Liebster Bruder!
– Du kannst Dir leicht denken, daß auch hier die Besorgnis wegen der von der Donau sich nähernden Cholera nicht gering ist. Ich meine zwar, daß die hohe Lage und die gesunde Luft von München dem Uebel etwas von seiner Gewalt benehmen werde, indes sind die Anstalten, welche man dagegen zu treffen beabsichtigt, beinah schlimmer als die Krankheit selbst. Jedenfalls sehen wir eben keinem besonders vergnüglichen oder entgegen. Große Besorgnis erregt mir der Gedanke, daß dieses Uebel sich auch nach Würtemberg fortpflanze, wo Epidemieen aller Art so leicht verheerend wirken, zumal in Stuttgart. Hast Du vielleicht über die Natur und die Heilung der Krankheit Dir schon eine eigne Ansicht gebildet? Weißt Du auch uns für den Fall der fast unzweifelhaften Ankunft des Uebels irgend einen guten Rath zu geben? Ich gestehe, daß ich von innern Mitteln bis jetzt immer noch wenig erwarte, und nächst der Hülfe Gottes mir fast blos von äußern Mitteln etwas verspreche. Es gibt schon Leute bei uns, die ihr Testament machen. Auch ich denke daran – zwar nicht um über mein Hab und Gut zu verfügen, dessen es nicht bedarf, aber um so viel von meinen wissenschaftlichen Schätzen als möglich noch in Sicherheit zu bringen, daß sie nicht mit mir verloren gehen, und da ich bei dem beständigen Anlauf in München dazu nicht kommen kann, gedenke ich für und den mich irgendwo an einen einsamen Ort hinzusetzen, um so angestrengt als möglich zu arbeiten. Meine Familie bleibt in München; willst Du mir in dieser Zeit schreiben, so werden Deine Briefe mich finden. Nun habe ich Dir von uns betreffenden Dingen hinlänglich geschrieben. – –
Lebe recht wohl.
Dein
treuer Bruder
Fritz.