Schelling

Schelling Nachlass-Edition


Ungemein erfreulich war mir nach der langen Abwesenheit ein Zeichen Ihres freundlichen Andenkens. Schmeichelhaft ist für mich Ihre Äußrung über Verlag oder vielmehr Nichtverlag meiner akademischen Rede; eigentlich aber verhält es sich damit so. Unmittelbar nachdem sie gehalten war, noch auf der Akademie, ersuchte ich Thiersch, mit den Ihre Geschäfte führenden Personen wegen des Drucks Rücksprache zu nehmen. Allein ich erhielt durch ihn weder an demselben noch an dem folgenden Tag bestimmte Antwort hierauf, dagegen war inzwischen meine Absicht bekannt geworden, die Rede drucken zu lassen und es geschahen Schritte, dieß zu verhindern. Auf jeden Fall nun hätte ich die Verlagsübernahme von Ihrer Seite, für eine Rede, die, ohne allgemeines Interesse, bloß locale Bedeutung hatte, nur als einen Beweis Ihrer Freundschaft ansehen, nicht aber umgekehrt Ihnen durch Überlassung derselben etwas Angenehmes erzeigen zu können geglaubt. Selbst Erörterungen, die Ihnen unter den gegenwärtigen Verhältnißen am Ende doch nicht angenehm gewesen wären, hätte ich Ihnen dadurch zuziehen können. Vielleicht hätte selbst Herr von Hormayr, der in Ihrer Abwesenheit den Herrn bey Ihren Anstalten spielte, sich darein gemischt, und Sie können mir gewiß nicht verdenken, wenn ich unter diesen Umständen, um allen Weitläufigkeiten und weitern Zumuthungen mich zu entziehen, dem Buchhändler Weber, durch den alles in der Stille und ohne viele Umstände sich bewerkstelligen ließ, eine Rede überließ, die für Ihren Verlag doch nur etwas ganz Unbedeutendes seyn konnte. Zudem habe ich gleich angekündigt, daß diese Rede bloß einer Sammlung meiner sämmtlichen akademischen Reden vorausgehe, welche ich natürlich für keinen andern – als Ihren Verlag bestimmt habe. Mögen Sie nur recht bald zu uns zurückkehren; auch ich hätte zu meinen andern wichtigern Arbeiten vielleicht mehr Antrieb durch Ihre Anwesenheit gehabt; denn ich gestehe, daß ich jede Geschäftsberührung so lange gern vermied, als der oben erwähnte Herr auf irgend eine Weise seine Hände im Spiel hatte. Ich hoffe nun gewiß, Sie werden nach diesen Erklärungen die Sache zurechtlegen und meinem Benehmen Gerechtigkeit widerfahren lassen. Mittlerweile ist nun auch der Plan zu der LitteraturZeitung wie er, ohne mein Zuthun, von einer Commission, die ich dafür ernannt hatte, entworfen war, genehmiget worden. Ich gestehe, daß dieser Plan mit meinen Ideen nicht übereinstimmte; indeß hatte ich hinlänglichen Grund, mich dabey neutral zu verhalten. Die Kosten werden aus dem Schulbücherverlag bestritten, der denn auch den Verlag hat. Diese nicht erwartete Verfügung des Ministeriums entwaffnet vollends alle Gründe, die sich gegen den Plan anführen ließen, indem besonders die Rücksicht auf Absatz hiebey ganz wegfällt oder doch weniger wichtig ist.

Ich freue mich für Sie und für uns, daß Ihre langen Unterhandlungen zu einem erfreulichen Ziel geführt haben. Da der König zurückgekommen ist, wird nun wohl alles rascher gehen und wir dürfen hoffen, Sie recht bald wieder hier zu sehen, was für Ihre eignen Geschäfte gewiß von großem Vortheile seyn wird. Frau von Cotta wird es freylich nach den Herrlichkeiten Berlins bey uns nicht mehr recht behagen.

Ihnen und Ihrer vortrefflichen Frau Gemahlin unsrer beyder herzlichste Empfehlungen. Mit alter Anhänglichkeit und treuer Ergebenheit
Der Ihrige

Schg.