Verehrtester Freund!
Ich beeile mich, Ihnen nur mit zwey Worten zu schreiben, daß ich nunmehr den Druck meiner Vorlesungen über Mythologie sobald als möglich anfangen zu lassen wünsche.
Es sind, wie ich Ihnen schon mündlich zu sagen die Ehre hatte, zwey Theile, die ich vorerst schnell nach einander bekannt zu machen wünsche.
Da die Abschrift des ersten Theils fertig ist, und auf Verlangen gleich ganz abgegeben werden kann, so wäre es mir sehr angenehm, wenn bey dem Druck mehrere Setzer angestellt werden könnten.
Ich habe mich, nachdem nun das Manuscript vor mir liegt, entschlossen, die Schrift genau in dem Format und mit den Lettern drucken zu lassen, wie der Briefwechsel zwischen Schiller und Göthe. Es entsteht dadurch eine convenable Größe der Theile, die ich aus andern Gründen und Rücksichten dem Buch zu geben gesonnen bin.
Haben Sie nun die Güte, verehrtester Freund, Ihre Befehle baldmöglichst unmittelbar nach Augsburg zu geben. Da ich in diesem Augenblick nicht gleich bestimmen kann, welche Anzahl von Frey-Exemplaren auf schönerem Papier ich mir ausbitte, so ersuche ich Sie, Ihre Befehle im Allgemeinen dahin zu geben, daß meine Wünsche, die ich zeitig genug dahin werde wissen lassen, in Erfüllung gebracht werden.
Es wäre mir sehr angenehm, wenn Sie für die ganze Auflage auch dieselbe Qualität von Papier bestimmen wollten, welche bey dem oben erwähnten Briefwechsel angewendet ist.
Was die Correctur betrifft, so behalte ich mir die letzte Revision jedes Bogens vor, die ich immer so zu erhalten wünsche, daß sie an demselben Tage wieder zurückgehen kann.
Die Größe der Auflage, die Sie zu machen gedenken, bitte ich mir ebenfalls zu bemerken.
Da ich voraussetze, daß Sie Ihre Befehle wegen dieser Schrift früher schon im Allgemeinen gegeben haben, so werde ich, ohne Ihre Antwort zu erwarten, unmittelbar an Ihren Geschäftsführer in Augsburg mich wenden; da er aber doch vielleicht auf Ihre letzte Ordre zu warten hat, so bitte ich, ihm diese mit ehester Post zu ertheilen und auch mich davon in Kenntniß setzen zu wollen.
Entschuldigen Sie gütigst die fremde Handschrift!
Die herzlichsten Empfehlungen von mir und meiner Frau auch an Frau Baronin von Cotta. Wir dürfen uns wohl nicht schmeicheln, Sie sobald, als wir wünschten, wieder hier zu sehen.
Auch Ihrem Herrn Sohn wünsche ich mich bestens empfohlen und entschuldigt, daß ich auf seinen freundlichen Brief, für den ich ihm so sehr verbunden war, die Antwort bis jetzt schuldig geblieben bin. Ich werde aber nicht ermangeln, das Weitere über den bewußten Gegenstand mitzutheilen, sobald ich nur einmal wieder mich mit etwas andrem als dem unmittelbar Nothwendigen beschäftigen kann.
Ich empfehle Ihnen die Angelegenheit meines Druckwerks nochmals auf’s Beste und verharre mit reinster Verehrung und Freundschaft
Der Ihrige
Schelling.
München .