An
Herrn Johannes Niederer,
Vorsteher der Erziehungsanstalt
M˖[ünchen] den .
Euer Wohlgebohrn
Schreiben vom mit dem sehr werthen Geschenk habe ich durch Buchhändler Gelegenheit sehr spät, nämlich erst in den lezten Tagen des erhalten. Es hat mich sehr gefreut, noch in freundlichem Andenken bey Ihnen zu stehen, gleichwie ich mit Wahrheit versichern kann, die Hochachtung, welche Ihre früheren Schriften mir eingeflößt hatten, stets bewahrt zu haben. Nicht minder erfreulich war es für mich, nach so manchem Trüben und Undankbaren, was über Erziehung bey uns gesprochen und geschrieben wird, einmal ein so ganz aus der reinsten Quelle geflossenes Werk über diesen Gegenstand zu lesen; und wenn es überall als Zeichen der Meisterschaft und eines vollendeten Denkens gelten kann, wenn ein specieller Gegenstand bis zu jener Allgemeinheit hinausgeführt ist, in welcher er jeden sinnigen Menschen freudig anspricht und bewegt: so trägt das mir übersendete Werk ganz besonders dieses Sigel einer noch die Anmuth des weiblichen Geistes erhöhten und verschönten Vollendung an sich. Wollen Sie daher der werthen Verfasserin meinen allgemeinen und besonderen Dank für das Werk selbst und für die Mittheilung desselben recht herzlich aussprechen.