München, den .
Wenn ich Deinen lieben Brief, den ich gleich nach meiner Hieherkunft erhielt, bisher nicht beantwortet habe, so sind die vielen Geschäfte daran Schuld, die mich erwarteten und unablässig mich so niederdrückend in Anspruch nehmen, daß ich mir selber oft fast nicht angehöre. Ich rechne daher auf Deine gütige Nachsicht, denn Du bist ja doch überzeugt, daß ich recht oft an Dich denke und mich unserer alten Freundschaft erinnere. – Nun habe ich aber kaum angefangen, mich endlich einmal wieder mit Dir zu unterhalten, so habe ich auch schon eine Bitte an Dich. Mein gnädigster König wünscht ein Bildnis des berühmten Johann von Reuchlin für seine Walhalla, und hat mir den Wunsch äußern lassen, Ihm ein solches zu verschaffen. Ich wüßte Niemand, an den ich mich desfalls besser wenden könnte, als an Dich. Das Erwünschteste wäre natürlich, wenn irgendwo ein rundes Bild desselben existirte, vielleicht bei seinem Grabmal – wenn ich nicht irre, in der Spitalkirche zu Stuttgart. Sollte nirgends ein solches vorhanden sein, so bitte ich dies in der Antwort ausdrücklich zu bemerken. Das Nächste wäre dann etwa eine Münze mit seinem Brustbilde. Daß ein gemahltes Bild von ihm vorhanden sei, kann ich kaum hoffen. Im äußersten Fall bitte ich Dich, nach Deiner großen Kenntnis alles Merkwürdigen der Geschichte des Vaterlandes dasjenige Kupfer zu bezeichnen, bei dem man noch am ehesten eine gewisse Authenticität voraussetzen kann. Vielleicht läßt sich in Schnurrer’s biographischen Notizen, die ich selbst nicht mehr besitze und hier auch nicht auftreiben kann, eine Nachweisung finden. –
Empfiehl mich bestens Deiner lieben Frau, und sage mir unter Anderm auch, was mein lieber Pathe macht und wo er sich jetzt befindet.
Mit unverbrüchlicher Freundschaft
der Deinige
Schelling
Entschuldige brüderlich die fremde Hand, ich habe schon seit geraumer Zeit mich gewöhnen müssen, Briefe und Anderes zu dictiren.
Nochmals lebe recht wohl und meiner freundlich eingedenk.