Regensburg den .
Wenn die fliegenden Blätter unserer Literatur nur sehr spät und zufällig in Ihre Hände gelangen, – wie Sie, mein innigstverehrter Freund, in Ihrem mir überaus theuern Schreiben vom bemerken, – so bin ich in dieser Beziehung in einem noch weit schlimmern Falle, denn, da ich die hiesigen öffentlichen Lesegesellschaften fast gar nicht besuche, so kommen jene Blätter niemals in meine Hände und erst aus Ihrem Briefe erfuhr ich, daß mein Vorspiel zu Goethe’s Gedächtnißfeyer im Morgenblatt bereits erschienen sey. Ich hatte das kleine Werk an Cotta, seinem Wunsche gemäß, zur Einrückung in dieses Blatt gesendet, mir jedoch die Veranstaltung besonderer Abdrücke bedungen. Von ersterer gab er mir keinen Nachricht und die leztern erhielt ich erst .
Nur dieser Saumsal des Verlegers, – der übrigens durch Cotta’s Unwohlseyn entschuldigt wird, – trägt die Schuld, daß ich Ihr verehrtes Schreiben nicht früher beantwortete und Ihnen erst heute ein Exemplar des Ihnen – hinter Ihrem Rücken – zugeeigneten Werkleins übersenden kann. Selbst meine Bitte um Nachsicht wegen dieser Freyheit, die ich ohne Ihre Bewilligung mir erlaubt, und um wohlwollende, freundliche Aufnahme jener Dichtung kommt ja zu spät, da Sie mir beydes in Ihrem Schreiben so liebevoll zu Theil werden ließen und mir bleibt nichts mehr übrig, als Ihnen, verehrtester Freund, dafür meinen innigsten und herzlichsten Dank darzubringen.
Was mich aber dabey am höchsten erfreut, ist die Güte, mit welcher Sie den öffentlich niedergelegten Ausdruck meiner unerschütterlichen Anhänglichkeit an Sie, Verehrtester, den ich schon seit meinen Jünglings Jahren als einen der herrlichsten geistigen Leitsterne meines Lebens betrachtete, aufgenommen und erwiedert haben. Die Freundschaft eines solchen Mannes giebt mir überschwänglichen Ersatz für alle Miskennungen und Lästerungen, die ich vor nicht langer Zeit erfahren und denen ich nur durch freywillige Verbannung in mein dermaliges, zwar an äussern Freuden armes, aber an Frieden desto reicheres Asyl entronnen bin.
Daß aber auch Sie, edelster Freund, die Möglichkeit eines Rücktritts aus Ihren gegenwärtigen Verhältnißen, – wenigstens aus einem Theile Ihres glänzenden und gesegneten Wirkungskreises in Aussicht stellen, hat mich auf das schmerzlichste berührt. Nein! Dahin wird es doch mit der ersten Universität Bayerns nicht kommen, daß der größte ihrer Lehrer ihr seine Mitwirkung entziehen zu müssen glaubt. Die jüngste Verordnung über die Prüfungen wird zwar, in so ferne sie die Examina an den Universitäten betrifft, vielleicht wieder jene Nachtheile und Misbräuche theilweise zurückführen, welche durch die Statuten vom beseitiget werden sollten, allein die strengere Haltung und Ueberwachung der Gymnasial- und LycealPrüfungen lag gewiß in Ihren Wünschen und wird am Ende indirekt die durch den Schulplan vom vorgeschriebene, allein durch die Schulordnung vom leider wieder aufgehobene Vermehrung der Lehrstunden an den Gymnasien herbeyführen, indem sie die Nothwendigkeit derselben recht anschaulich macht. Auch hat sich der Minister, bey seiner jüngsten Anwesenheit in Regensburg, darüber gegen mich auf eine sehr beruhigende Weise geäußert.
Indessen ist es in jedem Fall ein großer Nachtheil für die Wissenschaft, wenn Sie, mein verehrtester Freund, durch diese sich jährlich erneuenden Erörterungen über Schulangelegenheiten verhindert werden, die große philosophische Schöpfung, welche Sie in sich vollendet und bereits durch den öffentlichen Vortrag verlautbart haben, nunmehr auch der Welt durch die Schrift mitzutheilen. Noch nie hat Deutschland der Erscheinung eines Werkes mit größerer Sehnsucht entgegengeharrt, als dem Ihrigen. Lassen Sie diese Sehnsucht nicht länger unbefriedigt!
Die herzlichsten Grüße von mir und meiner Frau an Ihre verehrte Frau Gemahlin. Unwandelbar
der Ihrige
Schenk