Schelling

Schelling Nachlass-Edition


An Seine Wohlgeborn

Herrn Joseph Max, Verlagsbuchhändler

in

Breslau

Frey.

Wohlgeborner Herr!

Wenn ich Ihr verehrliches Schreiben vom nicht früher beantwortete, so muß ich mich mit anderweitigen vielen Geschäften entschuldigen, an denen es mir leider nie fehlt. Der Inhalt Ihres Schreibens, und das übersendete schätzbare Geschenk haben mich auf das angenehmste überrascht. Beym ersten Anblick dieser kostbaren Ausgabe konnte ich mir nicht vorstellen, daß das herrliche Exemplar für mich bestimmt seyn sollte, und nur die ausdrücklichen Worte Ihres Briefes konnten mich endlich zu der Ueberzeugung bringen, daß meine geringe Bemühung hinsichtlich der Zueignungsbewilligung unsres Königes, die schon der Name eines Oehlenschlaeger allein hinreichend war zu erhalten, so ansehnlich belohnt werden sollte. Empfangen Sie nun also meinen verbindlichsten Dank. Zugleich ersuche ich Sie, Herrn Professor Oehlenschlaeger zu sagen, wie sehr es mich freut, seine Geisteswerke nun zum zweyten Male in dieser vollständigen Zusammenstellung mit erhöhtem Sinn und besserer Einsicht zu genießen. Besorgen Sie übrigens, daß ohnerachtet der Art, wie Ihre Güte mich in den Besitz eines Exemplars dieser Schriften gesetzt hat, mein Name in das Subscribentenverzeichniß komme; ich will mir durch Ihre Freundlichkeit den Vortheil nicht entziehen lassen, unter den Freunden und Verehrern des Dichters öffentlich zu erscheinen.

Auch früher hatten Euer Wohlgeborn mir Veranlassung gegeben, Ihnen zu schreiben; wenn ich diese nicht benutzt habe, so muß ich gestehen, daß mich zum Theil die Verlegenheit abhielt, von Ihrem freundlichen Antrag keinen Gebrauch machen zu können. Ich stehe schon seit langen Jahren mit Cotta in Verhältnissen, die ich ohne ein großes Unrecht, wenn ich auch sonst dazu Ursache hätte oder veranlaßt wäre, nicht aufheben könnte. Bey der Wandelbarkeit aller menschlichen Dinge könnten indeß wohl auch einmal andere Umstände eintreten, und für diesen Fall erlauben Sie mir dann, mit entschiednem Vertrauen mich an einen Mann zu wenden, dessen tüchtiges, in jeder Hinsicht gründliches und ehrenwerthes Bestreben mir schon längst wahre Achtung eingeflößt hat.

Herrn Professor Steffens bitte ich Sie herzlich von mir zu grüßen und ihm zu sagen, daß ich das neueste Unternehmen seiner polemischen Blätter, und die specielle Richtung derselben ungemein billige, wenn es mir auch in meiner Lage unmöglich seyn sollte, selbst thätig dabey mitzuwirken.

Empfangen Sie nochmals die Versicherungen meines verbindlichsten Danks und der vollkommnen Hochachtung, mit der ich verharre
Dero
ergebenster

Schelling