Schelling

Schelling Nachlass-Edition


An Herrn Geheimen Rath

Schelling

in

München.

durch Gewogenheit

Liebster Bruder!

Überbringer dieses ist Herr Müller von hier, von welchem ich Dir schon in meinem lezten Briefe geschrieben habe, und welchen ich Dir wiederhohlt zu freundlicher Aufnahme empfehle. Seine Frau Großmutter, die verwittwete Frau Professorin Müller hat mir erst in diesen Tagen bezeugt, wie sehr es ihr wünschenswerth und erfreulich seyn würde, wenn Du ihm erlaubtest, von Zeit zu Zeit Dein Haus besuchen zu dürfen, und sein StiefVater, Vetter Köstlin ist zu uns gekommen, um uns dieselbe Bitte an Dich an’s Hertz zu legen. – Ich kann Dir heute sonst nichts schreiben, als daß wir alle wohl sind. Meine Frau ist fortwährend mit der Kleinen gantz wohl. Sie wünscht auch sehr, daß es sich diesen fügen könnte, irgendwo zusammenzutreffen, nur wird sie, weil sie die Kleine stillt, nicht von hier wegkommen können. Vielleicht findet sich aber doch ein Ausweg, und wenn ihr euch entschließen könntet, hieher zu kommen, so könnte vielleicht mit der Frau, welche über uns wohnt, ein Arrangement getroffen werden, daß diese euch 2 Zimmer abgäbe, um euch etwas bequemer logiren zu können, als es ohne dieses möglich wäre. Die neue rückwärts geschrittene Organisation von Tübingen, durch welche Alles wieder ziemlich auf den alten Fuß hergestellt worden ist, wird Dir wohl schon bekannt seyn.

Lebe recht wohl und gesund, und empf˖[ehl] uns Deiner lieben Frau bestens, und grüße Deine Kinder aufs Herzlichste!
Dein
tr˖[euer] Br˖[uder]

K.