Schelling

Schelling Nachlass-Edition


Hochwohlgeborner!
Höchstverehrter Herr Geheime-Rath!

Erlauben Sie es, höchstverehrter Gönner! Ihrer Güte die Bitte anheim zu stellen: anliegende Bücher der K˖[öniglichen] Akademie der Wissenschaften in meinem Namen überreichen zu lassen; seit der K˖[öniglichen] Akademie als ordentliches auswärtiges Mitglied verbunden, glaube ich in dieser Zeit zum Oeftern gezeigt zu haben, daß: beizutragen zur Cultur der Naturwissenschaften, insbesondere der Physik und Chemie, das Höchste ist, wonach ich strebe. Auch in obgedachten Schriften habe ich es versucht, von solchem Streben öffentliches Zeugniß abzulegen; mögen ihnen gerechte Beurtheiler zu Theil werden, und mögen mir aus den Beurtheilungen neue Belehrungen erwachsen; das ist mein inniger Wunsch!

Ehemals beehrte mich die Akademie mit der Zusendung ihrer einzelnen gedruckten Berichte; darf ich auch hinsichtlich der seit Weiler’s Tode erschienenen um solche Gunst bitten?

Während die Physik anfängt etwas langsamer fortzuschreiten, eilt dagegen die Chemie, unaufhaltsam in stets größeren Kreisen sich versuchend, fort, zur höchsten Ausbildung ihrer selbst: als ausübende und angewandte Wissenschaft, und zur tieferen Begründung jener ihrer Principien, welche sie im innigsten Bund erblicken laßen, sowohl mit den allgemeinsten Gesetzen der Physik, als auch mit jenen der gesammten anorganischen Gestaltung; der Isomorphismus und Heteromorphismus sind in dieser Hinsicht gewiß nicht minder beachtenswerth, wie die wesentliche Abänderung der chemischen Wirkungsweise nicht nur eines und desselben Gemisches, sondern auch eines und desselben sog˖[enannten] Grundstoffes; über alle drey Hauptentdeckungen der Chemiker unserer Zeit wird die Folge des Archivs (schon die nächsten Hefte desselben) Manches darbieten, was theils zur Bestätigung und schärferen Sonderung des in dieser Hinsicht Bekannten, theils zur Aufhellung des Ganzen nicht unwesentlich beitragen dürfte; ich werde die Ehre haben Ihnen, Herr GeheimeRath! seiner Zeit davon in nähere Kenntniß zu setzen, falls mir die Erlaubniß wird: die ferneren Hefte des Archivs, durch die Gewogenheit meines höchstverehrten Gönners, der K˖[öniglichen] Akademie überreichen zu dürfen.

Mit dem Wunsche, daß es Ihnen und den werthen Ihrigen fortdauernd recht wohl gehen möge, und daß Ihnen für ganz Bayern gelingen möge, was Sie mit hoher Geisteskraft für München ebenso erfreulich, als große Hoffnungen weckend ins Leben gerufen haben, empfiehlt sich und die Seinen Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin dankbar verbundener, und
Ew Hochwohlgeboren
ergebenster

Kastner