A Monsieur
Monsieur F. W. Schelling Conseiller d’Etat; Secretair generale de l’Academie des Sciences etc. etc.
à
Munich
en Baviere.
Paris den .
Herrn Hofrath von Schelling!
der leidenschaftliche Ton, in welchem meine wissenschaftlichen Gegenstände des Frühlingstages dargestellt waren, haben jede Zuneigung zu den darin enthaltenen Ideen erstikt und jedes weitere Studium vernichtet, ob derselbe einige Aufmerksamkeit verdiene oder nicht. Dieß hat mich bewogen einen französischen Prospektus erscheinen zu lassen, um mich zu rechtfertigen. Der Schluß des Frühlingstages erforderte blos eine Unterschrift, wie hier die meinige ist. Lassen Sie Hochverehrtester Herr bey Durchlesung des Artikels Philosophie Politique und Le Roi sich von dem glüklichen Gedanken ergreifen, daß ich zugleich mit dem HubertusSchlüssel, den Schlüssel zur Philosophie gefunden und die philosophische Analytik geschaffen habe, welcher man sich in allen Idealen, realen Absoluten und kritisch-skeptischen Untersuchungen, frey leicht und jeher überlassen kann. In der Psychologie lag der Fehler, der Irrthum in der Naturphilosophie, die Verwirrung in den Schulen. Alles ist behoben. Überzeugen Sie sich. Die Natur, die physische und die Geistige muß für sich und zusammen eine Einheit in der Har[m]onie seyn. Warum vereinigen sich Philosophen, Rechtsgelehrte und Politiker nicht – aus Mißverständniß; sie sind nicht vereinigt, folglich sind sie getrennt.
Constitutionen waren nicht das Mittel – ministerielle Despotie, nothwendig und zugleich gewiß
Ich hoffe Sie werden als Philosoph Denker Menschenfreund, meine Ausfälle, Rügen, Beleidigungen blos für nothwendige Mittel, freundschaftliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen betrachten, und fern von allem Geist der Schule, als Mann von Charakter, Edelmuth und Würde, dieses mein Herr zugesendete Blatt in jeder Hinsicht prüfend würdigen und da ich es überall in Deutschland bereits versendet habe, als Philosoph von bekanntem durchdringenden Scharfsin so würdigen und öffentlich beurtheilen, als es Ihnen Wahrheits- und Menschenliebe, Völkerglük und Weltenruhe ans Herz legen. Die Weltseele, der Weltgeist, den Sie zuerst aufstellten ist gefunden. Ihre Theilnahme an meinen Bitten und Ihre scharfe würdevolle nachdrükliche Beurtheilung, wird mir in meiner Lage in Paris etwas aufhelfen. Ich habe die Franzosen im Frühlingstag heftig angegriffen, hier muß ich den Fehler gut machen: doch ich erwarte die Stimme meiner Retter und Beschützer erst von Außen, um öffentlich mit diesem Systema naturae in Paris aufzutreten. Es ist hier noch ganz unbekannt. – Herr Martius empfängt eine Samlung Pflanzen, wo ein Gedicht über die Alterthümer Salzburgs, nähere Umstände über gegenwärtiges Blatt eröffnen wird. Es sind Beylagen an Oken, Schubert, Wagler &. &. darin. Ziehen Sie mein Lied vom Schwerdt und die Existenz meiner Bürgschaft (Garantie) nicht länger in Zweifel und beurtheilen Sie schnell, gütig und auch kräftig die Bemühungen eines von Anstrich an den Bettelstab Gebrachten. Muntern Sie Oken und Martius zu einer Recension dieser Blätter auf sonst gehe ich hier verloren, weil Paris für mich ein Indifferenzialpunkt bleiben muß, wo ich bloß passiv erscheinen darf. – –
Ihr aufrichtiger, Sie hochschätz[en]de Verehrer
F.W. Stieber
Lesen Sie den Brief an Herrn Martius.