Hochwohlgeborner Herr Präsident
Hochverehrtester Herr!
Herr Quiris welche die Ehre haben wird diese Zeilen Eure Hochwohlgeboren zu überreichen, ist ein ehemaliger Schüler des Abbe de la Mennais, er hielte sich seit einem Jahre in Frankfurt auf, und übernahm die Ubersetzung meiner Schrift in das Franzosische, und will nur zur Vollendung seiner wissenschaftlichen Bildung nach München gehen, und den Vater der neuern Philosophie hören, um dann in der Folge die deutsche Philosophie in seinem Vaterlande zu verpflanzen. Es dürfte überflüßig seyn den jungen Mann Eure Hochwohlgeboren noch weiter zu empfehlen, indem derselbe in seinem ganzen Wesen schon so viel Liebenswürdiges und empfehlendes hat und was seinen Sin und regen Eifer für das Höhere betrift, werden Sie gewiß damit zufrieden seyn.
Es freuet mich inigst diesen Anlaß zu finden, mich in das Andenken meines Hochverehrten Lehrers zurükzurufen. ich hätte sehr gewünscht bei dieser Gelegenheit Euern Hochwohlgeboren den zweiten Theil meiner Schrift vorlegen zu können; allein da ich gerne etwas vollständiges liefern, und nicht blos die theoretische Kabbalah allein, sondern zugleich auch damit das Ganze Judenthum in seinen Gesetzen und Gebräuchen von dem kabbalistischen Gesichtspunkte aus in dem nächsten Theile darstellen, und dann in dem dritten Theile einen Vergleich zwischen dem Judenthum und Christenthum anstellen möchte, so wird es bei der großen Menge der gesamelten Materialien, und der Schwierigkeit des zu bearbeitenden Gegenstandes wohl noch ein Jahr dauren bis dieser zweite Theil, welcher einen Schlüßel zur Kabbalah enthalten wird fertig seyn wird. – ich habe unter der Hand den Sohar bis auf einige Paraschen ganz übersezt. Allein es wäre ein zwekloses Unternehmen denselben jezt heraus zu geben, da er so wie er ist völlig unverstandlich für unsre jezige Zeit erscheint. Daßelbe ist auch der Fall mit den Schriften von Loriah, obwohl dieselben mehr in einer systematischen Form geschrieben sind. Wäre es mit einer blosen Ubersetzung der Kabbalah gethan, so hätte der erste Knorr von Rosenroth bei seiner kabbalistischen Gelehrsamkeit das Problem gelößt. Allein dieses war unmöglich. Denn zuert mußten Sie mein Hochverehrter Lehrer voraus gehen, um den Sinn für das Verständniß der Kabbalah zu erweken. Die Kabbalah kann ohnmöglich verständlich gemacht werden, ohne eine vorhergehende Entwiklung derselben von dem höhern philosophischen Standpunkte aus, und von hier aus lößen sich denn auch die verschiedene scheinbare Wiedersprüche in den kabbalistischen Schriften auf, die sonst das Studium derselben so sehr erschweren; um sich aber in die uns so fremdartige Vorstellungsweisen der Kabbalisten ganz hinein zu fühlen, dazu gehört natürlich ein lange fortgeseztes Studium.
Leben Sie wohl mein Hochverehrter Lehrer, und laßen Sie doch bald die Zeit in Erfüllung gehen, wo Sie uns mit der Bekanntmachung Ihrer Schriften beglüken werden.
Mit der inigsten Verehrung habe ich die Ehre zu bestehen
Euer Hochwohlgeboren
gehorsamster
Molitor
Frankfurt den .