Schelling

Schelling Nachlass-Edition


Gnädiger,
Höchstzuverehrender Herr Staats-Minister!

So eben (bey Tische) hörte ich von meiner Frau, die es bey dem Herrn Administrator des Damenstifts erfahren, daß Herr Director von Schenk schon Schritte wegen der dort erledigten Wohnung gethan hat. Nie hätte mir einfallen können, mit einem Mann, der in jeder Art von Ansprüchen mir so weit vorgeht, in Concurrenz, oder Jemanden, der den Namen Heinrich’s von Schenk trägt, auch nur versuchsweise in den Weg zu treten. Ich bitte Eure Excellenz inständigst, was ich deßhalb geschrieben habe, als nicht geschrieben zu betrachten. Am unangenehmsten ist mir jetzt, noch diesen Morgen deßhalb an Seine Majestät den König persönlich mich gewendet zu haben. Die Bedrängniß, in der ich gerade einer Wohnung wegen mich befinde, konnte mich dazu veranlassen, indeß kann ich jetzt nur insofern mich beruhigen, als ich mir vorstelle, daß bey Seiner Majestät eine Bitte, deren Erfüllung für mich gänzlich aufgehört hat, wünschenswerth zu seyn, ohnedieß in keinen Betracht kommen könne.

Genehmigen Eure Excellenz die Versicherungen der tiefen Verehrung, mit welcher ich verharre
Euer Excellenz
unterthäniger und ganz gehors˖[amer] Diener

Schellling