An
Herrn Cabinets Secretär Kreuzer.
M˖[ünchen] den .
Euer Hochwohlgebohrn
verzeihen, daß ich Sie mit der Angelegenheit eines alten verdienten Literators belästige. Charles Pougens zu Paris hat mir im vergangnen Jahr einige Proben einer von der Mad˖[ame] de Montigny unternommenen metrischen Uebersetzung der Gedichte Seiner M˖[ajestät] des Königs ins Französische mit dem Ansuchen übersendet, sie Seiner M˖[ajestät] zu überreichen und um Allerhöchstdero Urtheil zu bitten, in wie fern sie dem Geiste des Originals entsprechend wären. Die günstige Aeußerung Seiner Majestät, welche ich dem Einsender zu eröffnen allergnädigst beauftragt wurde, hat diesen so sehr erfreut, daß er nicht nur seine sämtlichen zahlreichen Werke der Akademie zum Geschenke machte, sondern mich auch ersuchte seine Gefühle der Ehrerbietung und der hohen Achtung für den dichterischen Geist und die Gedichte Seiner M˖[ajestät] des Königs Allerhöchstdemselben in seinem Namen zu Füßen zu legen. Ich hielt anfangs die Sache nicht für wichtig genug um Seine M˖[ajestät] damit zu behelligen; da aber Pougens in einem neuerlichen Schreiben an mich dieses Ansuchen wiederholt, und dem guten verdienstvollen alten Mann sehr daran gelegen zu seyn scheint, daß seine Gesinnungen zur Kenntniß Seiner M˖[ajestät] gelangen, auch vielleicht möglich ist, daß Allerhöchstdieselben das Urtheil eines solchen alten und angesehenen Literators nicht ungnädig aufnehmen, so bin ich so frey, E˖[uer] H[och]w˖[ohlgebohrn] den letzten Brief Pougens in der Anlage für den Fall zu übersenden, daß Sie angemessen finden, bey irgend einer schicklichen Gelegenheit Erwähnung davon gegen Seine M˖[ajestät] zu machen.
Der ich mit der ausgezeichnetsten Verehrung verharre.