Schelling

Schelling Nachlass-Edition


Seiner Hochgebohrn

Herrn

Herrn Friedr. Wilhelm von Schelling

Generalsecretair der Königl. Akademie

der Wissenschaften &.

in

München.

Man hat hier die unerhörte Frechheit, den Banquier anzustiften, mir keine Vorschüsse zu geben, blos nur um mich auf eine mehr als schändliche Weise zu zwingen – zu Kreutze zu kriechen; – Man will nicht meine Dankbarkeit für Erleichterung, man will despotische Unterfügung früher, als die Zurükstellung eines Theiles von dem, was man mir geraubt hat, erfolgt ist um blos Gelegenheit zu haben, mich zwingen zu können.

Ich beuge aber mein Haupt nur von dem ehrlichen Manne, der mir keine Erniedrigungen zumuthet, weil er selbst keiner fähig ist, – reiche dem Freunde willig die Hand, leide aber keinen Fuß auf Meinem Naken. – – Ich ersuche Sie daher noch einmal dringend im Namen der Wissenschaft um Erlösung; was ich noch an Papieren habe werden Sie mit Wohlwollen beurtheilen und freundschaftlich würdigen. Ich habe zu Ihrer Person das gröste Zutrauen und die ungemessenste Verehrung. Um schleunigen Entschluß, wenn au[c]h nur um obiges Reisegeld, ersucht.
Obiger.

S[ie]b[er]

Im Nothfall unbewußter Umstände habe ich au[c]h an andere Universitäten geschrieben, da ich meine Lage unerträglich finde. Sollten in dem Briefe einige Ausdrüke hart seyn, so bitte ich sie mit Dinte auszustreichen; indem ich hoffen darf, daß Sie mit den anwesenden Herrn Mitgliedern zu Rathe gehen werden. – Lassen Sie mir eine Schrifft vorlegen, die ich hier in Wien unterschreibe, um durch die Gesandschaft, oder ein anderes Haus, die Copie schnell zur Förderung meiner Entlassung verwenden zu können. Vermag die Akademie 7000 f. ### im Augenblike aufzutreiben, so verlade ich meine Sammlung sogleich und bringe sie mit. Solche den Wienern zu lassen, wäre Jammerschade; sie verdienen sie nicht. – –