Herrn
Obermedizinal Rath
Dr. Schelling
in
frey bis Stuttgart über Augsburg.
Liebster Bruder!
Bey dem schönsten Wetter, durch welches Deine Rückreise begünstigt wird, sollst Du, hoffe ich, heute ganz wohl behalten mit Deiner lieben Gesellschaft wieder in Stuttgardt angekommen seyn. Ich hatte Dir den Weg über Dießen vorgeschlagen, weil ich wußte, daß dieser Ort ein vollkommner Ersatz für Andechs seyn würde. Nacher habe ich es aber bedauert, denn unterwegs hörte ich den Wirth von Vilshofen mit meinem Kutscher sich von dem schlechten Weg nach Dießen unterhalten, (den ich übrigens früher mehr als einmal, – einen Theil davon wenige Tage vorher in Deiner Gesellschaft gemacht hatte, und mein Kutscher fügte bey, daß der Postillon, der noch nicht lange in Starnberg sey, diesen Weg noch nie gemacht habe, was ich ihm selbst auch schon angemerkt zu haben glaubte. So geschah es, daß ich den langen Weg nach Wessobrunn, wo ich erst 11 1/4 Uhr anlangte, unter sehr beängstigenden Bekümmernissen zurücklegte. Glücklicher Weise erhielt ich am folgenden Tag sehr früh schon Deine beruhigende Versicherung, auch der Verwalter hatte mich inzwischen in Ansehung des Wegs des Gegentheils versichert.
Nun empfange nochmals, liebster Bruder, meinen herzlichsten Dank für die Liebe, die Du durch Deinen Besuch mir in so hohem Grad bewiesen hast, hätte es nur in meiner Wahl gestanden, besonders den hiesigen Aufenthalt für Dich und Deine liebe Gesellschaft angenehmer einzurichten! Je schmerzlicher das der Zeit gebrachte Opfer war, Dich nach München nicht begleitet zu haben, desto mehr und inniger danke ich Deiner brüderlichen Gesinnung, daß Du mir wenigstens auf dem Rückweg noch einen Tag schenken wolltest. Der lieben Schwägerin, Deiner Frau, danke nochmals herzlichst dafür, daß sie das liebe Mariechen Dir auf die Reise mitgegeben. Dieses Kind hat mir und gewiß allen den Meinigen das reinste Vergnügen gewährt. Gott erhalte es, und lasse es immerfort so wie bis jetzt gedeihen. Fräulein Mathilde meine besten Empfehlungen, und den Ausdruck des Danks und der Bewunderung für den Heroismus, mit dem sie alle Beschwerden des klösterlichen Aufenthalts bestanden!
Lebe recht wohl, theuerster Bruder, und behalte in brüderlichem, herzlichem Andenken
Deinen
Fr.