Schelling

Schelling Nachlass-Edition


Herrn

Geh˖[eimen] Hofrath von Schelling

in

München.

fr˖[ey] Gr[än]z[e]˖

No. 4.

Ich benachrichtige Dich, Liebste, daß ich Abend 8 Uhr glücklich hier angekommen bin und nach einigen Pourparlers mit unsrer alten guten Hauswirthin in das eben leer gewordne Nest, zu den 3 Staffeln ersten Stock mich gesetzt habe, wo ich mich ganz behaglich finde. Das Wetter war von Regensburg aus leidlich, heute regnet es à toutes forces, doch besser jetzt als später! Von Bekannten ist niemand hier als Vieweg, mit dem ich heute bey Bolzen essen werde, geht er ab, Lottchen ist nicht mit. Die Großherzogin von Weimar hat Carlsbad verlassen, um nach Fr˖[anzens]Brunn zu gehen, wahrscheinlich nur um Ihrem Gemahl Gesellschaft zu leisten. Gräfin Fritsch hat viel Schönes für Dich und mich Mitterbacher’n hinterlassen; Kammerherr von Metzsch besuchte seinen Vater in unsrer Wohnung, die er ganz durchgeraucht hat, niemals, ohne die Frau Walzin zu fragen, ob wir noch nicht angekommen sey’n. Mir ist die Einsamkeit sehr recht. Zu Deiner noch größern Beruhigung kann ich Dir sagen, daß ich bis jetzt durchaus nichts Seduisantes erblickt habe. Die Allerliebste ist vor geraumer Zeit nur hindurchgereist; wohin, ob nach Franzensbrunn oder weiter habe ich nicht erfahren, so wenig als wo sie jetzt ist. Wenn ich nun nur auch bald Nachricht von Dir und allen meinen Lieben bekomme.

Grüße die lieben Kinderchen insgesammt auf’s herzlichste. Gott erhalte Dich und stärke Dich!
Dein

S.

Wegen des Mißbrauchs, der in der Allg˖[emeinen] Zeitung von einigen Ausdrücken meiner akad˖[emischen] Rede gemacht worden ist, sprich doch auch mit einigen andern Freunden, Ringseis oder Roth. Es wäre mir sehr lieb, wenn in einem Münchner Blatt es gerügt würde, am Ende gibt’s Dummköpfe die den Artikel der Allgem˖[einen] Zeitung mir zuschreiben.