Schelling

Schelling Nachlass-Edition


An

Herrn Geh˖[eimen] Hofrath von Schelling

Vorstand der k˖[öniglichen] Ak˖[ademie] der Wiss˖[enschaften]

in

München.

No. 1.

Ich schreibe Dir, liebes Herzchen, daß ich glücklich obwohl unter Landregen heut’ früh 10 Uhr hier angekommen bin. Übernacht in Abensberg; wahrscheinlich zur Strafe meiner Sünden in einem kleinen Zimmer, aus dem so eben erst eine große feuchte Wäsche hinweggeschafft wurde; doch hat es mir nichts geschadet, und ich wünsche, daß Du Dich so wohl befindest wie ich. In eine 1/2 Stunde hatte ich von hier mit einem Glaswagen weiter und heute noch bis Schwarzenfeld, bis Waldsassen zu gehen. Sorge nicht wegen des Regens, es ist im Wagen sehr gleichgültig.

Hast Du in der Allgemeinen Zeitung von das seltsame Plagiat bemerkt. Der Artikel ist von Hormayr. Ich will ihm nicht die Absicht zutrauen, mir den lächerlich erklärten Gedanken von den Blättern der Weltgeschichte wegzufischen – er scheint überhaupt nicht genau zu wissen, was seine Einfälle und andrer Leute Gedanken sind. Doch fast mehr verdrießt mich der vorlaute Artikel von Thiersch in demselben Blatt; ich hatte um Goethe’s Willen die ihn betreffende Stelle ganz eingeschickt. Sage doch Obermeyer, daß er gleich an die Redaction in Augsburg schreibt: »er hätte von mir den Auftrag erhalten, Herrn J. Stegmann zu bitten, daß wenigstens die Stelle über Goethe und der Schluß der Rede nachträglich ganz eingerückt werden. Die Vergleichung mit dem Artikel aus Augsburg vom 27. Aug˖[ust] werde ihm zeigen, warum man lezteres verlangen müsse. – Übrigens auf’s höflichste.

In meinem Zimmer ist eine lederne Tasche unerledigt zurückgeblieben. Ist sie noch da, so laß Herrn Obermeyer einen Bogen dazu legen, worauf er schreibt:

»Diese Abh˖[andlung], deren Verf˖[asser] dem Gegenstand nicht gewachsen scheint, wird wohl auch andern meiner verehrten Herrn Collegen als einer durchgängigen Correctur bedürftig erscheinen.« Meinen Namen schreibe Du dazu, mach’ ihn aber hübsch nach, wie Du mich selbst mehrmals schon so gut nachgemacht hast.

Ich denke beständig an Dich; kümmere Dich nicht um mich, sorge nur für Deine Gesundheit. Grüße die Tante und die lieben Kinderchen herzlich, besonders aber den kleinen oder vielmehr großen Hermann, an den ich in Ab[ens]berg und Regensburg viel gedacht habe.

Werde nur recht gesund; ich empfehle Dich und die lieben Kinder in Gottes Schutz.