Schelling

Schelling Nachlass-Edition


Liebster Bruder!

Ich übersende Dir hier einige Exemplare eines kürzlich gehaltnen Vortrags, eines für Dich, die übrigen zuerst an Herrn Minister von Vellnagel, dem ich mich zugleich ehrerbietigst zu empfehlen bitte, dann an Herrn von Wächter; eines (baldmöglichst) an Kielmeyer, nebst meiner Empf˖[ehlung], ein ### an Präsid˖[ent] Gros (meinen ehemaligen Lehrer).

Die liebe Schwägerin und Du haben wieder meine Kinder auf eine solche Weise mit Geschenken bedacht, daß, wenn ich nicht längst verzichtet hätte, für so übergroße Güte zu danken, ich in großer Verlegenheit wäre, unsern Dank auszudrücken. Die Uhren haben eine große, für Clärchen fast zu weltliche, Freude verursacht. Die beyden Kinder werden in nächster Woche der lieben Tante selbst schreiben. Clärchen ist mit der Vorbereitung jetzt so sehr beschäftigt, daß sie nicht zum Schreiben kommen kann, Caroline ist unwohl und muß seit 6 Tagen das Bett hüten. Morgen wird Fritz erwartet.

Welche Freude, wenn es möglich gewesen wäre, Dich und die liebe Tante bey Clärchens Confirmation hier zu sehen! Gib mir wenigstens bald die Zusicherung, daß unsre für den nächsten verabredete GebirgsReise nicht ein leerer Traum bleibt. Oder wärest Du nicht abgeneigt, vorausgesetzt, daß die gegenwärtige rauhe Witterung sich wieder in eine mildere verwandeln sollte, noch früher (doch auf jeden Fall der spätern Reise unbeschadet) mit Deiner lieben Frau und den Kindern an den Bodensee zu kommen, wohin während der ferien, gegen Ende des Monats, wo hoffentlich alles grün seyn wird, ich eine kleine Reise zu machen sehr geneigt bin. Sorge wenigstens, daß die liebe Marie bis dahin den Münchner Onkel nicht wieder ganz vergißt, und schreibe doch immer von ihr und den andern Kindern.

Wie ich aus einigen Briefen von Wirtemberg sehe, ist man dort mit dem Ministerium des Herrn von Weishaar schon zum voraus sehr unzufrieden. Es scheint, er hat bereits in seiner frühern Laufbahn alle Popularität verloren.

Meine Frau erinnert mich eben, daß ich ihren und meinen Dank für gütige Erinnerung an Clärchens Confirmation auch noch für andre theure Freunde auszudrücken hätte. Ich will jedoch auch dieß Clärchen selbst überlassen. Sehr bekümmert sind wir über das Unwohlseyn der uns allen so verehrten und theuren Frau Ministerin. Mögen wir das nächste Mal völlig beruhigende Nachrichten erhalten. Auch meine Frau hat übrigens 14 Tage zu Bett gelegen und sich noch immer nicht ganz wieder erholt.

Lebe recht wohl, liebster Bruder, grüße Beate und gelegenheitlich auch August und schreibe bald wieder
Deinem
tr˖[euen] Br˖[uder]

Fr.