Hochwohlgebohrner Herr geheimer Rath!
Es ist ist ein eigenes Ding, wenn man an einen Mann Ihres Rufes schreibt; noch mehr, wenn dieser Mann von Geiste ist; am Meisten, wenn er der altverehrte Lehrer der eignen Konfession ist.
Dieß ist meine Lage! Herr geheimer Rath; und ich muß dieß anführen, weil meine Zuschrift Sie befremden kann. Wären meine Gedanken beflügelte Briefe geworden; mit wie vielen wären Sie übersäet!
Und doch wäre es kaum zu diesem gekommen, wenn nicht ein äußerer befördernder Umstand eingetreten wäre. Ihr bester Schüler Mayer war auf seiner Durchreise nach Wien bey mir.
Er schenkte mir die Ehre seines Besuches. Wir sprachen unter Andern von dem, in welchem sich unser philos˖[ophisches] Glaubensbekenntniß einte – von Ihnen, Herr geheimer Rath! Mayer versicherte mich bey Gelegenheit eines geäußerten Wunsches: Sie würden mein Schreiben gut aufnehmen und selbst die Bitte, welche ich anschließe. Er setzte bey, ich dürfe mich auf ihn berufen.
Mein Wunsch und meine respektive Bitte ist – für mich Ihr Wohlwollen, sehr würde es mich freuen, sagten mir ein Par Worte etwas der Art.
Für die Anstalt, der ich als Bibliothekar allhier vorstehe, habe ich eigennütziger zu bitten und
Genehmigen der Herr geheime Rath meine Gesinnung tiefer Verehrung, aus welcher dieß Alles hervorgeht. Auch wenn Sie anderst, als ich wünsche, bestimmen, kann mich dieß nicht in der unwandelbaren Hochachtung beirren, womit ich stets verharre
Herr geheimer Rath
Ihr
Ergebenster Verehrer und Diener.
Dr Ignatz Thanner
philos˖[ophischer] Studiendirektor und Bibliotheksvorstand
Salzburg den