Inhalt der Vernunft gemachte Transcendente, das Unbegreifliche kommt in Gott zum Begriff. Das Unerkennbare im blinden Sein wird in Gott zum Erkennbaren. Was die Vernunft nicht bergen kann wird ihr in Gott zum immanenten Inhalt. Von ihrem unmittelbaren, aber zufälligen Inhalte geht die Vernunft in der negativen Philosophie aus, um zu ihrem nothwendigen Inhalt zu gelangen; aber diese bleibt in der bloßen Idee. Die positive Philosophie geht von dem aus was nicht Inhalt der Vernunft ist, aber die Vernunft unterwirft sich ihm, um zu ihrem Inhalt als einem wirklichen zu gelangen im freien Denken; sie geht vom actus aus; es ist also in ihm nicht, wie in der Potenz eine Nothwendigkeit zum Fortschritt.

Auch nicht einmal in der Sinnenwelt kann die Vernunft aus sich begreifen z. B. die Existenz dieses bestimmten Steines, sie muß sich der Autorität der Sinne unterwerfen.


Will die Vernunft das von sich aus gefundene Object als ein wirkliches, so muß sie sich der Autorität der Sinne unterwerfen. Durch den Glauben wissen wir, daß Dinge außer uns sind d. h. jede Unterwerfung unter eine Autorität kann Glauben genannt werden, die Unterwerfung unter eine Macht, die sich nicht aus der Vernunft her schreibt.

So lautet der Gegensatz:

Einiges wird aus der Natur der Dinge erkannt. Alles, was sich auf Existenz bezieht verlangt zur Bewahrheitung Etwas, was außer dem bloßen Gedanken und also in letzter Instanz ein Sein, das vor und über allem Denken ist.

Der Gegensatz spricht sich aus

in der Entgegensetzung von Denken und Vorstellung wie Reinhold sie aufstellte und später Hegel sie aufnahm.

Das unmittelbare der Vorstellung ist, der Eindruck den wir empfinden, daß Etwas im Raum sei: also das quod vor dem quid.

Das, was es ist, ist hier etwas secundäres. –

Vorstellung und Denken

verhalten sich demnach wie Existenz und Denken. Der Inhalt der reinen Vorstellung ist Sein. Der Inhalt des reinen Denken ist das Wesen. Das allem Denken zuvorkommende Sein ist das absolut vorgestellte. Dagegen erhebt sich sofort das Denken und fragt, was das Wesen sei: Dieß ist dann auch der Gang der positiven Philosophie. In dem unbedingten Existiren das quid zu finden ist unsere Aufgabe. Wir können uns nichts vorstellen ohne das quid. Daher setzen wir das quid voraus.

Ein wahres Prinzip hat jedes Sein zur Voraussetzung ist das unzweifelhaft Existirende, das nie sich ungleich werdenkönnende; die μονας der Pythagoraeer im Gegensatz der δυας des Unstäten.

Ob nun die μονας schon mit dem unvordenklichen Sein gefunden sei, ist die Frage. Vielleicht ist dieses Sein doch nur die erste Erscheinungsweise der μονας. Es fragt sich ob es keinen Gegensatz zulässt. Der mögliche Gegensatz wäre nur das Seinkönnen. Das Ursein geht aller Potenz vorher, damit ist nicht ausgeschlossen, daß die Potenz ihm folge. Das unvordenkliche Sein macht der Potenz erst möglich zu erscheinen; weil die Potenz nicht gedacht werden kann ohne Voraussetzung des Seins; so muß zu beiden eine Beziehung sein. Dasselbe was das blos Seiende ist, dasselbe muß auch das unendliche Seinkönnen sein. Indem wir dieses aussprechen, ist etwas gesetzt was über den blosen Act des Existirens hinausgeht. Das nothwendig nothwendig Existirende, was auch ist, wenn der actus des nothwendigen Existirens aufgehoben wird. D. h. was seiner Natur nach existirt. Dieses natura necess. wäre

1) das unvordenkliche Seiende, 2) das ein Anderes sein können 3) das zu beiden frei als Geist schwebende, weil sie gegen das Können sich als Sein und gegen das Sein sich als Können verhält. Die natura necessaria wäre frei in Bezug auf das nach der Hand als möglich sich zeigende, es ist frei dieses sein zu wollen; denn es ist das Seiende, ob es dieses annimmt oder nicht. Eben so frei wie gegen das Seinkönnende ist es auch gegen das unvordenkliche Sein; denn auch wenn es der actus der nothwendigen Existenz zur Potenz und somit zu einem Moment seines Gesammtseins macht bleibt es das nothwendige Sein; weil es seines unendlichen Seins sicher ist, (das Andere sein ist nicht ein Anderes von ihm als Gott sondern von ihm als dem unvordenklichen Sein) sieht es sich in der Freiheit jenes andere Sein anzunehmen; denn für es selbst ist es völlig gleichgültig, ob es das Andere adoptiert oder nicht, nachdem es ihm als möglich gezeigt ist.


Ewig ist das Sein dem nichts, nicht einmal das Sein zuvorkommende.

Verlangt man einen Weg zu diesem Sein so ist dieser die negative Philosophie. – Das Sein dem die Potenz vorausgeht kann nur das endliche Sein sein das a priori Seiende ist, was ehe es Potenz ist, ist. Aber auch die positive Philosophie kann unmittelbar von dem unvordenklichen Sein aus anfangen, welches als die Negation aller Idee, selbst Idee ist. Aber umgekehrte Idee. Sie wird erkannt indem sie alle Erkenntniß flieht, von cogitando cogitatur d. h. nicht durch ein Denken das dem Sein vorausgeht, denn das Denken will eben in ihr über sich hinaus, um sein Sein als ein wirkliches zu haben. Ewig ist das Sein, welches dem göttlichen Denken selbst vorauskommt. Die Ewigkeit gehört mit zu den negativen Attributen Gottes ohne die er nicht sein kann, aber durch die er noch nicht Gott ist. Diese grundlose Ewigkeit ist eben deshalb nur Anfangspunkt den die Wissenschaft nur setzt um von ihm hinauszugehen; zu einem solch terminus a quo geworden, sagt man, von Ewigkeit von da an, daß es ist, d. h. von Ewigkeit zeigt sich dem unvordenklichen Seienden die Möglichkeit des anders seins. Spekuliren heißt sich nach Möglichkeiten umsehen, durch die ein gewisser Zweck in der Wissenschaft erreicht wird.

So wie, was im hypothetischen Satz im Obersatz als Möglichkeit gesetzt wird, im Schlußsatz eine Wirklichkeit ist. Die Vernunft am Ende der negativen Philosophie außer sich gesetzt indem sie sieht, daß sie ihren wahren Inhalt nicht als einen wirklichen besitzen kann, entschließt sich vom Sein vor allem Denken auszugehen. Was ist dieses unvordenkliche Sein? Danach frägt sie. Wenn diese Frage nach dem Was sich erhebt so ist das erste zu fragen: Ob jenes unvordenkliche Sein das blos actu Existirende sei oder ob es das seiner Natur nach Existirende oder das nothwendig Existirende selbst sei, dadurch rechtfertigt sich diese Frage, daß Spinoza bei dem blos Existirenden schon geblieben ist ohne über das blind Existirende hinauszukommen. Ob nun das actu nothwendig Existirende von dem wir ausgehen das nothwendig Existirende selbst ist, ist nicht a priori einzusehen denn das actu Existirende hat kein prius es ist für unser Denken selbst ein prius; was wir also weiter von ihm zu erkennen haben ist ein blos a posteriori: so daß wir den einen Theil des disjunktiven Satzes, von dem wir ausgehen: das actu Existirende ist entweder dieses oder das nothwendig Existirende selbst, daß wir das 2te als Hypothesis annehmen um so zu schließen: wenn dem so ist, so muß sich folgendes finden. Dieß ist der Obersatz, der Untersatz kann dann nur sein, daß sich das Alles, was wir als Folge jener Hypothese als ein mögliches setzten wirklich finden, wodurch dann die Hypothese aufhört eine solche zu sein. Nach dieser Hypothese stellen wir nun auf: dem seiner Natur nach Existirenden muß das blos actu Existirende, ein in Ansehung seiner Selbst Zufälliges sein. Denn es hat sein Wollen nicht an dieses unvordenkliche gesetzt. Daher hat es sein Thun auch frei davon. Daher ist es auch das darüber hinauskönnende, natürlich nur ein anderes sein können, als es in jenem unvordenklichen Sein ist. Wenn es so jenes überschreitend mehr sein muß als jenes so kann es in diesem mehr nicht mehr das Seiende sondern nur das Seinkönnende und zwar das über sein unvordenkliches Sein Hinausseinkönnende sein. Angenommen nun in dem blind Existirenden sei das nothwendig Existirende selbst so wird sich dieses doch dadurch noch nicht als solches wissen, auch dieses muß noch begriffen werden, daß es sich als das über den unvordenklichen Akt des Hinauseinskönnenden weiß, denn bis jetzt ist es das ohne sein Wollen Seiende das sich selbst noch nicht wissende oder besitzende, das unvordenkliche Existirende ist ein durch den Begriff nicht bestimmtes insofern ein Zufälliges nothwendiges, blindes, in so fern hat es das entgegengesetzte Sein nicht ausgeschlossen, dieses durch Uebergang a potentia ad actum möglich sei. Dieses blos zufällige Sein hat nun zwar keinen Anspruch auf Wirklichkeit, es könnte von ihm nicht die Rede sein, wenn nicht das unvordenkliche Seiende ist; da dieses nun ist, was nothwendig aber zufällig nothwendig ist, dadurch hat das blos zufällige Sein ein Recht auch eine Möglichkeit zu sein, sich dem was in dem actu Existirenden das Wesen ist zu zeigen dem es sagt, daß es das im unvordenklichen Sein eingeschlossene ist, sich über diesem erheben kann; dieses wird ihm jetzt erst gegenständlich, da ein anderes da ist. Erst jetzt kann es sein unvordenkliches Sein sich selbst gegenständlich sein können, erst durch dieses Seinkönnen, gegen welches es sich als Subject verhält kann das unvordenkliche Sein sich als Subject verhalten, das Seinkönnende ist jetzt, im Sinne der Copula.


Wir unterscheiden das nothwendige Existiren vom nothwendig Existirenden selbst. Das Letzte war bis jetzt das, was wir voraussetzten, Idee. Wenn es aber im Unvordenklichen ist und das ist die Hypothese, so muß es sich erscheinen als die natura necessaria, die das nothwendig Seiende bleibt, auch wenn das blos Existirende aufgehoben ist; erst dieß ist Gott; dann muß diesem sein Sein als ein zufälliges als aufhebliches, nicht durch sich selbst sondern durch ein anderes außer ihm, was dann als Möglichkeit sich zeigen muß, bei deren Erscheinen das Existiren sich von dem Existirenden unterscheidet und aber und eben dadurch ist letztere gesetzt als das seiner Natur nach Nothwendige. Dieß konnten wir nur wollen; das allein Nothwendige haben wir nur gesetzt weil wir nicht anders konnten und dieses ist wie wir jetzt sehen, nur der actus des actus purus, indem dieser aufgehoben wird bleibt der blose actus purus zurück und wird als Wesen gesetzt. Der actus purus als Wesen