Schelling

Schelling Nachlass-Edition


Sr. Hochwohlgebohren

Dem Herrn von Schelling

in Muenchen

a

Monaco

in Baviera

Wie überraschend angenehm mir Dein Schreiben nach einer so langen Unterbrechung war, kannst Du Dir kaum denken. Vieles hätte ich Dir theuerster Freund zu sagen, denn unendlich vieles ligt mir von so vielen Jahren gar auf dem Herzen. Allein dazu ist in diesem Augenblick keine Zeit, darum behalte ich mir vor dieses bey einer andern Gelegenheit zu thun, wenn ich etwas mehr Ruhe und Muse haben werde. Denn gegenwärtig, obschon Seine M˖[ajestät] der König schon vor einigen Tagen (den ) von hier abgereist sind, und bereits der gröste Drang von Geschäften vorüber ist, habe ich denoch eine ganze Last von Aufträgen auf den Hals, welche nicht zulassen, Dir mit der erfoderlichen Gemüths Ruhe zu schreiben. Darum gleich zur Hauptsache. Du ersuchtest mich nemlich, hier in Rom mich zu erkundigen ob Deine Rede, die Du druken ließt, und Seiner M˖[ajestät] dem König überschikt hast, richtig angekommen, und wie dieselbe von AllerHöchstDenselben aufgenohmen worden sey. – Ich erkundigte mich deßwegen bey Grafen Carl von Seinsheim; Allein dieser äuserte, daß ihm nichts darüber bekannt sey. Er wisse zwar, daß ohnlängst ein groses Paket durch die Post angekommen. Was es aber enthalten, wisse er nicht. Ich versuchte es daher auch bey Herrn Cabinetsekretair ###, aber auch dieser äuserte, daß er nichts darum wisse. Da ich nun von allen diesen nichts herausbringen konnte, so beschloß ich, Seine M[ajestät] den König bei guter Laune selbst darum zu fragen. Es ergab sich, daß ich im Garten des Hauses allein mit Ihm zu sprechen, und sehr leutselig fand. Bey dieser Gelegenheit fragte ich Seine M˖[ajestät]; Allerhöchstdieselben antworteten mir mit kurzen, aber etwas empfindlichen Worten: »Ja, ich habe es erhalten, aber besser wäre es gewesen, ich hätte es nicht erhalten.« – Ich schwieg, wie natürlich, und fing von etwas andern zu sprechen an. – Dieses ist, was ich Dir Herzens-Freund, darüber melden kann. Ich eile Dir dieses mitzutheilen damit dieses Schreiben, welches wahrscheinlich gleichzeitig mit Seiner M˖[ajestät] dem König in Muenchen ankommen wird, Dir noch zu rechter Zeit die Gesinnung Seiner M˖[ajestät] zu erkennen gebe, damit Du Dich darnach benehmen kannst. – Dieß ist, was ich Dir theuerster Freund, für dießmal schreiben kann. Nächstens, hoffe ich, wirst Du einen etwas umständlichern Brief von mir erhalten.

Verbleibe indessen in Freundschaft und Liebe gewogen Deinem
Dir
treu ergebenen Freund

Joh. Martin Wagner