An den verehrlichen Vorstand der k˖[öniglichen] Akademie der Wissenschaften
Herrn Geh˖[eim]Rath von Schelling
Euer Hochwohlgeborn
habe ich früher schon die Ehre gehabt von dem Rufe nach Dresden, in Folge von welchem ich als Ober-Schul- und Kirchenrath in meine ursprüngliche Heimath zurückkehren sollte, zu sprechen und Sie auf Ihre theilnehmende Frage, ob von Seite der Akademie etwas geschehen könnte, mein Verhältniß zu ihr und zu Bayern auch für die Zukunft zu sichern, von einigen früheren Reclamationen im Betrag von 600 fl in Kenntniß zu setzen, deren Anerkennung in der Weise, daß nur jene Summe in meiner Eigenschaft als Mitglied der Akademie als Standesgehalt allergnädigst bewilligt würde, zunächst eine Befestigung meiner hiesigen Dienstverhältnisse herbeyführen würde.
Eure Hochwohlgeborn haben darauf einen Antrag an Seine Königliche Majestät zu gründen die Gewogenheit gehabt, und in Erwartung allerhöchster Entscheidung darüber habe ich bis jetzt Anstand genommen, in Bezug auf jenen Ruf irgend einen festen Entschluß zu fassen. Nach den neuesten, mir von Dresden unterm zugekommenen Nachrichten fangt man dort an, das Ausbleiben meiner letzten entscheidenden Antwort als ein Zeichen meiner Weigerung anzusehen. Noch sey nichts entschieden und alles noch res integra, der Kirchenrath werde zu einem Ministerium des Cultus und des Unterrichts erhoben, und die Glieder desselben würden demnach wahre Minister. Zugleich werde ich dringend aufgefordert, meine letzte Erklärung nicht länger hinauszuschieben. Da nun nach den mir zugekommenen Mittheilungen Seine Königliche Majestät in Bezug auf meine Verhältnisse und mein künftiges Verbleiben in Höchstdero Dienste sich mit früherer Huld zu erklären geruht haben, so habe ich keinen Anstand genommen, den Ruf nach Dresden auszuschlagen, und darüber heute dorthin die nöthigen Mittheilungen gemacht, indem ich, was die Genehmigung meiner Wünsche belangt, mich ganz dem Vertrauen gegen Seine Majestät den König hingebe, welches mich schon früher gegen die Gesinnung des Monarchen beseelt hat.
Indem ich Euer Hochwohlgeboren von diesem meinem Entschluße in Kenntniß setze, habe ich zugleich Sie ehrerbietigst ersuchen wollen, jenen früheren Antrag erneuern und zur Allerhöchsten Genehmigung durch Hinweisung auf die Bereitwilligkeit und das Vertrauen, mit welchem er einen eben so vortheilhaften als ehrenvollen Ruf ausgeschlagen habe, unterstützen zu wollen.
Mit vorzüglicher Verehrung verharrend
Euer Hochwohlgeboren
Gehorsamster Diener
Dr. Fr. Thiersch Mitgl˖[ied] der Ak˖[ademie] der W[issenschaften].
München den .