Schelling

Schelling Nachlass-Edition


Sr. Wohlgebohrn
Herrn Professor Dr. Köstlin
in
Urach
über Ulm.
g[an]z frey.

Auf die, in dem verehrlichen Schreiben vom enthaltne Frage, ob mit Pauls Gläubigern von meinetwegen pressirt werden soll, habe ich die Ehre (freylich etwas spät, indem das Schreiben mir hieher nachgeschickt worden) zu erwiedern, daß dieß ganz gegen meine Gesinnung seyn würde, selbst in dem Fall daß Paul in den Ansätzen übervortheilt worden wäre, oder für 5 fl. 10 unterschrieben hätte. Was das Interesse des Instituts dabey fordert, ist nicht meine Sache zu bedenken. Ich bedaure vielmehr lebhaft das Unglück des armen Bedienten, der auf diese Weise durch meinen Sohn um sein Brod gekommen. Ich wünsche weiter nichts, als daß Paul heute unterwegs nach München sey. Es ist für seinen Empfang daselbst auch in meiner Abwesenheit die nöthige Vorsorge schon getroffen. Unstreitig wird Paul das Verzeichniß sämmtlicher Ausgaben mitbringen. Da das, letzte ihm mitgegebne Geld dazu weit nicht ausreicht, so wünsche ich, daß die unrechtmäßig contrahirten Schulden vorläufig unbezahlt geblieben seyn. So wie die Rechnung in München ist, werde ich Sorge tragen, daß die zur Vervollständigung der Bezahlung nöthige Summe überschickt wird.

Hochachtungsvoll mich empfehlend

Schelling