Ew. Hochwohlgebohrn
schicke ich mit verbindlichstem Danke das Blatt der politischen Zeitung zurück. – Daß in dieser das Programm für sich steht, mußte ich mir anders erklären. Nachdem ich bemerkt hatte, daß in den öffentlichen Blättern dieses nicht, wohl aber der Artikel über die Sitzung erschien, schickte ich das Programm noch an beyde hiesige Redactionen, sowie an die Augsburger, mit dem Ersuchen, dasselbe für sich abdrucken zu lassen. Da nun dieses bloß in der politischen Z˖[eitung] geschehen ist, so weiß ich nicht, warum – doppelt aufgefordert – die Augsburger, wie allem Anschein nach die hiesige Nat˖[ional-]Zeitung schlechterdings darauf bestehen, das Programm als Einschiebsel Ihres Vortrags zu behandeln.
Ew. Hochwohlgeb˖[ohrn] haben zu viel Einsicht, um nicht den Unterschied zwischen den beyderley Arten anzuerkennen und zuviel Billigkeit, mir zu verübeln, daß ich, der an der Wiederholung der Aufgabe vorzüglich Theil hat, über das Schiksal der Aufgabe und also auch gleich zuerst des Programms nicht gleichgültiger bin.
Die Art der Absicht bey der – wie ich voraussetzte – von Ihnen beliebten Einrichtung habe ich mir nicht zu bestimmen angemaßt, eine Absicht mußte ich aber annehmen, da ich doch wohl voraussetzen mußte, daß E˖[uer] Hochw˖[ohlgebohrn] einen besondern Grund gehabt hätten, die Bekanntmachung eher auf diese als auf die andre, der Sache angemeßnere Art zu veranstalten.
Sollte ich dessen ohnerachtet durch die Voraussetzung irgend einer Absicht E˖[uer] H˖[ochwohlgebohrn] haben kränken können, so will ich den Fehler des zu raschen Schlusses gern auf mich nehmen, nur bitte ich, mir nicht allen Grund – wenigstens ex analogia – abzusprechen. War es vielleicht auch absichtlos, daß bey dem öffentlichen Vortrage die Stelle von Luther’s Bibel-Übersetzung weggeblieben, was sogar Katholiken – beleidigt hat? Solche Rück- und Absichten – Sie verzeihen diese Offenheit, nachdem es einmal zwischen uns eingeführt ist, ohne Rückhalt zu sprechen – schaden unglaublich und wirken auch für die nachtheilig, die von dergleichen völlig frey sind, gleichwie sie jedes Geschäfts-Verhältniß gar sehr erschweren. In diesem – ich läugne es nicht, da ich die Unmöglichkeit empfinde, Sie für die Standhaftigkeit (Consequenz) und Unabhängigkeit des Handelns zu gewinnen, die ich darinn allein für wahrhaft achtungswerth zu halten vermag, kann ich Ihnen nur die gebührende Hochachtung bezeugen.
Möchten wir beyde von diesem Verhältniß frey und mir dadurch verstattet seyn, ohne Verdacht unwürdigen Heuchelns, Ihnen stets nur die ebenso aufrichtige als in jedem andern Verhältniß vollkommne Hochachtung zu bezeugen, mit der ich immer seyn werde.
Ihr
G[an]z erg[e]b[en]st[e]r
Schelling.