Schelling

Schelling Nachlass-Edition


Königliches General Conservatorium
Das chemische Laboratorium betreffend.

Schon zu wiederholten Malen sind bey einem strengen Winter in den Magazinen des chemischen Laboratoriums einige Gefäße, welche leicht gefrierende Flüssigkeiten enthalten, gesprungen, weßhalb ich bey eintretender Kälte genöthigt war, diejenigen Substanzen, welche durch das Gefrieren am meisten Gefahr laufen, Veränderungen zu erleiden, in den Keller bringen zu lassen, was auch im gegenwärtigen bey dem ersten Frost im Monat geschehen ist.

Da nun aber die Kälte in diesem Winter bereits drey Monate und zwar mit einer solchen Stärke angehalten hat, daß die Temperatur in den Magazinen häufig tief unter dem Gefrierpunkte herabgesunken ist, so sind Substanzen gefroren, welche sonst einer Kälte von 12 bis 15 Graden widerstehen und hierduch ist dem Attribute ein nicht unbedeutender Schaden zugefügt worden.

Ich würde zwar die Mühe, alle, und auch selbst die nur bey einem hohen Kältegrad gefrierenden Flüssigkeiten, beym Eintritt des Winters in den Keller tragen zu lassen, nicht gescheut haben; allein die Keller müssen aus Mangel einer Holzlage zur Aufbewahrung des nöthigen Brennmaterials, welches aus ökonomischen Rücksichten stets in größern Quantitäten angeschafft werden muß, benutzt werden und haben folglich für jene Substanzen nicht mehr hinreichend Platz.

Der Hörsaal und das an denselben stoßende Zimmer werden zwar täglich von Morgens früh bis Abends so stark als möglich geheitzt, um dadurch auch die Magazine etwas zu erwärmen, aber bey dem großen Raum des Saals und bey der disjährigen heftigen Kälte von weniger 20 Graden, war es vergebens, das Zerspringen der Gefäße bey Nacht in den Magazinen gänzlich zu verhindern.

Indem ich es für meine Pflicht halte, das verehrliche General-Conservatorium von diesen mißlichen Verhältnissen in Kenntniß zu setzen, stelle ich die gehorsamste Bitte an dasselbe, bey der allerhöchsten Stelle darauf anzutragen, daß für das chemische Laboratorium in dem Gartenplatz hinter dem Hause eine Holzlage für den Bedarf des chemischen Laboratoriums errichtet werde, da die geringen hiezu erforderlichen Kosten gewiß in keinem Verhältniß zu dem dadurch bezweckten Vortheile für das allerhöchste Aerar stehen.

Außer dem berührten, oft bedeutenden Schaden, durch das Zerspringen der Gefäße und durch den dadurch herbeygeführten Verlust der oft kostspieligen Präparate, muß ich zur Begründung meiner eben gestellten Bitte noch hinzufügen, daß das im Keller aufbewahrte Holz immer feucht bleibt und daher zum Brennen weniger tauglich ist; auch dürfte der Umstand, daß eine große Masse Holz im Keller für das Gebäude leicht feuergefährlich werden könnte, wohl zu berücksichtigen seyn.

Mit schuldigster Ehrerbietung empfiehlt sich
des Königlichen General-Conservatoriums
gehorsamster

A. Vogel.
Conservator des chemischen Laboratoriums