Schelling

Schelling Nachlass-Edition


Antwort d˖[e] d˖[ato]

Ich bedaure recht sehr, werthester Freund, daß die Umstände nicht erlaubt haben, uns über Ihre Sache noch einmal genauer zu besprechen. Denn auf die Art wie Sie in Ihrer Sache es nun wünschen, kann ich nach meiner klaren Überzeugung nicht eingreifen, und hoffe, wenn Sie mir einiges Gehör schenken wollen, Ihnen s˖[elbst] dieß einleuchtend zu machen. Das Schreiben ist seiner Form nach ein vertrauliches kein amtliches; der Gebrauch, den ich von denselben und zwar wie Sie wünschen unm˖[ittelbar] bey dem K˖[önig] oder dem Cabinett machen sollte, wäre daher auch nicht ein amtlicher, sondern ein solcher, wozu ich mich bloß persönlich bewogen fühlte. Ich habe aber gegen jedes persönliche Interveniren (um diesen diplom˖[atischen] Ausdr˖[uck] zu brauchen) ein für alle Mal die größte Abneigung. Meine amtliche wie persönliche Stellung erfordert, innerhalb der Schranken des Amts zwar alles nach meiner Überz˖[eugung] zu thun, aber über dies˖[elbe] nicht hinauszugehen. Bleibt meine amtliche Stimme ohne Wirkung, so muß ich schweigen, entstehe daraus was da wolle. Bey der Stimmung, die ich ganz nach Ihren eignen Äußerungen s˖[elbst] vorauszusetzen habe, kann ich als Ihr persönlicher Anwalt mir eher ### als Erfolg für Sie versprechen. Außerdem muß ich gestehen, daß ich gleichsam den Faden Ihres Verfahrens verloren habe und den Zusammenh˖[ang] nicht mehr einsehe. Ihrer amtlichen Erklärung, der sie das möglichst größte Publ˖[icum] gegeben haben den Ruf nach D˖[resden] abgeschrieben zu haben und sich nun ganz Ihrem Vertrauen in die Gesinnung des K˖[önig]s zu überlassen (an der ich übrigens wie Sie wissen keinen Theil hatte), habe ich, so wenig als irgend jemand den Sinn unterlegen können: »Ich habe den Ruf nach Dr˖[esden] abgeschr˖[ieben] jedoch mit dem Vorbehalt daß mir der König ungesäumt alles was ich fordere gewähre.« Ich habe in meinem damaligen amtlichen Bericht Ihre Forderungsweise wie ich sie verstand in’s hellste Licht zu setzen und geltend zu machen gesucht. Wenn ich Ihre jetzige Schrift unterstütze, so könnte dieß nur im Widerspruch mit der Art geschehen, wie ich damals das Schöne und Vertrauensvolle Ihres Entschlusses hervorhob. Kurz ich mag die Sache überlegen, wie ich will (und ich habe Sie genau überlegt) so sehe ich keine Möglichkeit jetzt nach dreymal wiederholter, abschläglicher Antwort, noch einen Schritt zu thun, von dem ich mit einiger Wahrsch[ein]l˖[ichkeit] einen Erfolg mir versprechen könnte. Alles in der Welt hat seine Schranken, ### ### nicht mein guter Wille aber mein Vermögen in dieser Sache. Alles was ich thun kann, ist Herrn M˖[inister] von Sch˖[enk] wenn ich heute so glücklich bin, ihn zu finden, vertraulich über die Sache zu sprechen. Indeß bin ich auch darinn beengt und am wen˖[igsten] kann ich von Ihrem Schreiben Gebrauch machen, woran die Stelle verhindert, wo Sie von »frühern Mittheilung« sprechen, durch die Sie gewiß gegen des Monarchen Absicht getäuscht worden und die sich nur auf Mittheilungen des Ministers beziehen kann.

Erkennen Sie in meinen Äußerungen die Offenh˖[eit] und Geradheit, mit der ich gegen Sie stets gehandelt habe; zu allem, was möglich und darinn ich Zusammenhang sehe, stehe ich Ihnen stets und immer von ganzem Herzen bereit.

Wie immer
G[an]z der Ihrige