Schelling

Schelling Nachlass-Edition


Durchlauchtigster Kronprinz,
gnädigster Herr!

Die Akademie der Wissenschaften, von jeher gewohnt, an Allem, was entweder auf das geliebte Königliche Haus Bezug, oder auf das Wohl des Landes Einfluß hatte, innigsten Antheil zu nehmen, konnte in ihrer, eben auf den gefallenen allgemeinen Sitzung nicht unterlassen, des höchsterfreulichen Ereignisses dieses Tages, des achtzehnten Geburtsfestes und der mit demselben eingetretenen Volljährigkeit Euer Königlichen Hoheit feyerlich zu gedenken.

Ein Mitglied, durch seine classische Gelehrsamkeit und den ächtlateinischen Ausdruck seiner Schriften bekannt, Reichsrath und Präsident von Roth, las hiebey ein lateinisches Gedicht, das er unaufgefordert, aus eigner Bewegung, zur Feyer dieses merkwürdigen Tages verfaßt hatte, und die Akademie beschloß einhellig, den Druck und die Vertheilung dieses nach ihrem Urtheil, des hohen Gegenstandes würdigen Gedichtes damit einem so schönen Tage auch die classische Weihe in ihren Jahrbüchern nicht fehle.

Da ferner diese allgemeine Sitzung die erste war, worin die Akademie nach ihrer neuen Organisation und der eben erst eingeführten neuen Geschäftsordnung von ihrer Befugniß die Ernennung von Ehrenmitgliedern Gebrauch machen konnte, so glaubte sie dieses Rechtes sich nicht würdiger bedienen zu können, als indem sie Eure Königliche Hoheit eben an diesem Tage zu ihrem, in dieser Weise ersten, Ehren Mitglied ernannte, was durch einstimmige freudige Acclamation geschah. Eingedenk, daß auch Seine Majestät der König einst als Kronprinz, das Diplom als Ehrenmitglied von der Akademie huldvoll anzunehmen geruhten, zweifelt sie nicht, Eure Königliche Hoheit als Erbe der hohen Tugenden und der Liebe zu den Wissenschaften Seiner Majestät HöchstIhres Königlichen Herrn Vaters werden diesen Beweis ehrfurchtsvoller Huldigung nicht ungnädig ansehen.

Indem nun die Akademie das dießfallsige Diplom nebst dem erwähnten Gedichte übersendet, bittet sie Eure Königliche Hoheit unterthänigst, dieselben in Gnaden aufzunehmen und empfiehlt sich in Höchstdero Huld für alle Zukunft in tiefster Ehrfurcht

Euer Königlichen Hoheit
unterthänig gehorsamster

Schelling.

d. Z. V.