Schelling

Schelling Nachlass-Edition


Hochwohlgeborner Herr
Hochgeehrtester Herr Praesident!
Ew. Hochwohlgeborn

haben mir durch Ihr Schreiben eine Theilnahme gezeigt, welche mich eben so herzlich gefreut, als sie mich erhoben hat. Es liegt in der Natur der Sache, daß derjenige, welcher es versucht, sich eine eigene Bahn zu brechen, einer größeren Menge begegnet, welche sein Beginnen nur mit Unzufriedenheit wahrnimmt. Um so erfreulicher und wohlthuender ist es aber dann, wenn wir uns von Anderen und von den Ausgezeichnetsten durch beifällige Äusserungen unterstützt und gehalten sehen. Wenn mir daher diese Ermuthigung auch von Ihnen zu Theil geworden ist, obgleich meine Arbeiten sich vorzugsweise nur auf die Verbesserung des mathematischen Unterrichts beziehen, und die Förderung der Wissenscahft nur zur Nebenabsicht haben können, – so muß mein Dank, den ich Ihnen hiermit zu bringen mir erlaube, dem Nutzen gleich kommen, der daraus meinen wissenschaftlichen Bestrebungen selbst erwachsen wird. Mögen Sie denselben auch fernerhin Ihre ehrende Theilnahme nicht versagen.

Der Akademie werde ich meinen schuldigen Dank abstatten, sobald ich dazu der Form nach berechtigt seyn werde. Vorläufig wollte ich nur mich der schuldigen Pflicht gegen Ew. Hochwohlgeborn Person entledigen.

Mit der vollkommensten Hochachtung
Eurer Hochwohlgeborn
ergebenster Diener

M. Ohm
Ohmgasse nro. 2.