An
den Herrn GeneralConservator
Geh˖[eimer] Hofrath von Schelling
Euer Wohlgeboren werden aus der, in Nr. 26. der bayrischen Staats-Zeitung enthaltenen Bekanntmachung, von der näheren Entfaltung bereits Kenntniß genommen haben, welche dem Institute der bayrischen Blätter fortan gegeben werden soll. Die Staatsregierung ist bei dieser Bekanntmachung, in welcher Geist, Sinn und Tendenz, welche diese Blätter fortan beleben und auszeichnen sollen, hinreichend bezeichnet sind – von der Ueberlegung ausgegangen, daß sie auf die kräftige und nachhaltige Mitwirkung aller jener Männer der Nation zählen kann, welchen die ehrenhafte Pflicht zu Theil geworden ist, in Folge ihres speziellen Berufes, und von dem Standpunkte ihrer Stellung in der Hierarchie des Staates aus, in den wichtigsten Angelegenheiten des Vaterlandes eine vollgültige Stimme zu sichern. Denn nur durch wahre Aufklärung der Nation über ihre heiligsten Interessen, durch allgemeine Verbreitung des Lichtes der Wissenschaften und des Geistes der Wahrheit, wird der Staatsregierung die Erreichung ihrer großen Zweke, und die Erfüllung ihrer schweren Pflichten erleichtert. Auch wird die öffentliche Meinung, welche ein so großer Stüz-Punkt für das Wirken der Regierung ist, nur dann eine wahre Basis, und ein sicheres Ziel finden und erhalten, wenn jene Männer, welche hiezu den eigentlichen Beruf haben, und in ihrem Charakter die Bürgschaft geben, den ihnen gebührenden Einfluß auf diese öffentliche Meinung durch Bekanntmachung ihrer Kenntnisse, Ansichten und Urtheile bethätigen, und durch den Ernst, die Würde und Gediegenheit ihres Urtheiles, dem um sich greifenden Uebel flacher Journalistik eine Gränze setzen.
Von diesen Ansichten geleitet, in der Ueberzeugung von der Willfähigkeit aller Berufenen, und in dem festen Vertrauen auf ein freudiges und allgemeines Zusammenwirken aller tüchtig Begabten und edel gesinnten, hat sich der unterzeichnete, in speziellem Auftrage Seiner Majestaet des Königs, die Beförderung und das Gedeyhen des Institutes der bayrischen Blätter zur besondern Angelegenheit und Pflicht gemacht; und er erfüllt einen Theil dieser Pflicht mit besonderm Vergnügen, indem er an Euer dessen bewährte Einsichten und patriotischen Gesinnungen der StaatsRegierung bekannt sind, die Einladung richtet, an diesem Institute als Mitarbeiter Theil zu nehmen.
Je ausgedehnter nun aber der Umfang ist, welcher dem bezeichneten Institute gegeben werden soll, je dringender ist es, die Mitwirkung des Einzelnen vorzugsweise für ein spezielles Fach in Anspruch zu nehmen; und der Redaktion die Sicherheit zu geben, dass sie auf regelmässige Beiträge in diesem Fache Rechnung machen kann.
Demgemäß ergeht an Eure Wohlgeboren das bestimmtere Ansinnen ohne jedoch hiedurch Beiträge anderer Art abzulehnen – dahin daß dieselben eine kurze Anzeige und Beurtheilung sämtlicher in Bayern fortan im Gebiete der Philosophie erscheinender litt˖[erarischen] Produkte, für das Institut der bayrischen Blätter auf sich nehmen, und der Redaktion des Instituts hierüber eine schriftliche Zusicherung gefälligst zukommen lassen wollen.
Der Unterzeichnete benutzt mit Vergnügen diesen Anlass, der vorstehenden Einladung die Versicherung der besondern Hochachtung beizufügen, mit welcher er verbleibt
Euer Wohlgeboren
ganz ergebenster Diener
Fürst Öttinger Wallenstein.
München den .