Schelling

Schelling Nachlass-Edition


Die erhaltne Nachricht mußte Paul’s Eltern tief betrüben. Einen solchen Grad sittlicher Verwilderung hätte man sich allerdings nicht vorstellen können. Herr R˖[ektor] Planck schrieb mir von dem Vorschlag des philologischen Seminars in Heidelberg als eines für Paul und die Fortsetzung seiner Studien geeigneten Instituts. Ich weiß von keinem als dem mit der Universität verbundnen. In diesem Fall, und wenn er doch auf eine Universität gehen sollte, würde ich immer die hiesige vorgezogen haben, wo ein philologisches Seminar ebenfalls besteht, und wo ich ihn unter eigner Aufsicht halten könnte, während es mir frey stand, ihn vorerst nur mit philologischen und mathematischen Studien zu beschäftigen. Der neuste Vorfall ändert völlig den Gesichtspunct. Ich sehe, daß es nicht des Unterrichts sondern vor der Hand der Erziehung und strenger Aufsicht für ihn bedarf. Das vernachläßigte Moralische macht ohnedieß jeden geistigen Fortschritt für ihn unmöglich. Ich behalte mir vor, über die Zeit seines hienach zu bestimmenden Abgangs von Urach in einigen Tagen des Nähern zu schreiben. Ich bedarf für alle Fälle eines amtlichen Zeugnisses von der bisherigen Lehranstalt, das ich jedoch bitte, mir unmittelbar zukommen zu lassen. Ich wünsche, daß es seinem weiteren Fortkommen wenigstens nicht absolut in den Weg trete.

Schg.