Mißdeuten Sie mir doch nicht, Hochverehrtester, daß ich auf Ihr Verehrtes (mir höchst Wichtiges) vom erst jetzt wieder schreibe. Es kommen dem Angestellten, nam[en]tlich dem Sem˖[inar]Vorsteher zuweilen Zeiten, wo er nur einem Theile seiner Obliegenheiten, bes˖[onders] der privaten, genügen kann. So giengs in diesem Zeitabschnitt mir. Ich war durch allerlei Zufälligkeiten g[an]z bes˖[onders] belastet und strapazirt, mußte Mehreres aufschieben. Aber glauben Sie, daß ich deßhalb Ihren lieben Friz nicht aus dem Auge verlor, nicht sich selbst überließ. Ich habe vielmehr um so mehr auf ihn zu wirken gesucht, und im Geiste Ihrer Äusserungen und Andeutungen, die mir vom grösten Werthe sind. Und Gottlob! Gottlob! es ist mit Fr˖[iz] anders, es ist merklich besser geworden. Er ist fleissig, giebt in den Lect˖[ionen] Acht, und arbeitet für sich recht brav. Er hat mir auch Producte seiner Priv˖[at]Arbeit gebracht, treibt Mehreres mit ziemlichem Interesse, besucht mich hie und da, und ist vertraulich und offen gegen mich, auch heiter und froh. Ich hoffe, Sie finden ihn in der nächsten Vacanz wieder geistig und gut gestimmt, – und so fortan immer entsprechender.
»Man fordert vielerlei«, vielleicht »zu vielerlei«. Ich glaube das auch; aber mein H[au]ptsaz ist, daß man um so mehr jedes Einzelne recht zweckmässig, recht fruchtbar betreiben sollte. Und daran scheint mirs vorz[ü]glich zu fehlen. Man sollte Alles und Jedes so behandeln, daß die jungen Leute dieses Alters, wie Sie trefflich bemerkten, sich eines sichern Könnens (nicht des Wissens), einer gewissen Virtuosität erfreuten. Ich habe es meinen Mitarbeitern und meiner O[ber]behörde mehrmals vorgestellt. Man hats nicht (in der O[ber]beh[ör]de nur Einer) erkannt. So hab ich auch schon gegen die Pluralität der zu tractirenden Schriftsteller und üb[er]h[au]pt der Pensen gesprochen und geschrieben, aber mein Zweck nur in niederem Grade erreicht, z. B. nicht bewirkt, daß Homer statt 2 Stündlein wöch[en]tlich 4 erhalten hätte, und mehr cursorisch gelesen worden wäre, zur Imbuirung mit dem Geist und Wesen des köstlichen Schriftstellers. Zugleich aber bedaure ich das bes˖[onders], daß die jungen Leute nicht so unmittelbar, wie ichs mir denke und zur Aufgabe mache, vom Buch und Lehrer lernen, aufnehmen, sondern allzu mittelbar, vermittelst des nachgeschriebenen Hefts, – daß es auf keine oder zu wenig Wechselwirkung zwischen Lehrer und Schüler, auf wenig Anziehung zwischen Buch und Schüler angelegt ist. Ein grosses, allgemeines Zeitübel, gegen das
Das Turnen betreibt Fr˖[iz] nicht lässig, sondern gut. – Seinen guten Appetit rechnen Sie doch der Anstalt, die darbietet à discretion, nicht zu. Und ists nicht besser, er lasse sichs am ord[en]tlichen Tische schmecken, als daß er lecker fastidire, oder nebenher (in Wirthshäusern und Kneipen, bei Händlern) gulae indulgire?
Das Eine Ex[em]pl[a]r von Breyer hab ich dankbarst erhalten. Ich bitte nun, noch 36 à 2 f 24 (durch Fuhre, – denn diese Sendung wird wohl nicht postfrei gehen) zu senden. Ob die Handlung von diesen 36 (mit dem Vorangegangenen –: 37) Eines oder 2, 3 frei giebt, weiß ich nicht. Wäre es, so käme das Eine Ihrem lieben Friz zu gut, das 2 und 3te allen Käufern zus[ammen].
Mit der grösten, innigsten Verehrung, eiligst
Ihr
G[an]z g[e]h[orsam]st erg[e]b[en]st[e]r
Reuß.
Die Baarzahlung der 37 Breyer werde ich im besorgen. Darf ich den Betrag Ihnen schicken, und p˖[er] poste?