Schelling

Schelling Nachlass-Edition


Sr. Wohlgebohrn

Herrn Professor Dr. Köstlin

in

Urach

über Ulm.

g[an]z frey.

, Hochverehrter Herr Professor, erhielt ich Ihr Schreiben mit dem Zeugniß. Ich erkenne ganz dessen Schonung und Milde. Nach eingezogner Erkundigung kann dieß Eine für die beyden, in meinem letzten Brief gewünschten Zeugnisse (Studien- und Sittlichkeits-Zeugniß) zugleich gelten. Es bedarf also, wenn dieselben nicht ohnedieß schon ausgefertigt seyn sollten, dieser nicht mehr. Auch das ärztliche Zeugniß, wenn es nicht schon existirt, kann erspart werden, weil es eben so gut von unsrem hiesigen Arzt ausgestellt werden kann.

Die Verhältnisse fordern durchaus, daß Paul am hier ankomme. Auf seine Reputation in Urach, die ohnehin nicht wohl verschlechtert werden kann, läßt sich keine weitere Rücksicht nehmen. Ich bitte daher, dafür Sorge zu tragen, daß er mit dem, d˖[en] Ab˖[end] 6 Uhr von Ulm abgehenden Eilwagen von dort abreise. Mit sich zu nehmen hat er nur, was in seinen kleinen Coffre geht; seine übrigen Effecten, Bett, Bücher u.s.w. zusammenpacken zu lassen, um sie mit dem Boten nach Ulm gehen zu lassen, woselbst sie dieser (der Bote) dem Fuhrmann zu übergeben hat. Ich bitte, ihm gefälligst f. 16 16 x zur Bezahlung des Eilwagens, und einen Kronenthaler für Zehrung unterwegs, zu geben oder vorzuschießen; deßgleichen das Fuhrwerk bis Ulm für ihn zu bezahlen. Ich füge noch die Bitte hinzu, ihm die Rechnung über die für ihn gemachten Auslagen (die inzwischen ermittelten Schulden mit inbegriffen) entweder mit zu geben oder, so bald es geschehen kann, folgen zu lassen.

Ich bin beschämt, Ihnen, Verehrter Herr Professor, noch am Ende so viele Ungelegenheit verursachen zu müssen, nachdem Ihnen Paul davon während seines ganzen Aufenthalts schon so viele gemacht hat. Ich kann mich mit nichts, als damit entschuldigen, daß Herr R˖[ektor] Plank in Nürtingen ihm auch zuletzt noch Zeugnisse ertheilte, die mich eine solche Wendung in Urach auf keine Weise voraussehen ließen.

Mit vollkommenster Hochachtung und dankbarster Ergebenheit
Ihr
gehorsamster

Schelling