Schelling

Schelling Nachlass-Edition


An

Herrn Hofrath und Prof. Kastner

in Erlangen.

Euer Hochwohlgebohrn

würde ich schon früher meinen Dank für den gütig übersendeten 2ten Band Ihrer PolytechnoChemie erstattet und auf Ihren Brief vom geantwortet haben, wenn ich nicht zuvor der versammelten Akademie das für dieselbe bestimmte Exemplar hätte vorlegen wollen, was erst kürzlich geschehen konnte. Erlauben Sie nun, daß ich mit dem Danke der Akademie zugleich den meinigen verbinde. Ihr Werk erscheint als ein colossales Unternehmen, dessen Dimensionen weit über dasjenige hinausgehen, was man bis jezt bey uns unter dem Namen von Polytechnik durch Anstalten und Unterricht fördert. Ich habe nicht bemerken können, daß die auf Sie gemachten Angriffe, deren Sie in Ihrem Schreiben erwähnen, irgend einen unangenehmen Eindruk bey der Akademie oder sonstwo hervorzubringen im Stande gewesen wären. Allgemein läßt man Ihrer Thätigkeit und Ihrer ausgebreiteten Gelehrsamkeit volle Gerechtigkeit widerfahren. Wenn es nur möglich wäre, Sie auch noch näher und bestimmter in den Thätigkeitskreis der Akademie zu ziehen. Sie wissen aber aus eigner Erfahrung, daß sich alles bey uns langsam entwikelt. Künftig sollen nach der vorgeschlagenen, aber noch nicht genehmigten Geschäftsordnung monatlich Bülletins über die Beschäftigungen der einzelnen Classen erscheinen, die am Ende zu Jahresberichten zusammengestellt werden. Auch wird jezt ernstlich daran gedacht, eine Literatur-Zeitung hier zu begründen, für welche man gewiß auch Ihre Mitwirkung in Anspruch nehmen wird.

Mögen Sie das recht heiter und gesund angetreten haben, und es eben so auch verleben! Darf ich bitten zugleich mich und die Meinigen Ihrer Frau Gemahlin bestens zu empfehlen.