Gnädige Frau!
Schon auf die erste Aufforderung des Herrn Professors Förster würde ich nicht ermangelt haben, – und auf Ihr verehrtes Schreiben vom hätte ich noch entschiedner mich beeilt – alles, was von Briefen Ihres verewigten Herrn Gemahls noch etwa unter meinen Papieren sich finden konnte, an Sie zu übersenden, hätte ich nicht um jene auszusuchen eine freye Zeit erwarten müssen, die erst in den kürzlich eingetretnen Ferien sich finden ließ. Seit meinem Umzug nach München waren meine Sammlungen älterer Briefe noch unausgepackt in verschiednen Kisten stehen geblieben, die ich großentheils durchsuchen mußte, ehe ich die wenigen Briefe von Hegel fand, die ich Ihnen anbey im Original zu übersenden endlich die Freude habe. Es sind meist Briefe aus einer sehr frühen Zeit, die mir nicht eben bedeutend scheinen; welchen Gebrauch Sie indeß davon machen wollen, muß ich ganz Ihrem Ermessen überlassen. In dem Brief No. II allein glaubte ich eine kleine Stelle ausstreichen zu müssen, die eine rein persönliche Anspielung enthielt, sich beziehend auf unsre damalige Ansicht eines Mannes, der zwar nicht mehr lebt, aber noch viele Freunde und Verehrer hat. Von späteren Briefen, besonders aus Nürnberg bis zum J˖[ahr] , werden sich zwar, denke ich, auch noch einige finden, allein zu weiterem Nachsuchen hat vor jetzt die Zeit gefehlt, und Ihnen einstweilen wenigstens zu schicken, was sich vorgefunden, wollte ich nicht länger säumen.
Was meine Briefe an Hegel betrifft, welche Sie zu erwähnen die Güte haben, so kann ich aus bloßer Erinnerung nicht beurtheilen, inwiefern sie gedruckt irgend ein Interesse darbieten könnten. Wollten Sie, Gnädige Frau, die Gewogenheit haben, diese Briefe mir in Abschrift zukommen zu lassen, so würde ich hierüber mich bestimmter äußern können. Daß Sie einen öffentlichen Gebrauch derselben ohne meine Einwilligung nicht zugeben würden, konnte ich von Ihrer edlen Gesinnung nicht anders erwarten. Die Wittwe meines Jugendfreundes hat allein ein Recht, sie zu besitzen und zu lesen. Hinwiederum werde ich, ohne überwiegende Gründe gewiß der Bekanntmachung dessen, was in denselben nicht gänzlich unbedeutend ist (ich fürchte indeß, daß dessen sehr viel seyn wird) oder alles Interesse verloren hat, von meiner Seite gewiß kein Hindernis in den Weg legen.
Genehmigen Sie, Gnädige Frau, die Versicherungen der tiefsten Theilnahme und der ausgezeichneten Verehrung, womit ich verharre
Ihr
gehorsamster und ergebenster Diener
Schelling.
München den .