München den .
Hochwohlgeborner Herr Geheimerrath!
Verehrtester Herr Vorstand!
In der Anlage habe ich die Ehre, Eurer Hochwohlgeboren, den Entwurf meiner Rede über die monumenta boica, ergebenst vorzulegen, lebhaft bedauernd, daß Ihre Unpäßlichkeit, mir nicht erlaubte, Hochdemselben persönlich meine Verehrung zu bezeigen.
Ich bitte sich an der Länge derselben nicht zu schrecken, da bereits darauf Rücksicht genommen worden ist, nicht nur die, mit Röthel angestrichenen 10 Seiten, sondern auch sonst noch im Verlaufe wegzulassen, was den vergönnten Raum von 30–45 Minuten, in einem lebendig fortlaufenden überschreiten könnte. – Der Reichthum von Thatsachen, ist überaus groß, – München hat mehr Kaiserbriefe, als das ganze, übrige Deutschland zusammen und die merkwürdigsten Verfälschungen aus alter Zeit. – Ohne viel Detail geht es freylich nicht ab bey einem Gegenstande dieser Art. – Allein das Nämliche würde auch eintreten bey einer speziellen, der Zoologie, der Mechanik oder der Heilkunde angehörigen Abhandlung.
Die Geschichte dieser merkwürdigen Urkundensammlung und der darüber geführten Streitigkeiten, (die vorzüglich zwischen Lang und Günthner eine beklagenswerthe Leidenschaftlichkeit angenommen haben) ist hier aktenmäßig und getreu dargelegt, insonderheit auch aufgeklärt, warum mit den Klöstern angefangen werden mußte und mit den Archiven des Staates, und der reichsfürstlichen Hochstifter nicht begonnen werden konnte. – Uiber spätere, höchst beklagenswerthe Versäumnisse, zumal da sie soviele Jahre währten, glaube ich, nach treuer Wahrheit, selbst ohne Nennung irgend eines Namens, geschichtlich gesprochen zu haben. – Selbe ganz zu übergehen, schien mir unmöglich und unwürdig. – Dennoch unterziehe ich vorläufig Alles Hochderoselben geneigtem Ermessen, und werde darin ändern oder umstalten, was und wie es Eurer Hochohlgeborem am angemessensten scheint.
Genehmigen Hochdieselben den erneuerten Ausdruck meiner ungemeinen Verehrung und Ergebenheit:
Eurer Hochwohlgeboren
gehorsamster Diener
Fr. Hormayr