Schelling

Schelling Nachlass-Edition


Verehrtester Freund!

Ich nehme mir die Freyheit, Ihnen anliegend eine mathematische Abhandlung, unter dem Titel: Nova Methodus Differentiandi zu überschicken. Der Verfasser ist ein junges, aufstrebendes mathematisches Genie, von dem sich etwas Ungewöhnliches erwarten läßt. Ich wünschte, daß Sie sich des jungen Mannes und seiner Arbeit annehmen. Sie sind schon so vielen Heranwachsenden hülfreich gewesen, außerdem sind Sie der Mann, der den Werth einer mathematischen Abh˖[andlung] wie die gegenwärtige selbst zu beurtheilen versteht. Die Abh˖[andlung] ist wichtig genug, um besonders gedruckt zu werden. Sie läßt sich auf diese Art leichter verschicken, und in die Hände auswärtiger Gelehrten und Akademien bringen. Ohne diese Rücksicht würde der V[er]f˖[asser] keine Schwierigkeit finden, die Aufnahme seiner Abhandlung in die Druckschriften der hiesigen K˖[öniglichen] Akademie der Wiss˖[enschaften] zu erhalten. Ich ersuche Sie, verehrter Freund, diese Abh˖[andlung] baldmöglichst zum Druck zu befördern. Forderungen macht der Verf˖[asser] weiter keine und wird vollkommen zufrieden seyn, wenn Sie ihm 30–50 Ex˖[emplare] umsonst zukommen lassen. Ich bitte Sie, dieser Sache sich anzunehmen, Sie werden damit ein gutes Werk thun, und das Interesse, das Sie an dem Erfolg eines jungen Manns von solchen Talenten und Kenntnissen nehmen, wird sich in der Folge für Ihr eignes Geschäft reichlich lohnen. Da die Abh˖[andlung] so klein ist, kann sie ja ganz bequem in wenig Tagen gedruckt seyn.

Mit herzlicher Verehrung und unverbrüchlicher Freundschaft
Der Ihrige

Schelling.