Schelling

Schelling Nachlass-Edition


Sr. Hochwohlgeboren

Herrn Geheimrath u.s.w.

von Schelling

München

Verehrtester Herr Vetter,

Voraus meinen herzlichen Dank für das Zeugniß von Ihrem mir unschätzbaren freundlichen Andenken, das ich aus Juliens Munde erhalten habe, und tausend Grüße, an die liebe, würdige, liebenswürdige Pauline

Hiernächst – auf dieses Zeugniß gestützt – eine Bitte, die darin besteht, daß Sie, wenn es thunlich, dem jungen Manne, der Ihnen diese Zeilen einhändigen wird, mit Rath und Hülfe beistehen wollen! Herr von Teubern, ein von Kopf, Herz und Kenntnissen empfehlens werth, mir durch Blut und vieljährigen Umgang verwandt, hat aus Neigung Theologie studirt, ist mit Lob unter die Zahl der Candidaten des Fürstenthums Altenburg aufgenommen worden, hat alsdann eine Zeitlang meine Kinder unterrichtet, hernach einen jungen Hannoveraner auf dem hiesigen Gymnasium, und auf der Universität Göttingen geführt, dort hat er die Zuneigung der Familie Sartorius erworben, und diese hat ihn zu der erledigten Patronal Pfarre auf ihrem Gute Waltershausen präsentirt. Man hat ihm die Bedingung gemacht das Baiersche Indigenat zu erwerben, und dessen Ertheilung an den Erfolg seiner Prüfung geknüpft. Diese hat er im vorigen vor der Königlichen Commission zu Ansbach bestanden, und die Note: Gut, dem sehr Guten nahe kommend: erhalten. Dennoch aber ist dem Patron abgeschlagen worden, dem Teubern das Indigenat zu ertheilen.

Die Familie Sartorius will sich bey diesem Bescheid nicht beruhigen, sondern hat dagegen Vorstellung gethan, zugleich aber dem Teubern gewissermaßen zur Pflicht gemacht, selbst nach München zu gehen, und dort diese seiner eigenen Ehre Nachtheil drohende Angelegenheit mit zu betreiben. So erscheint er nun in Ihrer Hauptstadt fremd, ohne Freunde ohne Fürsprecher. Es bedarf keiner weitern Schilderung seiner mißlichen Lage.

Thun Sie, rathen Sie ihm, nach Ihrer tiefen Einsicht, und nach Ihrer Kenntniß des Bodens, und bleiben Sie gewogen
Ihrem
aufrichtigst ergebenen

Hoff