Stuttgardt, .
Recht herzlich leid thut es mir mein verehrter Freund, daß Vogel Sie in unsere Angelegenheit melirt hat, ich fühle daß die Sache Ihnen unangenehm seyn muß, da ich demselben die, in dem ostensiblen, hier beiliegenden Schreiben gesagten Wahrheiten, leider nicht ersparen kann. – Vogel hat sich in der Sache sehr unbillig benommen und mir mehrere unhöfliche Briefe geschrieben; auch ist es mir ganz ernst, daß ich lieber das Honorar an ihn verlieren wollte, als mit einem so unvollkommenen Buche in meinem Verlage hervorzutretten, während einige sehr gute Werke über Chemie erschienen sind. – Ich erkenne es dankbar als wahre Freundschaft von Ihrer Seite wenn Sie sich der Sache weiter unterziehen und sie, wo möglich – zu einer erträglichen Ausgleichung bringen wollen.
Sie haben ja indeßen gewaltige Veränderungen im Ministerium erlebt! – Ohne alle persönliche Vorliebe auf der einen noch der andern Seite, wünsche ich nur daß der K˖[önig] wieder einen so fleißigen, getreuen Arbeiter finden möge als Armansperg gewesen.
Wir bestreben uns jezt sehr in unserem Würtemberg unsere Nachbarn nachzuahmen. Alles ist in Gährung – die Wahlen beschäftigen die Partheyen auf eine nie erlebte Weise, man bemüht sich die frühern Kammern herabzuwürdigen und im Volke Hoffnungen zu erregen die nie erfüllt werden können; der Wunsch dieser Aufwiegler aber, im Inern Zwietracht und Unruhe zu stiften um dabei im Trüben zu fischen, der kann erfüllt werden. –
Sie können sich denken wehrter Freund, daß ich unter diesen Umständen auch hier die Ruhe nicht gefunden in der ich gerne einmal ungestört meinen eigenen Geschäften hätte nachkommen mögen auch kann ich Sie in meinem und meiner Frau Namen versichern daß uns recht oft mitten im Kreise von Verwandten der uns umgiebt, der Wunsch ergreifft, eine heitere Abendstunde mit Ihnen und Ihrer verehrten Gattin zubringen zu können. Herzlich freuen wir uns indeßen über Ihr fortgesetztes Wohlbefinden unter unserem Dache und wünschen daß Sie mit diesem Gefühle sich noch recht lange unter demselben gefallen möchten.
Nun bitten wir noch, die Frau Landsmännin und ich um die Fortsetzung der Freundschaft und des Wohlwollens womit Sie und Ihre, von mir besonders verehrte Frau Gemahlin, uns in vergangenen Jahren erfreut haben auch für die kommenden.
Unter der herzlichsten Verehrung
Ihr
Cotta
Denken Sie sich in meine Lage, die beim Verlag die der Ehe ist: man schämt sich nicht gern für seine Hälfte und man kan nicht anders als sich des Verlags von Vogel schämen –
So eben schreibt man mir, daß Herr Vogel klagen wolle und bereits mit einem Adv˖[ocaten] Herrn Th. gesprochen: was will er klagen? Zwingen kan mich kein Mensch, daß ich den 2t Band vor vollende – bis dorthin wird er nun vollendet seyn und ich werde meine Scham über disen Verlags Art˖[ikel] an den Tag zu legen wissen.
Herzlich
C.